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Begleitung rundum: Ökotrophologin Hanna Dörr-Heiß und Dr. Johannes Heimbucher beraten Menschen mit Adipositas.

Wenn viele Pfunde purzeln müssen

Krankhaftes Übergewicht (Adipositas) hat das Ausmaß einer Epidemie erreicht: Weltweit sind 300 Millionen Menschen betroffen. Es gibt heute mehr übergewichtige Menschen als Hungerleidende auf der Welt. In Deutschland lag die Zahl im Jahr 2007 bei zirka 19 Prozent.

Die vielfältigen Ursachen beinhalten sowohl genetische als auch psychologische und soziale Faktoren. Es handelt sich um eine chronische Krankheit, die nur selten allein ursächlich behandelt werden kann. Vielmehr ist – wie bei anderen chronischen Krankheiten auch – eine dauerhafte Behandlung erforderlich.

Derzeit werden in Deutschland die meisten Übergewichtigen – auch die 1,2 Millionen mit extrem ausgeprägter Adipositas (Body Mass Index über 40 kg/m2) – nur hinsichtlich ihrer Folgeerkrankungen behandelt. Unter diesen ist die Zuckerkrankheit am gefährlichsten, aber auch hoher Blutdruck, vorzeitiger Gelenkverschleiß und Krebserkrankungen kommen häufig vor. Krankhaftes Übergewicht führt zu einer deutlichen Minderung der Lebensqualität und verkürzter Lebenserwartung. Viele Betroffene werden in allen Lebensbereichen diskriminiert.

Operation zeigt gute Ergebnisse

„Obgleich die mit Abstand besten Chancen, die Krankheit über einen langen Zeitraum effektiv zu beeinflussen, mit Operationen erzielt werden, finden diese nur bei relativ wenigen Patienten statt. Dabei hat die operative Therapie ein sehr hohes präventives Potenzial“, sagt Dr. Johannes Heimbucher, Chefarzt der Chirurgischen Klinik im Marienkrankenhaus Kassel. So sei die Verzögerung einer sinnvollen Operation unweigerlich mit einer erheblichen Verschlechterung aller Krankheitsfacetten verbunden – von der Zuckerkrankheit über Bluthochdruck bis hin zu psychischen und sozialen Beeinträchtigungen.

Sorgfältige Vorbereitung

Die Eingriffe müssen angemessen vorbereitet und nach den individuellen Bedingungen modifiziert werden. Und – das ist laut Dr. Heimbucher sehr wesentlich – sie müssen mit einem strukturierten Nachsorgeprogramm verbunden sein.

Im Marienkrankenhaus Kassel werden seit mehr als zehn Jahren alle etablierten Operationsverfahren durchgeführt. Am häufigsten wird ein Magenband eingesetzt. „Dies ist der Eingriff mit den geringsten Risiken. Allerdings bedarf das Magenband einer besonders guten Kooperation des Patienten“, sagt Dr. Heimbucher. In besonders ausgeprägten Fällen oder bei Versagen des Magenbandes werden weitergehende Eingriffe vorgenommen, die allerdings nicht nur riskanter sind, sondern auch längere Zeit nach der Operation noch unterschiedliche Stoffwechselstörungen hervorrufen können. „Wir betreiben einen hohen Aufwand, um die operierten Patienten umfassend und dauerhaft zu betreuen“, so der Chefarzt. „Wir versuchen vorbildliche Konzepte anderer Länder zu übernehmen. Man hat vielerorts erfolgreiche Strukturen geschaffen, wo Therapeuten verschiedener Fachrichtungen koordiniert zusammenarbeiten. Damit werden die besten Ergebnisse erzielt.“

Mit Hanna Dörr-Heiß wirkt im Marienkrankenhaus seit einiger Zeit eine Ökotrophologin als erfahrene Ernährungsberaterin und Koordinatorin des Adipositaszentrums. Weiterhin sind mehrere niedergelassene Ernährungsmediziner und speziell ausgestattete Physiotherapeuten an der Nachsorge beteiligt. Eine Ernährungs- und Lebensstilveränderung mit gesteigerter körperlicher Aktivität bleibt auch nach einer Operation erforderlich. Dafür ist eine langfristige und kontinuierliche therapeutischer Anleitung notwendig. (rdm)

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