Die Wochingers: "Liebe ist das beste Rezept"

Holzkirchen - Ab sofort schauen wir freitags neben Kochprofis auch Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir bei "Küchenmutti" Gerdi Wochinger aus Holzkirchen.

In der Küche ist Gerdi Wochinger (52) der Chef. "Da hat mein Mann nichts zu sagen, da ist er nur der Handlanger." Sagt's streng und strahlt gleichzeitig ihren Mann Josef (53) an. Die beiden stehen wie jeden Mittag in ihrer Küche und kochen zusammen. "Wir verbringen den halben Tag hier, weil gut essen für uns zum Leben dazugehört." Nur morgens, zum Frühstückmachen, hantiert hier Josef Wochinger allein. Sonntags bleibt der Herd kalt. "Da gehen wir schön essen."

Die beiden lachen viel und necken sich gerne, während sie zusammen kochen. Wenn sie wieder ganz penibel Gemüse schnippelt, frotzelt der Sohn des früheren Oberbräu-Wirts von Holzkirchen: "So könntest du nie eine Gaststätte führen." Sie kontert frech: "Muss ich auch nicht." Und fügt hinzu: "Mach nicht so eine Sauerei." Und zum Abschluss gibt's einen Kuss. Denn: "Liebe ist einfach das beste Rezept."

Das halbe Leben der Wochingers spielt sich also in der Küche ab. Besonders seit sich Gerdi Wochinger vor vier Jahren ihren Traum erfüllt hat: eine neue Küche aus Tannenholz. "Die Bäume hat mein Urgroßvater vor 150 Jahren gepflanzt", sagt Josef Wochinger, Nachfahre der gleichnamigen Brauerei-Dynastie. Selbst mit Gästen sitzt das Paar am liebsten an dem kleinen Tisch in der Küche - umgeben von unzähligen Familienfotos. Am Abend nimmt hier Sohn Josef (19) Platz und erzählt beim Abendessen von seiner Arbeit.

Seit einem Handballspiel 1975 sind die beiden ein Paar, sieben Jahre später war Hochzeit und Gerdi Wochinger "Küchenmutti". Der Traumberuf der gelernten Bauzeichnerin. "Ich koche einfach wahnsinnig gern." Am liebsten Wild, denn ihr Mann ist ein passionierter Jäger.

Im Sommer gibt's das Fleisch meist gegrillt. So wie heute. Während ihr Mann das Fleisch einlegt (Rezepte siehe unten) und den Grill im Garten anwirft, setzt Gerdi Wochinger die Soße fürs Fleisch auf ("die braucht Zeit"), dann sind die Beilagen dran. Die Preiselbeersahne ist schnell gemacht: "Einfach die Sahne steif schlagen, Preiselbeeren zugeben, fertig." Die Früchte hat sie im Herbst selbst eingekocht.

Die Rohrnudeln hat die Köchin schon ganz in der Früh ins Rohr geschoben, die Soßen macht frisch - allerdings erst nach dem Mittagsessen. Sonst würde es dem hungrigen Ehemann zu lange dauern. Immer wieder kommt er in die Küche und fragt: "Wie lange dauert's denn noch? Ich hab Hunger."

In die Geheimnisse der Küche hat sie ihr Schwiegervater eingeführt. Er war früher der Wirt vom "Oberbräu" in Holzkirchen. Von ihm stammt auch das Rezept für die Kartoffelbögen. "Bislang ein streng gehütetes Geheimnis", sagt Josef Wochinger. Nicht einmal gute Freunde haben die Rezeptur erfahren. "Doch eigentlich ist's doch schade, wenn sie keiner außer uns essen kann. Dafür schmecken sie viel zu gut."

Den Feinschliff hat Alfons Schuhbeck der Hobbyköchin verpasst. Zunächst mit seinen Büchern. Gerdi Wochinger hat alle. Selbst das FC Bayern Fanbuch des Sternekochs - und das, obwohl ihr Mann ein Löwe ist.

Eines Tages stand der Sternekoch höchstpersönlich an ihrem Herd - Josef Wochinger hatte bei der Weihnachtsaktion eines Radiosenders mitgemacht und seiner Frau diese Begegnung ermöglicht. Sie schwärmt: "Das war wunderbar." Er sagt: "Schuhbeck durfte sogar das Cerankochfeld mit dem Hin- und Hergeruckel der Pfanne verkratzen. Wenn ich mich so etwas trauen würde..." Sagt's und nimmt seine Küchenmutti liebevoll in den Arm.

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