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„Die Tische müssen sich biegen.“ Das hat in Russland Tradition, wenn Gäste erwartet werden. Galina Böhm, in Moskau geboren, lebt schon seit Jahrzehnten in München, hält aber immer noch an dieser Sitte ihres Heimatlandes fest.

Mein Küchengeheimnis

WM in Russland: So kochen die Gastgeber

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„Wenn Russen zum Essen einladen, müssen sich die Tische biegen“, sagt Galina Böhm. Die gebürtige Moskauerin hat anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in ihrem Heimatland russische Spezialitäten aufgetischt.

Eine schmackhafte, aber üppige Angelegenheit. Dazu gibt es ganz traditionell ein Glas Wodka. „Denn der geht immer.“

Wodka, Krimsekt, Kaviar - und viel mehr

Russische Küche schmeckt nach Wodka, Krimsekt und Kaviar. „Nicht nur“, sagt Galina Böhm mit Nachdruck. Die russische Küche habe weit mehr zu bieten. Galina Böhm: „Sie ist zwar etwas arbeitsaufwendig, aber die meisten Gerichte kann man gut vorbereiten.“ So macht es die Wahlmünchnerin auch heute – das meiste muss man nur noch abschmecken. „Ideal, wenn Gäste kommen.“

Die russische Küche ist nicht gerade leicht – doch das sieht man Galina Böhm nicht an. „Ich bin Profitänzerin für orientalische Tänze“, sagt die Moskauerin mit einem Zwinkern. Da könne man getrost bei den russischen Spezialitäten zugreifen. Außerdem ist die Russin viel unterwegs – am liebsten auf dem Motorrad. Gerade ist sie aus den USA zurück. „Ich liebe es, auf Reisen zu gehen.“ Blechschilder aus der ganzen Welt erinnern an ihre Touren.

Galina Böhm ist in Moskau bei den Großeltern aufgewachsen. Die Großmutter kochte leidenschaftlich gerne. „Schon damals habe ich mir die Rezepte in ein kleines Büchlein aufgeschrieben. Als hätte sie damals schon geahnt, dass sie eines Tages fortgehen würde. Galina Böhm studierte auf Dolmetscherin und Übersetzung. So fiel es ihr auch nicht schwer, vor über 30 Jahren in München Fuß zu fassen, nachdem sie der Liebe wegen hierher gezogen war. Als Großeltern und Eltern noch lebten, flog die Russin regelmäßig in die Heimat, jetzt werden die Besuche in der Millionen-Metropole seltener.

Galina Böhm holt sich Russland jetzt einfach nach München. Indem sie oft und gerne Spezialitäten der alten Heimat nachkocht. Viele Gerichte entnimmt sie ihrem selbst geschriebenen Rezeptbüchlein. Die Backwaren wie die russischen Pelmeni oder die Blini beispielsweise sind althergebrachte Rezepte. Für Weihnachten plant die Dolmetscherin einen „Russisch kochen und sprechen“-Kurs an der Münchner Volkshochschule. Außerdem arbeitet sie mit dem Sprachen- und Dolmetscher Institut SDI in München zusammen.

Vorspeisen und Suppen sind die Favoriten in der russischen Küche. „Eigentlich sind wir danach schon satt“, sagt Galina Böhm. „Suppen dürfen bei einem russischen Essen nie fehlen.“ Die bekannteste darunter ist der Borschtsch, eine Rote-Bete-Suppe. Galina Böhm hat sich für das Fest auf dem grünen Rasen für die grüne Borschtsch-Variante entschieden. „Die schmeckt auch im Sommer gut.“

Auch die Palette der russischen Nationalgetränke ist reichhaltig. „Wir trinken zu jeder Tages- und Nachtzeit Tee, wir nennen ihn Tschai.“ Damit jeder ihn in der gewünschten Stärke zubereiten kann, kommt traditionell ein Sud auf den Tisch und das heiße Wasser dazu aus dem Samowar. Veredelt wird der Tee mit Zucker und Zitrone. Ebenfalls sehr beliebt ist das Kwas, ein Brottrunk. Mittlerweile gibt es das Brotgetränk auch in München zu kaufen. Eine kalte Dose ist immer im Kühlschrank von Galina Böhm.

