+
Wenn Ärzte ihre Patienten vor einer OP oder Behandlung über mögliche Komplikationen informieren, müssen sie keine genauen Risikowerte angeben. Foto: Maurizio Gambarini

Informationspflicht vor der OP

Ärzte dürfen bei Komplikationsrisiko ungenau bleiben

Keine OP ohne Unterschrift - Patienten haben ein Recht auf umfangreiche Aufklärung. Doch ein Gerichtsurteil zeigt: Ärzte müssen nicht jede Detailinformation herausrücken.

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Ärzte müssen ihre Patienten vor einer Behandlung, einer Operation etwa, auf Risiken hinweisen. Dabei müssen sie aber keine genauen Prozentzahlen zu Möglichkeiten von Komplikationen liefern.

Ungefähre Begriffe wie "vereinzelt" reichen bei der Aufklärung aus. Das geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main hervor (Az.: 8 U 219/16).

Kläger in dem Fall war ein Mann, der bei Glatteis ausgerutscht war und sich den Oberarm gebrochen hatte. Der Bruch wurde in einer Klinik operiert, vorher bekam der Patient ein Formblatt zur Aufklärung. Darauf stand unter anderem, dass bei der gewählten Methode "vereinzelt" Zwischenfälle möglich seien. Bei der OP kam es dann tatsächlich zu einem solchen Zwischenfall: Der Bruch heilte nicht, es bildete sich ein sogenanntes Falschgelenk. Nach einem zweiten Eingriff war dann alles wieder in Ordnung.

Der Patient klagte auf Schmerzensgeld und Schadenersatz. Das Gericht wies das jedoch zurück: Die Ärzte hätten das Komplikationsrisiko mit der Formulierung "vereinzelt" nicht verharmlost. Nach Angaben eines Sachverständigen liege die Wahrscheinlichkeit der Falschgelenk-Bildung bei dem gewählten Eingriff bei etwa 20 Prozent. Einen solchen Wert könne man nach dem allgemeinen Sprachgebrauch als "vereinzelt" bezeichnen.

Grundsätzlich müssten Ärzte ihren Patienten keine genauen Prozentangaben zu Risiken liefern, so das Gericht. Und sie müssen sich bei der Wahl ihrer Worte auch nicht an die exakten Vorgaben halten, die etwa bei der Formulierung von Beipackzetteln gelten: Hier gibt es für Bezeichnungen wie "sehr selten" eine genaue Definition.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Coronavirus-Symptome: Ärzte entdecken neues Anzeichen einer Covid-19-Infektion
Bin auch ich infiziert? Viele fragen sich in diesen Tagen: Habe ich mich mit dem Coronavirus angesteckt? Hier finden Sie die Symptome der Lungenkrankheit.
Coronavirus-Symptome: Ärzte entdecken neues Anzeichen einer Covid-19-Infektion
Coronavirus: Raucher besondere Risikogruppe - unabhängig vom Alter stark gefährdet
Vor allem für Risikogruppen wie ältere Menschen soll eine Infektion mit Coronaviren gefährlich sein. Doch auch junge Menschen werden im Krankenhaus behandelt.
Coronavirus: Raucher besondere Risikogruppe - unabhängig vom Alter stark gefährdet
Coronavirus und Grippe: Das sind die Unterschiede - RKI mit neuer Einschätzung
Die Virusgrippe und eine Infektion mit Coronaviren zeigen gewisse Ähnlichkeiten. Ein Experte verrät, welche Infektionskrankheit mehr Gefahren birgt und wer gefährdet ist.
Coronavirus und Grippe: Das sind die Unterschiede - RKI mit neuer Einschätzung
Kontaktverbot wegen Coronavirus in NRW: Was ist noch erlaubt und was ist verboten?
Das Kontaktverbot in NRW dauert an - die Ausbreitung des Coronavirus soll dadurch verlangsamt werden. Wer sich nicht daran hält, muss zahlen.
Kontaktverbot wegen Coronavirus in NRW: Was ist noch erlaubt und was ist verboten?

Kommentare