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Kochen und der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche: Zwei Hobbys von Willi Gillmeister aus Baldham.

Mein Küchengeheimnis

Zwetschgen versüßen Sommer-Finale

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Willi Gillmeister (72) aus Baldham, Landkreis Ebersberg, kocht ein Herbstgericht mit beschwipsten Pflaumen. „Das Leibgericht meiner Familie.“

Mit einer Kartoffelsuppe fing alles an. Vor vielen Jahrzehnten in Berlin, seiner Geburtsstadt: „Meine Schwester machte eine Ausbildung und wir probierten zuhause das Rezept aus.“ Die Kartoffelsuppe funktionierte auf Anhieb, die Lust zu kochen war geweckt: Seitdem probiert Willi Gillmeister gerne neue Rezepte aus. Manche kocht der 72-Jährige seit Jahren. So wie das „Pfläumchenessen“, das es bei den Gillmeisters zu besonderen Anlässen gibt.

In Baldham, wohin es die Familie in den 1970er Jahren verschlagen hat, wurden einst französische Rezepte gesammelt – „wir waren im Partnerschaftsfieber“. Wie viele Kommunen hatten auch die Baldhamer eine befreundete Gemeinde in Frankreich. „Beim Thema Essen waren uns die Franzosen damals weit überlegen“, erinnert sich Willi Gillmeister. Aus den besten Rezepten der deutsch-französischen Partnerschaft entstand ein kleines Rezeptbüchlein, erzählt der Hobbykoch. „Daraus stammt das Pfläumchenrezept. Wir lieben es seitdem“, sagt er.

Während Willi Gillmeister die Steaks mehliert, sagt er im besten Berliner Dialekt, dass er normalerweise „frei Schnauze kocht“. Doch heute hält er sich ausnahmsweise genau ans Rezept. Jetzt, als Rentner, hat Willi Gillmeister mehr Zeit zum Kochen. „Obwohl, eigentlich ist die Zeit nach wie vor knapp“, räumt der 72-Jährige sogleich ein. Zu zahlreich seien seine Interessen. An aller erster Stelle der Sport: „Der hat mein Leben geprägt, von klein auf.“

Herbstliches Menü: Willi Gillmeister hat Merkur-Redakteurin Stephanie Ebner das Ende des Sommers versüßt.

Willi Gillmeister erzählt, dass er im Alter von zehn Jahren an Kinderlähmung erkrankte. Als er damals das Krankenhaus verließ, konnte er nicht laufen. Der Rat der Ärzte: regelmäßig und viel Sport treiben. Wie schon sein Vater, begann der damals Zehnjährige Handball zu spielen. Mit Erfolg. Willi Gillmeister lernte nicht nur wieder laufen, als junger Mann war er mit der Handball-Mannschaft auch erfolgreich. „Wir haben damals Regionalliga Nord gespielt“, sagt er, und fügt voll Stolz hinzu: „Das entspricht heute der zweiten Bundesliga.“

Beschwipst: Die Zwetschgenhälften werden am besten über Nacht in Weißwein eingelegt.

In Baldham angekommen, gründete er nicht nur mit Ehefrau Monika („Eine Berlinerin, die ich über den Sport kennengelernt habe.“) eine Familie, sondern baute auch die Handballabteilung vor Ort auf. Als er beim allerersten Berlin-Marathon durch die wiedervereinigte Stadt mitläuft, nimmt sich der gebürtige Berliner vor, etwas für sein Vaterland tun zu wollen. Gillmeister: „Das waren unvorstellbare Glücksgefühle durch das Brandenburger Tor zu laufen.“ In der Folge widmete sich Gillmeister zehn Jahre der Dresdner Frauenkirche: Unter dem Motto „Ein Stern für Dresden“ organisierte er insgesamt sechs Radtouren durch ganz Europa, bei denen er Spenden für den Wiederaufbau sammelt. Umgerechnet 200 000 Euro nahm er dabei ein und wird dafür 2001 mit der „Europamedaille“ geehrt, als Anerkennung für besondere Verdienste um die europäische Einigung. Die Urkunde hängt in seiner Wohnung, neben Bildern vom Berliner Schloss. Seinem nächsten Projekt. „Ich will beim Wiederaufbau des Berliner Schlosses mithelfen.“

So schmeckt der Herbst: Kürbissuppe und Schweinesteaks mit Pflaumensauce

Sie sind nicht nur lecker – Zwetschgen sind auch sehr gesund. Mit Vitamin C, A und E stärken sie unser Immunsystem und schützen uns vor Krankheiten. Außerdem enthalten sie B-Vitamine und bringen unsere Verdauung in Schwung. Übrigens: Aus botanischer Sicht sind Zwetschgen eine Unterkategorie der Pflaume.

Schweinesteaks mit Pflaumensauce (Zutaten für vier Personen) 

Zutaten:

20 Pflaumen (pro Person rechnet man 5)
8 Scheiben Schweinesteak (pro Person rechnet man 2 Scheiben; ca. 150 g)
0,3 l herber Weißwein
etwas Butter
etwas Olivenöl
1/2 l Hühnerbrühe
1/4 l süße Sahne
3 bis 4 TL Johannisbeergelee
1 - bis 2 TL Zitronensaft
Salz
Pfeffer
Mehl

Zubereitung: 

  1. Pflaumen waschen, halbieren, den Kern entfernen und (am besten über Nacht) in den Weißwein einlegen. Die geschlossene Schüssel im Kühlschrank ziehen lassen.
  2. Die Steaks würzen und mehlieren, d.h. beide Seiten in Mehl wenden. Überflüssiges Mehl abklopfen.
  3. In einer Pfanne das Öl-Butter-Gemisch erhitzen, die Steaks auf beiden Seiten anbraten. In der Zwischenzeit den Wein (die Zwetschgen vorher abseihen und beiseite legen) in einem Topf erhitzen.
  4. Anschließend die Steaks aus der Pfanne nehmen und warm stellen. Den Bratensatz in der Pfanne mit dem Wein ablöschen und sirupartig einkochen.
  5. Die Brühe zum eingekochten Wein geben und die Steaks wieder in die Pfanne legen.Mit geschlossenem Deckel bei niedriger Temperatur 45 Minuten sieden lassen.
  6. Kurz vor Ende der Garzeit die Steaks aus der Pfanne nehmen, warm stellen. In die Sauce die Sahne geben, kurz mitköcheln lassen. Mit Zitrone und Johannisbeermarmelade abschmecken. Ganz zum Schluss die Zwetschgen in der Sauce erwärmen und alles zusammen servieren. Dazu passen beispielsweise Kroketten.

Kürbissuppe 

Zutaten:

1 Hokkaido-Kürbis (700 g)
2 bis 3 Karotten (300 g)
1 Gemüsezwiebel
2 EL Öl
1 l Gemüsebrühe
2 Kartoffeln
3 Scheiben Ingwer
400 ml Kokosmilch
Salz und Pfeffer
zum Verfeinern: Garnelen
Koriander

Zubereitung: 

  1. Den Kürbis und die Karotten waschen. Kürbisfleisch (mit Schale) würfeln, Karotten schälen und in Scheiben schneiden. Die Gemüsezwiebel fein Würfeln, in etwas Öl alles anbraten.
  2. Mit der Gemüsebrühe ablöschen. Das Ganze mit den gewürfelten Kartoffeln und dem Ingwer aufkochen. 20 Minuten köcheln lassen, bis das Gemüse weich gekocht ist.
  3. Die Suppe pürieren.
  4. Die Kokosmilch dazugeben und mit erwärmen. Kräftig abschmecken.
  5. Wer will, serviert die Suppe mit Garnelen und gehacktem Koriander.

Mein Küchengeheimnis

Wollen auch Sie uns ein Rezept vorstellen, zu dem Sie uns eine Geschichte erzählen können? Dann melden Sie sich. Sie erreichen uns per Mail an gastro@merkur.de. Für jede veröffentlichte Küchenplauderei bedanken wir uns mit einem Kochbuch.

von Stephanie Ebner

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