Die Russin Galina Böhm ist leidenschaftliche Köchin – auf eine schöne Fußball-WM stößt die Dolmetscherin mit Merkur-Redakteurin Stephanie Ebner an – natürlich mit Wodka.

„Wir Russen lieben auch Bier“, die Brauerei Baltika mache es ihren Kunden leicht, erzählt die Wahlmünchnerin: „Je mehr Alkoholgehalt in der Flasche, desto höher die Ziffer auf dem Etikett.“Und natürlich darf der Wodka nicht fehlen – am besten schmeckt er aus eisgekühlten Gläsern. Gut zu wissen ist außerdem: Ein guter Wodka hat 40 Prozent Alkoholgehalt, darf nicht riechen und muss nach nichts schmecken. „Ein Schluck Wodka geht immer“, sagt Galina Böhm und fügt dann noch hinzu: „Wir Russen sind für Trinksprüche bekannt. Hoffentlich brauchen wir während der WM nicht zu viele Gläser davon zum Trösten.“

Heimatküche aus Russland (4 bis 6 Personen)

Russen lieben Suppen. Im Frühjahr und im Sommer ist der grüne Borschtsch sehr beliebt. Borschtsch sollte so viel Gemüse enthalten, dass ein Holzlöffel im Suppentopf stehen bleibt, lautet ein Sprichwort.

Grüner Borschtsch

500 g Rindergulasch

400 g Sauerampfer, alternativ geht auch grüner Spinat

400 g Kartoffeln

2 Karotten

1 Sellerie

1 Zwiebel

Salz und Pfeffer

außerdem:

4 hart gekochte Eier

1 Becher saure Sahne

gehackten Dill zum Bestreuen

Mal grün: Boschtsch-Suppe

Zubereitung:

1. Das Rindfleisch mit reichlich kaltem Wasser für eine kräftige

Brühe aufsetzen. Ca. 1,5 Stunden köcheln lassen, zwischendurch den Schaum abschöpfen.

2. In der Zwischenzeit Kartoffeln schälen und würfeln, mit dem Gemüse genau so verfahren. Sobald das Fleisch weich ist, das Gemüse dazugeben und weich köcheln.

3. Dann die angebratenen Zwiebeln und den Sauerampfer hinzufügen. Mit Salz und Pfeffer würzen.

4. Die Suppe heiß mit einem Klecks Sauerrahm, den klein gehackten harten Eiern und frischem Dill servieren. Dazu passt frisches Bauernbrot.

Tipp: Aufgewärmt am nächsten Tag schmeckt die Suppe noch besser. Ein Festmahl ohne den „Salat Oliver“ ist in Russland undenkbar. Im 19. Jahrhundert ließ sich der russische Adel den von einem französischen Koch zubereiteten Salat schmecken. Er ist bis heute in allen Schichten beliebt geblieben.

Ein Festmahl ohne den „Salat Oliver“ ist in Russland undenkbar. Im 19. Jahrhundert ließ sich der russische Adel den von einem französischen Koch zubereiteten Salat schmecken. Er ist bis heute in allen Schichten beliebt geblieben.

Salat Oliver

400 g Kartoffeln

300 g Karotten

1 Glas saure Gurken

400 g gekochtes Hühnerfleisch,

Rinderfleisch oder

Kochwurst

5 hart gekochte Eier

1 Dose Erbsen

1 Dose Mais

1 Apfel, geschält und gewürfelt

150 ml Mayonnaise

1 Bund Dill

Salz und Pfeffer

Ein Muss: Salat Oliver.

Zubereitung

1. Fleisch in Wasser weich kochen. Abkühlen lassen und in kleine Würfel schneiden. Alternativ nimmt man Kochwurst. 

2. Karotten und Kartoffeln mit Schale in Salzwasser weich kochen. Anschließend von der Schale befreien und klein würfeln. Je kleiner, desto feiner.

