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Reif für die Tonne? Viele Lebensmittel im Kühlschrank müssen nicht sofort entsorgt werden, sobald das MDH abgelaufen ist.

Haltbarkeit von Lebensmitteln

Abgelaufen: Was man trotzdem noch essen kann

München - Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich in deutschen Mülleimern. Dabei sind die Lebensmittel oft noch gut, obwohl das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Wann muss eine Entsorgung wirklich sein?

Wem kommen die Situationen nicht bekannt vor? Im Kühlschrank warten schlappe Karotten neben gelb verfärbtem Brokkoli vergeblich auf Einsatz. Das Brot hat seine besten Zeiten längst hinter sich, gekochte Nudeln trocknen aus, die offene Sahne zieht sich einen Flaum über und der Joghurt war bereits vor über einer Woche fällig. Entsorgen wir das Essen kurzerhand, sind wir Mitverursacher einer beschämenden Angelegenheit.

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich in deutschen Mülleimern. Umgerechnet sind das 80 Kilogramm und 310 Euro pro Kopf und Jahr meist noch essbarer Ware. Jedes weggeworfene Produkt bedeutet einen hohen Verbrauch an Energie, Wasser und Rohstoffen und schadet schließlich dem Klima. Diese Zahlen wurden bereits mehrfach publiziert, geändert hat sich kaum etwas.

Neben Großverbrauchern wie Gaststätten oder Kantinen, Handel und Industrie sind es Privathaushalte, deren Bewohnern die Wertschätzung für Lebensmittel oft abhanden gekommen ist. Hauptursache sind nach wie vor der Impulseinkauf, XXL-Packungen, eine unübersichtliche Vorratsplanung und der falsche Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Fazit: Planlosigkeit und Unwissen verleiten zum Wegwerfen. Das muss nicht sein. Zehn Regeln zum richtigen Umgang mit Lebensmitteln:

-Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum

Vieles ist länger haltbar als gedacht, denn das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist kein Verfallsdatum. Letzteres gibt es nicht. Viele Lebensmittel lassen sich auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch ohne gesundheitliche Bedenken verzehren. Das MHD ist lediglich ein zeitlich limitiertes Qualitätsversprechen des Herstellers.

-Reif für die Tonne? Das verraten uns unsere Sinne

Unsere sensorischen Fühler wie riechen, sehen, schmecken helfen bei der Entscheidung „hop oder top“. Wir können uns darauf verlassen.

-Verbrauchsdatum unbedingt beachten

Etwas anderes ist das Verbrauchsdatum. Wer die Kennzeichnung „zu verbrauchen bis“ beispielsweise auf der Hackfleisch- oder Fischpackung findet, sollte die Ware auch nur bis zu dem Datum verwenden. Es besteht die Gefahr, dass sich sonst auf den empfindlichen Lebensmitteln Keime und Bakterien entwickeln und vermehren.

-Bei Schimmel hilft nur noch Entsorgen

Schimmel hat rund 800 Vertreter, ist nicht nur grau, grün oder weiß-blau und nicht mal mit Vorsicht zu genießen. Grundsätzlich müssen befallene Lebensmittel aufgrund der gesundheitlichen Gefahren entsorgt werden.

Die wenigen Ausnahmen sind Hartkäse und geräucherter Schinken. Hier ist der Wassergehalt niedrig, der Salzgehalt eher hoch, sodass sich der Schimmelbelag großzügig entfernen lässt. Bei Konfitüren oder Marmeladen wandern die Schimmelsporen häufig beim Entfernungsprozess in tiefere Schichten. Fruchtaufstriche gehören wegen ihres geringeren Zuckergehaltes geöffnet immer in den Kühlschrank.

-Gläser und Dosen schützen vor Feuchtigkeit

Gut verschließbare Vorratsdosen oder -gläser haben sich zum Schutz vor Feuchtigkeit, Schadstoffübertragung aus Verpackungen und aufdringlichen Vorratsschädlingen bewährt. Alle Trockenprodukte möglichst aus der Originalverpackung in wieder verwendbare Behälter mit fest sitzenden Deckeln umfüllen.

-Vorräte richtig lagern

Vorräte möglichst dunkel, kühl und trocken lagern. Temperatur- und Lagerhinweise unbedingt beachten.

-Den Überblick im Kühlschrank behalten

Menge und Art der Vorräte immer im Auge behalten – eventuell mit einer Liste im Küchenschrank. Neue Ware im Schrank nach hinten einsortieren.

-Nur mit Einkaufszettel in den Supermarkt

Nie hungrig, planlos und ohne Einkaufszettel einkaufen.

-Hygiene und Temperatur im Kühlschrank

Im Kühlschrank – plus 7 Grad im mittleren Fach, 18 im Gefrierfach – nichts offen stehen lassen, wöchentlich nach Altlasten überprüfen und monatlich gründlich mit Essigwasser putzen – auch neuere „selbstreinigende“ Modelle.

-Mit Resten experimentieren

Mit Hilfe von Kochbüchern inspirieren lassen und einfach mal was Neues ausprobieren. Was gut ankommt in einer Hitliste notieren.

Was tun mit Resten?

Aufwärmen, einfrieren, ein Ei drüber schlagen oder wegwerfen? Viele praktische Anregungen gibt das Nachschlagewerk der Verbraucherzentralen „Kreative Resteküche“. Bestellung: ISBN 978-3-940580-44-3, 9,90 Euro plus Versand

heidrun Schubert

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