Erkrankungen wie Grauer Star oft unerkannt

7000 Unfälle durch schlechtes Sehen

München - Allein in München kracht’s etwa 7000-mal im Jahr, weil ein Verkehrsteilnehmer schlecht sieht. Augenärzte warnen: Erkrankungen wie Grauer Star bleiben oft unerkannt.

Häufig werde die verantwortliche Erkrankung – in den meisten Fällen ein so genannter Grauer Star – erst nach dem Unfall festgestellt, warnen Dr. Socrates Dimitriou und Dr. Hans-Peter Buchmann vom Augenzentrum Palais an der Oper. Die beiden Münchner Augenärzte präsentierten gestern neueste Erkenntnisse rund um das Thema Sehschwäche im Straßenverkehr. Die wichtigsten Fakten im tz-Überblick:

Verheerende Folgen: Bei den Unfällen durch schlechtes Sehen werden in der Landeshauptstadt jährlich etwa 1000 Menschen verletzt, rein statistisch gesehen sind sogar drei Todesopfer zu beklagen.

Volksleiden Grauer Star: Diese Linseneintrübung ist in den meisten Fällen der Grund für schlechtes Sehen im Straßenverkehr. Deutschlandweit leiden etwa neun Millionen Menschen am Grauen Star. In München und Umgebung gibt es etwa 225 000 Betroffene, darunter sogar Kinder und Jugendliche (siehe Tabelle).

Neue OP-Methode: Die Katarakt-OP – so der Fachausdruck – ist der häufigste Eingriff in der gesamten Medizin. Er wird in Deutschland etwa 700 000 bis 800 000 Mal im Jahr vorgenommen. Inzwischen gibt es auch ein modernes Laserverfahren. „Dabei können wir die erforderlichen Schnitte, um die alte Linse zu entfernen und die neue Kunstlinse einzubringen, noch exakter und schonender setzen“, berichten Dr. Dimitriou und Dr. Buchmann. Allerdings ist der Einsatz des Lasers nicht ganz billig: er kostet gesetzlich Versicherte etwa 1500 Euro Zuzahlung pro Auge.

Neue Linsen: Inzwischen gibt es supermoderne Linsen, die scharfes Sehen nach der OP sowohl in der Nähe als auch in der Ferne ermöglichen. Pro Linse wird eine Zuzahlung von bis zu 1600 Euro fällig.

Andreas Beez

Die häufigsten Augenkrankheiten

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„Ich habe den Felsblock nicht gesehen“

Cornelia Mayr (49) berichtet, wie sie wegen ihrer Sehschwäche einen Unfall gebaut hat: „Ich war in meinem Auto auf dem Weg zum Supermarkt. Beim Abbiegen bin ich mit dem rechten Vorderrad auf den Randstein geraten und mit der rechten Vorderseite voll gegen einen Felsblock geprallt. Der liegt da, damit keine Autos auf dem Grünstreifen parken. Ich habe den Abstand zum Straßenrand völlig falsch eingeschätzt und den Stein überhaupt nicht gesehen.“ Frau Mayr ging zum Augenarzt – Diagnose: Grauer Star. Sie ließ sich operieren: „Erst nach dem Eingriff merkte ich, wie schlecht ich vorher wirklich gesehen hatte. Vor der OP hatte ich alles nur wie durch einen Schleier wahrgenommen. Jetzt sehe ich auch nachts wieder viel besser, und entgegenkommende Autos blenden mich nicht mehr so stark.“

Grauer Star: So alt sind die OP-Patienten

Alter bei der Operation Anteil der Patienten
unter 20 Jahre 0,1 Prozent
20 bis 30 Jahre 0,1 Prozent
30 bis 40 Jahre 0,3 Prozent
40 bis 50 Jahre 1,7 Prozent
50 bis 60 Jahre 6,9 Prozent
60 bis 70 Jahre 25,2 Prozent
70 bis 80 Jahre 47,4 Prozent
80 bis 90 Jahre 18,0 Prozent
über 90 Jahre 0,4 Prozent
Quelle: Ocunet-Gruppe

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