3. Gürkchen würfeln. Ebenso den Apfel und die Eier. Die Würfel sollten gleich groß sein. 

4. Alle Zutaten in eine Schüssel geben, alles gut vermischen und mit Mayonnaise, Salz und Pfeffer verrühren. Der Salat sollte mindestens ein paar Stunden im Kühlschrank durchziehen. Am besten über Nacht.

5. Vor dem Servieren nochmals abschmecken und mit Dill bestreut reichen.

Den Begriff „Russische Eier“, den wir gerne verwenden, kennt man in Moskau zwar nicht, die hart gekochten Eier mit einer leicht pikanten Füllung sind dort aber eine beliebte Vorspeise. Sie heißen schlicht gefüllte Eier.

Gefüllte russische Eier

5 Eier, hart gekocht

1 Dose Thunfisch

etwas Mayonnaise

Salz und Pfeffer

gehackter Dill

Zubereitung:

1. Das hart gekochte Ei halbieren, das Eigelb herauslöffeln.

2. Mit dem Thunfisch und Mayonnaise zu einer geschmeidigen Masse verrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Anschließend die Masse mit einem Spritzbeutel auf das Eiweiß geben. Die gefüllten Eier auf einer Platte anrichten.

Tipp: Je nach Geschmack kann man zu dem Grundrezept Pilze, gedünstete Zwiebeln, Schinken oder Fisch hinzufügen. Mit Kapern oder edel mit Kaviar dekorieren. Leichter wird die Masse, wenn man mit Frischkäse arbeitet.

Spezialitat: Pelmeni.

Pelmeni heißt eine russische Nudel-Spezialität mit Fleischfüllung. Ursprünglich stammt es aus Sibirien.

Pelmeni

für den Teig:

500 g Mehl

250 g Buttermilch, Kefir

oder Milch

1 Ei

etwas Salz

für die Füllung:

500 g gemischtes Hack

1 kleine Zwiebel

Salz und Pfeffer

außerdem: saure Sahne, frische Kräuter

Zubereitung:

1. Zutaten zu einem elastischen Teig verarbeiten. Diesen dünn ausrollen und mit einem Glas Kreise ausstechen.

2. Für die Füllung Zwiebeln klein schneiden, mit Hackfleisch vermischen und salzen und pfeffern. Die Füllung auf die Teigplatten geben und diese dann fest verschließen.

3. Die Pelmeni ins kochende Salzwasser geben. Sobald sie aufsteigen, sind sie fertig.

4. Mit saurer Sahne servieren.

Die Napoleon-Torte gehört zu den beliebtesten Süßspeisen des Landes und darf auf keinem Fest fehlen. 1912 feierte  Russland das 100-jährige Jubiläum des Sieges über Napoleon Bonaparte. Vermutlich entstand die Torte aus diesem Anlass.

Napoleon-Torte

für den Teig:

3 EL Butter

200 g Schmand

150 g Zucker

4 Eiweiß (flüssig)

etwa 500 g Mehl

für die Creme:

1 l Milch

4 Eigelb

150 g Zucker

3 EL Butter

4 EL Mehl oder Speisestärke 

zum Dekorieren: gehackte Nüsse

Zubereitung:

1. Alle Zutaten vermischen und zu einem festen (!) Teig kneten. Diesen mindestens eine Stunde kühl stellen. Anschließend in sechs Kugeln teilen. Jeden Teigballen zu einem Rechteck auswalken und bei 180 Grad jeweils circa 10 Minuten goldbraun backen. Die Teigplatten abkühlen lassen.

2. Für die Creme zunächst Eigelb mit Zucker schlagen. Dann Mehl oder Speisestärke zufügen. Milch zum Kochen bringen, die Eiermischung zufügen und unter Rühren langsam aufkochen.

3. Die Böden mit Creme bestreichen, übereinander schichten. Die oberste Schicht soll eine Creme sein. Diese mit Nüssen oder Kuchenbrösel dekorieren.

4. Die Torte über Nacht im Kühlschrank durchziehen lassen.

Mein Küchengeheimnis

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Wir freuen uns auf eine Küchenplauderei mit Ihnen und Ihre Leibspeise.

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