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Erst eine Semmel, dann losradeln: Bei manchen Weizenallergikern kann diese Kombi zu einem Allergieschock führen.

Schwierige Diagnose

Allergieschock beim Sport - bislang ein Rätsel

Mediziner beobachten zunehmend ein Phänomen, das besonders aktive Menschen trifft: Beim Sport erleiden Patienten plötzlich einen heftigen Allergieschock. Scheinbar grundlos. Das täuscht.

Die Angst war Sabrina M.s ständiger Begleiter. Schon drei Mal hatte der Notarzt die junge Frau vom Notarzt in die Klinik bringen müssen. Zuletzt fuhr sie gerade mit dem Rad in die Arbeit, als ihr übel wurde. Sie hielt an. Doch ihr Herz schlug nur noch schneller. Sie hatte das Gefühl zu ersticken, innerhalb von Minuten bildeten sich am ganzen Körper juckende Quaddeln.

Allergieschock: Quaddeln am Körper

Typisch für einen Allergieschock, eine Anaphylaxie, erfuhr sie. Doch was diesen ausgelöst hatte, konnte ihr zunächst kein Arzt sagen – trotz vieler Untersuchungen. Sabrina M. musste damit leben, dass es jederzeit wieder passieren kann. Und sie ist nicht die Einzige, bei der die Ursache zunächst unerkannt blieb.

Dabei beobachteten Mediziner dieses Phänomen zunehmend häufiger, vor allem bei jungen sportlichen Menschen. Darauf wies Prof. Bernhard Przybilla von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität vor kurzem bei einer Fortbildungswoche für Hautärzte in München hin. Die Hautreaktion werde häufig als chronische Nesselsucht (Urtikaria) fehlgedeutet.

Allergie auf bestimmte Weizeneiweiße

Sehr oft steckt dahinter aber eine Allergie auf bestimmte Weizeneiweiße. Das Tückische: Im Gegensatz zu anderen Allergikern führt es bei Betroffenen in der Regel zu keinen Beschwerden, wenn sie in Ruhe eine Semmel oder Brot essen. Tun sie das aber vor dem Joggen oder beim Bergsteigen, kann es gefährlich werden. Denn eine allergische Reaktion tritt bei diesen Patienten erst auf, wenn körperliche Anstrengung dazukommt. Mediziner sprechen von einer weizenabhängigen, anstrengungsinduzierten Anaphylaxie. Abgesehen von Sport gibt es weitere Auslöser wie Alkohol oder Schmerzmittel.

Sport, Alkohol oder Schmerzmittel

Auch bei Sabrina M. war eine Kombination aus Anstrengung und einer Allergie auf Weizen die Ursache, wie sich herausstellte. Dabei hatte sie bei einem Hauttest keine Reaktion gezeigt – nicht ungewöhnlich für solche Patienten. Für den Test wird ein Weizenextrakt eingesetzt. Die meisten Betroffenen reagieren aber auf Omega-5-Gliadin, ein Speicherprotein des Weizens. Im Blut finden sich dann Antikörper dagegen.

Diagnose ist schwierig

Doch können auch andere Bestandteile des Weizens eine anstrengungsinduzierte Anaphylaxie auslösen. Die Suche nach der richtigen Diagnose ist daher oft Detektivarbeit. Bei Sabrina M. war es eine Semmel, die sie morgens gegen ihre Gewohnheit verschlungen hatte. Zudem war sie in Eile und trat kräftig in die Pedale – eine fatale Kombi. Inzwischen weiß sie, auf welche Nahrungsmittel sie verzichten muss. Zudem hat sie immer ein Notfallset dabei, falls sie doch einmal etwas Falsches essen sollte. Wie es anzuwenden ist, hat sie in einer Schulung gelernt.  

ae

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