Eine Demenz geht mit Symptomen wie Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen sowie Veränderungen der Persönlichkeit einher: Betroffene einer fortgeschrittenen Demenz erkennen ihre Angehörigen nicht mehr.
+
Eine Demenz geht mit Symptomen wie Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen sowie Veränderungen der Persönlichkeit einher: Betroffene einer fortgeschrittenen Demenz erkennen ihre Angehörigen nicht mehr.

„Gute Plaques“ im Gehirn

Alzheimer-Medikamente können Gedächtnisverlust beschleunigen: Demenz-Forscher mit brisanter These

  • Juliane Gutmann
    VonJuliane Gutmann
    schließen

Schädliche Ablagerungen im Gehirn begünstigen die Entstehung von Demenz. Doch es gibt auch „gute Plaques“. Neue Erkenntnis hat immense Auswirkungen auf Alzheimer-Therapie.

In Deutschland leben der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg zufolge aktuell rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Die meisten von ihnen seien von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Die bisher unheilbare Störung führt dazu, dass Nervenzellen im Gehirn absterben, was zu Vergesslichkeit, Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit führt. Werden Betroffene nicht frühzeitig behandelt, verlieren sie mehr und mehr die während ihres Lebens erworbenen Fähigkeiten.

Eine Demenz ist nicht heilbar, es gibt kein Medikament, das den Fortschritt der Krankheit verhindern könnte. Die Symptome lassen sich allerdings mit Medikamenten vorübergehend hinauszögern. Um eine ursächliche Therapie gegen Alzheimer zu finden, forschen Wissenschaftler weltweit an neuen Behandlungsansätzen – unter anderem ein Team um Greg Lemke vom Molecular Neurobiology Laboratory am Salk Institute for Biological Studies im US-Bundesstaat Kalifornien. In einer Studie konnten die Forscher eine bahnbrechende Entdeckung machen: Im Gehirn gibt es zwei Arten von Plaques, die als Hauptursache der Demenz angesehen werden – eine schädliche und eine für die Hirngesundheit förderliche Variante.

„Gute Plaques“ im Gehirn gegen Demenz: „Wenn es weniger von ihnen gibt, nehmen die Zellschäden eher zu“ 

Bei Plaques handelt es sich um Protein-Ablagerungen im Gehirn, die das Absterben von Hirnzellen fördern, weil sie den Hirnstoffwechsel negativ beeinflussen. Das Forscherteam um Neurobiologie-Experten Lemke konnte im Mäuseversuch nachweisen, dass diffuse Ansammlungen des Amyloid-Beta-Proteins für Gehirnzellen tödlicher sind als Plaques mit dichtem, kompaktem Kern. Letztere entstehen, wenn das körpereigene „Aufräum-Kommando“ die diffusen Ablagerungen gleichsam zusammenkehrt und so weniger schädlich macht, wie das Wissenschaftsportal scinexx.de informiert.

Ein Studienergebnis, dass für Aufruhr sorgt. Denn bisher hatte man angenommen, dass beide Plaque-Formen von selbst entstehen und dann ihre schädliche Wirkung entfalten. „Wir konnten zeigen, dass die Plaques mit dichtem Kern nicht spontan entstehen. Stattdessen werden sie von den Mikroglia-Zellen als Schutzmaßnahme gebildet – man sollte diese Plaques daher lieber in Ruhe lassen“, zitiert Scinexx Seniorautor Greg Lemke. Sein Kollege Youtong Huang ergänzt scinexx.de zufolge: „Wenn es mehr diffuse Plaques gibt, dann häufen sich dystrophische Neurite – Nervenzellausläufer, die neuronale Schäden anzeigen“, erklärt Huang :„Die dichten Plaques scheinen dagegen weniger schädlich zu sein: Wenn es weniger von ihnen gibt, nehmen die Zellschäden eher zu.“ 

Umfrage zum Thema Demenz

Neue Alzheimer-Therapien: Plaques nicht aufbrechen

In Hinblick auf die Demenz-Therapie könnte das Vorhandensein „guter Plaques“ immense Auswirkungen haben. So schlussfolgern Lemke und Team aus ihrer Studie, dass einige gegen Alzheimer getestete Arzneimittel wenig wirksam sind – oder sogar schaden können, wenn sie die dichten Amyloid-Plaques angreifen und zerstören. „Es sind verschiedene Antikörper in Zulassungstests, deren Hauptwirkung die Verringerung der dichten Amyloid-Plaques ist“, so Lemke: „Aber unseren Erkenntnissen nach könnte das Aufbrechen dieser Ablagerungen nur noch mehr Schaden anrichten.“ Das Fazit der Forscher: künftige Therapien sollten nicht darauf ausgelegt werden, Hirn-Plaque zu zerstören, weil bestimmte Formen dieser Ablagerungen schützende Wirkung auf Hirnzellen entfalten. (jg)

Zur Studie

Mehr Quellen: https://www.alzheimer-bw.de/fileadmin/

Weiterlesen: Alzheimer-Forschung: Alterserkrankung breitet sich wie Infektion aus.

Prominente, die ihr Gedächtnis verloren

Karheinz Böhm
Der ehemalige Schauspieler Karlheinz Böhm, der seit 28 Jahren die Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" leitet, und seien Ehefrau Almazs besichtigen das Wiederaufforstung-Projekt "Sheikh Abdi Erosionsgraben" in Äthiopien (Aufnahme aus dem Jahr 2006).
Rudi Assauer
Prominente, die ihr Gedächtnis verloren

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare