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Zwei Fragen enttarnen fast jeden Alkoholiker – auch diejenigen, die ihre Sucht gut verstecken können

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Von: Juliane Gutmann

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Ein britisches Forscherteam sieht in zwei Fragen den Schlüssel zur Alkoholismus-Diagnose. Auch heimliche Alkoholsucht soll so erkannt werden.

Rund 1,6 Millionen Menschen sind in Deutschland alkoholabhängig. Wie die Stiftung Gesundheitswissen weiter informiert, waren im Jahr 2018 rund 3,1 Prozent der Bevölkerung in Deutschland betroffen. Dies zeige der Epidemiologische Suchtsurvey (ESA), der in regelmäßigen Zeitabständen den Substanzkonsum der Allgemeinbevölkerung Deutschlands erfasst. Alkoholismus äußert sich dabei auf verschiedenste Weise. Die Dunkelziffer ist hoch, denn viele Menschen meistern Job und Privatleben trotz Ihrer Sucht, ohne dass diese erkannt wird. Wenn Menschen ihre Alkoholsucht verbergen können, sprechen Mediziner von hochfunktionalen Alkoholikern und Alkoholikerinnen. Die Diagnose Alkoholsucht fällt in solchen Fällen oft spät – oder nie.

Um körperliche und psychische Folgen der Alkoholsucht wie Fettleber, Krebs bis hin zu Depression und Angststörung abzuwenden, ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der Sucht notwendig. Eine Studie der britischen University of Leicaster zeigt, dass zwei simple Fragen Hausärzten enorm helfen können, die Sucht zu erkennen.

Mit Hilfe folgender Fragen können Mediziner den britischen Forschern zufolge Patienten identifizieren, die potenziell ein Alkoholproblem haben:

1. Wie oft trinken Sie sechs oder mehr Getränke bei einer Gelegenheit?

2. Ist aufgrund Ihres Alkoholkonsums im letzten Jahr etwas passiert, von dem Sie sich wünschen, dass es nicht passiert wäre?

Umfrage zum Thema Alkoholismus

Alkoholsucht diagnostizieren mit zwei Fragen: Trefferquote von fast 90 Prozent

In der Primärversorgung herrscht ein großer Zeitdruck. Hausärzte haben nicht die Zeit, jedem einzelnen Patienten eine lange Liste von Fragen zu stellen. Je kürzer die Befragung ist, desto akzeptabler ist sie für den Hausarzt – aber desto größer ist auch die Gefahr, dass sie ungenau ist“, wird Studienleiter Dr. Alex Mitchell in einer Pressemitteilung der University of Leicester zitiert: „Unsere Arbeit zeigt, dass bereits zwei Fragen eine Hilfe in Hinblick auf die Diagnose von Alkoholismus darstellen“. Allerdings müssten sie durch einen längeren Fragebogen bei denjenigen ergänzt werden, die die beiden oben genannten Fragen mit „Häufig“ und „Ja“ beantworten, so Mitchell.

Die Forscher um Mitchell hatten für ihre Studie die Ergebnisse 17 früherer Studien mit über 5.500 Teilnehmern ausgewertet. Mithilfe einer statistischen Analyse fanden sie heraus, dass durch die Beantwortung von zwei Fragen in 87,2 Prozent der Fälle Personen mit Alkoholproblem und in 79,8 Prozent der Fälle Personen ohne Alkoholproblem korrekt identifiziert werden konnten, heißt es in der Pressemitteilung der University of Leicester. In 90,9 Prozent der Fälle konnten Patienten mit Alkoholproblem identifiziert werden, wenn eine Kombination aus einer Erstbefragung mit den zwei oben genannten Fragen und im Anschluss ein längerer Fragebogen Anwendung fand, heißt es weiter.

Die Forscher plädieren dafür, dass Hausärzte die zwei Fragen oben routinemäßig in die Untersuchung einbinden sollten. So wäre es möglich, Menschen mit Alkoholproblemen zu identifizieren, die nicht unbedingt zu den Risikogruppen gehören. Dazu zählen etwa junge Menschen. (jg)

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