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Was Hautärzte raten

32 Grad, 32 Tipps: Sonne sorgenfrei genießen!

Auf ins Traum-Wochenende! Samstag und Sonntag heizt uns der Hochsommer sauber ein – mit 32 Grad und bis zu 15,6 Sonnenstunden pro Tag. Wir haben 32 Tipps, wie Sie gesund Sonne tanken und gefährliche Nebenwirkungen vermeiden.

Am Wochenende werden nicht nur kiloweise Steaks auf den Grills brutzeln, sondern auch unzählige Münchner auf Bierbänken und Liegewiesen. „In vielerlei Hinsicht gilt: Sonne ist die beste Medizin“, sagen Dr. Marcella Kollmann und Prof. Dr. Dr. Ralf Uwe Peter. „Aber nur, wenn man sie mit Köpfchen und in Maßen genießt.“ Das beste Rezept dafür verraten die beiden renommierten Hautärzte in der tz: 32 Grad, 32 Tipps, wie Sie gesund Sonne tanken und gefährliche Nebenwirkungen vermeiden.

  1. Unterschätzen Sie die Folgen eines Sonnenbrandes nicht. „Dabei dringt UV-Strahlung in die Haut ein, erreicht die Zellkerne und kann dort Veränderungen verursachen, sogenannte Mutationen“, erklärt Prof. Peter. So entsteht unter anderem schwarzer Hautkrebs – und der gehört nach wie vor zu den gefährlichsten und schlecht behandelbarsten Tumorarten überhaupt (siehe Artikel unten).
  2. Einmal ist kein Mal? Von wegen! Der Körper merkt sich praktisch jeden Sonnenbrand. „Man kann sich die Haut durchaus wie Gartenmöbel vorstellen, die sich über die Jahre verändern. Je öfter sie der Sonne ausgesetzt werden, desto mehr nutzen sie sich ab“, sagt Dr. Kollmann.
  3. Eltern müssen stets auf der Hut sein: Im Kindes- und Jugendalter sind Sonnenbrände besonders gefährlich. „Die Haut als größtes Organ von uns Menschen befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Viele der natürlichen Schutzmechanismen und Reparatursysteme sind noch nicht ausgereift“, erläutert Prof. Peter. „Mit einem Sonnenbrand bei Kleinkindern ist nicht zu spaßen. Das grenzt an Körperverletzung.“
  4. Gewöhnen Sie Ihre Haut langsam an die UV-Strahlung! „Das ist besonders wichtig, wenn Sie heuer noch nicht so viel draußen waren. Sinnvoll wäre zum Beispiel, zunächst nur morgens oder abends in die Sonne zu gehen – beispielsweise beim Freizeitsport“, rät Dr. Kollmann.
  5. Als Faustregel gilt: Meiden Sie die Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr. Prof. Peter: „Während dieser Zeit ist die UV-Strahlung am stärksten. Das sollten sie auch im Strandurlaub beherzigen – wenigstens in den ersten vier bis fünf Tagen. Auch zu den anderen Tageszeiten sollten Sie es anfangs mit einer halben Stunde Sonnenbaden belassen.“
  6. Lassen Sich sich nicht von leicht bewölktem Himmel täuschen! Auch wenn es nicht knallheiß ist, kann die UV-Strahlung sehr hoch sein – besonders im Wasser. Dort ist die Reflektion am größten.
  7. Vorsicht auf den Bergen! Besonders gefährlich für die Haut ist die kürzerwellige UV-Strahlung. „Und die wächst mit der Höhe“, weiß Dr. Kollmann. Deshalb gilt beim Wandern oder Mountainbiken: Immer mit Kopfschutz und nie ohne Sonnencreme!
  8. Cremen Sie sich am besten schon im Badezimmer ein! „Es dauert nämlich etwa eine halbe Stunde, bis der Lichtschutzfaktor seine volle Wirkung entfacht“, weiß Dr. Kollmann.
  9. Verwenden Sie eine Creme, die mindestens einen Lichtschutzfaktor von 30 hat, wenn Ihre Haut noch nicht an die Sonne gewöhnt ist. Sie werden trotzdem braun.
  10.   Cremen Sie sich mindestens alle zwei Stunden von neuem ein – auch, wenn sich Ihre Haut noch eingecremt anfühlt. „Gerade, wenn am Strand oder auf den Bergen der Wind weht, spürt man manchmal gar nicht so sehr, dass man schwitzt“, sagt Prof. Peter. „Aber der Schweiß löst die Creme von der Haut. Auch deshalb sollte man sie möglichst großzügig auftragen.“
  11.   „Als Ergänzung zur Sonnencreme gibt es inzwischen sogenannte Nutrikosmetics. Das sind praktisch Kosmetika zum Essen, beispielsweise in Kapselform. Sie beinhalten einen bestimmten Lichtschutzfaktor“, berichtet Dr. Kollmann.
  12.   Bei Selbstbräunern nicht vergessen: „In diesen Cremes steckt in der Regel kein Schutzfaktor“, so die Hautärztin.
  13.   Wer darauf Wert legen, dass das Gesicht glatt wie ein Babypopo ausschaut, der sollte auf regelmäßiges Sonnenbaden verzichten. „Das fördert die Faltenbildung, weil durch die UV-Strahlung die Colagenstruktur der Unterhaut zerstört wird“, erklärt Prof. Peter.
