Zauberhaftes Tortenparadies

Peiting - Immer freitags schauen wir oberbayerischen Wirten über die Schulter. Heute tischen die Wirte der "Zauberhütte" im Landkreis Weilheim-Schongau hausgemachte Kuchen und Torten auf.

Hier kommt man nicht zufällig vorbei. Die "Zauberhütte" liegt weitab vom Schuss, im Schongauer Land, lediglich eine nicht befestigte Straße führt hierher. Die Hausnummer 46 1/2, gut drei Kilometer vom nächsten Dorf entfernt ­ genau das Richtige für einen Aussteiger wie Heinz Pantel. Der gebürtige Berliner Bankkaufmann hatte einst die Nase voll von Lärm und Großstadthektik. Er sehnte sich nach Ruhe und kaufte das entlegene Ackerland bei Birkland. Das war im Jahr 1949.

Die Birklander Bauern hielten ihn anfangs für "spinnert", kamen aber doch sonntags gerne zu ihm in seine "Zauberhütte", wie er sein Holzhaus nannte. Denn Heinz Pantel war nicht nur ein seriöser Kaufmann, der alsbald die Konzession hatte, Bier auszuschenken. Der Berliner beherrschte auch zahlreiche Zaubertricks. Die hatte Heinz Pantel von seinem Vater, einem der bekanntesten Varieté-Künstler im Berlin der 30er Jahre gelernt.

Gezaubert wird knapp 60 Jahre später nicht mehr in der "Zauberhütte": "Mein Vater hat uns nicht einen Trick verraten", bedauert seine Tochter Dorle Brandl, heute 56 Jahre alt. Der Künstler hatte Angst, dass die Kinder sich verplappern würden. Als er 1967 überraschend verstarb, kam Heinz Pantel nicht mehr dazu, seine Geheimnisse preiszugeben.

Zauberhaft ist in der "Zauberhütte" deshalb "nur" noch der Ausblick: Daran kann sich selbst die Senior-Wirtin nach all den Jahren nicht sattsehen: "Ich freue mich jedes Jahr, wenn im Frühjahr der Löwenzahn vor der Alpenkette blüht. Das ist ein gigantisches Bild, das kein Künstler schöner malen kann."

Dorle Brandl machte zusammen mit ihrer Mutter Melanie Pantel (85) und später mit ihrem Mann Peter (58) aus der "Zauberhütte" ein beliebtes Ausflugslokal. In den 60er Jahren war hier ein Jugendtreff ­ "wir konnten die Musik laut aufdrehen, ohne dass wir irgendwelche Nachbarn gestört hätten", erinnert sich Dorle Brandl an diese Zeit.

Anfang 2007 übernahm die dritte Generation die "Zauberhütte": Robert (36) und Eva (30) Brandl-Astleitner setzen den Schwerpunkt aufs Essen. "Traditionell und doch gleichzeitig modern und ehrlich", will der Junior-Chef kochen.

Ein "Spagat", wie der Küchenchef meint, aber zu den Gästen passend: Zu uns kommen ganz Junge wie ganz Alte. "Manche feiern bei uns schon seit Generationen ihre Feste", sagt der junge Wirt ­ von der Hochzeit über die Taufe und Kommunion, bis zur silbernen und goldenen Hochzeit. "Es ist schön, die Gäste über Jahre zu begleiten." Es gibt aber auch Gerichte, von denen der Junior-Chef lieber die Finger lässt ­ beispielsweise von den Bratkartoffeln: "Die bekomm' ich nach Art des Hauses einfach nicht hin", räumt der junge Gastronom ein.

Gerade die langjährigen Gäste kennen die Bratkartoffeln noch von früher. Seit jeher gibt es in der "Zauberhütte" dieses Gericht ­ "vermutlich, weil mein Vater ein Berliner war", sagt Dorle Brandl. Das Besondere an den "Zauberhütten"-Bratkartoffeln ist allein schon die Optik: Sie werden nicht wie hierzulande üblich in Scheiben, sondern in Würfel geschnitten (Portion 2,40 Euro).

Dazu gibt es Klassiker wie Lendenbraten oder Gulasch (mit Bratkartoffeln und gemischtem Salat 7,90 Euro).

Die Torten und Kuchen bäckt seit 31 Jahren die Senior-Chefin, wie zuvor schon ihre Großmutter. Wie viele sie in all den Jahren gebacken hat ­ "das weiß ich nicht". Einmal hat sie ein Jahr mitgerechnet. Da kam sie auf 800 Stück.

Am liebsten bäckt Dorle Brandl Käsekuchen, bei ihren Gästen geht nichts über den Eierlikörkuchen. Der muss immer auf der Karte stehen. "Ein Sonntag ohne Eierlikörtorte ist in der "Zauberhütte" undenkbar", sagt sie. Und wenn das Wetter fürs Wochenende schön angekündigt ist, dann bäckt sie halt gleich ein paar mehr, sonst geht er zu schnell aus. Viele Rezepte stammen noch von Dorle Brandls Großmutter. Unbewusst hat aber auch Schwiegersohn Robert Spuren in der Kuchenküche hinterlassen: Der gebürtige Wiener hatte einmal Zutaten aus Österreich in "Zauberhütten"-Küche stehenlassen, die Dorle Brandl kurzerhandbeim Backen verarbeitet hat. Seitdem gibt es ab und zu eine Steirische Kürbiskern-Torte.

Viele der "Zauberhütten"-Gäste kommen allein wegen der Kuchen her. Das verwundert die Bäckerin manchmal: "Ich bin doch nur eine Laiendarstellerin", sagt Dorle Brandl bescheiden. Das Lokal ist nach wie vor eine Reise wert: auch ohne Zaubertricks werden die Besucher werden ganz einfach von der Schönheit der bayerischen Natur verzaubert.

Zauberhütte:

Adresse:

Zauberhütte:

Mößle 2 in 86971 Peiting (Landkreis Weilheim)

Telefon (0 88 09) 205

Hinkommen:

von München aus über die Lindauer Autobahn, Ausfahrt Landesberg Ost. Von dort Richtung Weilheim fahren. In Rott die Abzweigung Richtung Apfeldorf nehmen. Nach dem Ort Birkland, am Sägewerk links abbiegen. Von dort ist die "Zauberhütte" ausgeschildert.

Öffnungszeiten:

Montags und Donnerstags ab 17 Uhr, Freitags, Samstag und Sonntags ab 11.30 Uhr.

Sonstiges:

nur mit dem Auto erreichbar.

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