  14.   Lassen Sie Ihre Sonnencreme nie in der prallen Hitze liegen – schon gar nicht auf dem Autositz oder gar unter der Windschutzscheibe. Sie verliert dadurch ihre Wirkung.
  15.   Werfen Sie Ihre Sonnencreme in den Müll, wenn das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Man sollte sie schon ein bis zwei Wochen danach nicht mehr hernehmen. Heben Sie die Creme nicht über den Winter für die nächste Sonnensaison auf.
  16.   Wenn Ihre Sonnencreme flockt, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass sie nicht mehr richtig wirkt.
  17.   Unbedingt auch die Lippen einschmieren! „Besonders die Unterlippe ist anfällig für den weißen Hautkrebs“, warnt Prof. Peter. Deshalb sollten Sie einen Fettstift mit Sonnenschutzfaktor verwenden.
  18.   Cremen Sie besonders sonnenbrandgefährdete Körperpartien doppelt gründlich ein. Dazu zählen der Nasenrücken, die Ohrmuscheln, die Wangen sowie Stirn- und Scheitelbereich. Und: Sie können sogar an den Fußsohlen Sonnenbrand kriegen!
  19.   Vergessen Sie das Vorurteil, dass man von Sonnencreme schnell Pickel bekommt. Es gibt heute eine Reihe fettfreier Gels und Sprays.
  20.   Man kann sich auch im Auto einen Sonnenbrand einhandeln, weil die UV-Strahlung durch die Scheiben sogar noch verstärkt wird. Deshalb sollten Sie sich vor längeren Fahrten eincremen.
  21.   Gehen Sie am besten mit dunklen und möglichst dicht gewebten T-Shirts in die Sonne. „Das mag sich zwar heißer anfüllen als in heller Kleidung, aber: Ein weißes Baumwoll-T-Shirt hat maximal einen Lichtschutzfaktor von vier. Und wenn es nass wird, etwa durch Schwitzen oder beim Baden, dann bringt es praktisch gar nichts mehr“, sagt Prof. Peter.
  22.   Kaufen Sie sich für längere Aktivitäten in der Sonne spezielle UV-Schutzkleidung. Sie wird unter anderem in Sportgeschäften angeboten, etwa für Wassersportler, Segler, aber auch für Bergsteiger, die hoch hinaus wollen.
  23.   Cremen Sie sich selbst dann gründlich ein, wenn Sie vollständig im Schatten sitzen. „Denn die UV-Strahlung wird auch unter den Sonnenschirm oder unter den Baum reflektiert“, so Prof. Peter.
  24.   Überschätzen Sie die Wirkung von After-Sun-Cremes nicht. „Diese Produkte dienen eher der Pflege“, sagt Dr. Kollmann. „Sie können die Folgen eines Sonnenbrandes zwar lindern, die Haut aber nicht reparieren.“
  25.   Vorbräunen im Solarium ist nicht empfehlenswert. Dr. Kollmann: „Die Strahlung ist schwer zu kalkulieren und entspricht nicht den natürlichen Gegebenheiten.“
  26.   Vernachlässigen Sie die Hautkrebs-Vorsorge nicht. Gehen Sie einmal im Jahr zur Früherkennung – ab 35 Jahren hat jeder gesetzlich versicherte Patient Anspruch auf ein sogenanntes Screening. Dabei untersucht der Arzt mit speziellen Geräten die Haut am gesamten Körper auf Krebsvorstufen.
  27.   Schauen Sie Ihren gesamten Körper regelmäßig selbst im Spiegel an – am besten im Abstand von einigen Wochen. „Besonders beobachten sollten Sie Hautveränderungen, die in die Breite wachsen oder eine Kuppe bilden“, erläutert Dr. Kollmann. „Auch bei einem länger anhaltenden starken Juckreiz oder Bluten gilt: Gehen Sie so bald wie möglich zum Arzt.“
  28.   Ältere Patienten, bei denen schon mal Hautkrebsvorstufen entdeckt und entfernt worden sind, sollten sich täglich mit einem hohen Schutzfaktor eincremen.
  29.   Sonnenschutz ist auch bei der Arbeit oder beim Heimwerken wichtig – beispielsweise beim Schweißen. Diese Geräte stoßen nämlich eine starke Dosis an UV-Strahlung aus. Also – auch wenn es etwas seltsam klingt: Vorher langärmelige Kleidung anziehen und mit Sonnencreme einschmieren.
  30.   Schon mal fürs nächste Frühjahr vormerken: Von März bis Mai ist die Sonne besonders tückisch. „In dieser Zeit ist die UV-Strahlung am höchsten“, sagt Prof. Peter, „das hängt mit dem Winkel zusammen, in dem die Erde zur Sonne steht.“
  31.   Denken Sie daran, dass bestimmte Arzneimittel die Sonnenempfindlichkeit erhöhen können, beispielweise Antibiotika.
  32.   Die Sonne kann auch ihren Augen schaden, etwa Tränen oder andere Reizgefühle verursachen. Deshalb sollten Sie auch dann die Sonnenbrille aufbehalten, wenn Sie mal für ein Weilchen die Augen zumachen. Ihre Sonnenbrille sollte einen UV-Filter haben, der mindestens 400 Millimeter dick ist. Im Zweifel kann man die Sonnenbrille vom Optiker prüfen lassen.

Nur regelmäßige Kontrolle schützt vor Krebs

Was juckt mich die Vorsorge: Diese Einstellung kann tödlich sein – jedenfalls dann, wenn es um den schwarzen Hautkrebs geht. Das „maligne Melanom“ zählt zu den gefürchtetsten Tumorarten. Sie breitet sich besonders schnell aus.

Schon minimale Veränderungen an der Haut können einen tödlichen Tumor zur Folge haben.

„Wenn erstmal die Lymphknoten befallen sind, dann liegt das Risiko, dass sich Metastasen in anderen Organen wie Leber, Knochen, Nieren oder Gehirn bilden, bei 50 Prozent. Dann ist die Lebenserwartung des Patienten leider eher in Monaten als in Jahren zu bemessen“, sagt Prof. Dr. Dr. Ralf Uwe Peter. Im Jahr 2010 erkrankten in Deutschland laut den Zahlen des Robert-Koch-Instituts 19 220 Patienten an einem Melanom, 2711 starben daran. Im Kampf gegen die Killer-Krankheit ist die Früherkennung von entscheidender Bedeutung, so der Spezialist: „Es kommt darauf an, wie tief das Melanom bereits in die Haut eingedrungen ist. Dabei können Bruchteile von Millimetern über Leben und Tod entscheiden. Bis zu einem Millimeter hat der Patient eine relativ günstige Prognose, ab einem Millimeter Tiefe wird es immer heikler.“

Deshalb sollte man Kontrolltermine beim Arzt keinesfalls auf die lange Bank schieben. „Zumal es keine Vorsorgeuntersuchung gibt, die so harmlos und zugleich so effektiv ist wie das Hautkrebs-Screening“, betont Peter.

Dabei schaut sich der Arzt die Haut des Patienten von Kopf bis Fuß an – zuerst mit bloßen Auge und anschließend mit einer beleuchteten Speziallupe, dem Dermatoskop. „Das Auge ist unsere schärfste Waffe ihm Kampf gegen den Hautkrebs“, erläutert Dr. Marcella Kollmann. Ergänzend stehen den Ärzten neue Verfahren zur Verfügung, beispielsweise 3-D-Messungen mit Hilfe von Licht verschiedener Wellenlängen.

Laien können zwischen einem harmlosen Leberfleck und einem Melanom nur schwer unterscheiden. „Generell gilt: Wenn eine Hautveränderung auffällig schnell wächst, sollte man sofort zum Arzt gehen“, rät Dr. Kollmann. Weitere Anzeichen sind, dass ein Leberfleck unregelmäßige Ränder und Färbungen aufweist.

Neben den Melanomen nehmen auch andere Hautkrebsarten immer mehr zu. Die Zahl der Fälle hat sich nach Erkenntnissen der Deutschen Krebshilfe in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Besonders verbreitet ist der sogenannte helle oder weiße Hautkrebs. „Statistisch erkrankt weltweit jeder fünfte hellhäutige Mensch daran“, weiß Peter. Anders als das Melanom streut der helle Hautkrebs in aller Regel nicht, kann allerdings stark wachsen. „Er ist nicht bösartig, aber alles andere als gutmütig. Manchmal sind große OPs nötig, um ihn zu entfernen.“

Die Früherkennung gestaltet sich für Nicht-Mediziner ähnlich schwierig wie beim schwarzen Hautkrebs. „Die Vorstufen bilden sich oft auf der Stirn“, so Kollmann. „Es handelt sich um rote, schuppende Herde, die vielen Patienten gar nicht auffallen.“ Seit 2008 hat jeder Versicherte ein Mal pro Jahr Anspruch auf ein Screening. Peter: „Da die gesetzlichen Krankenkassen leider oft nicht alle Kosten erstatten, sind die Patienten als Selbstzahler gefordert.“

Sommer in München

Andreas Beez

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