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Allein in München leiden 15 000 der gut 25 000 Pflegebedürftigen an einer Demenz (lateinisch für „Verlust des Geistes“).

Alzheimer - ist das Vergessen ansteckend?

München - Ein Heilmittel gegen Alzheimer - es wäre zweifelsohne ein Segen für die Menschheit. Forscherteams gehen bei dem Leiden nun von einer Infektionskrankheit aus.

Mittlerweile leiden allein hierzulande 1,5 Millionen Menschen an dem schleichenden Tod. Jedes Jahr erkranken 100.000 neu an dem Gehirn-Leiden. Tendenz steigend! Und dennoch tappt die Forschung bei dem Kampf gegen das Vergessen seit Jahren im Dunkeln. Vielleicht, weil seit Langem in die völlig falsche Richtung geforscht wird? Das sagen nun jedenfalls einige renommierte Wissenschaftler. Sie glauben nämlich: Alzheimer ist eine Infektionskrankheit - und somit womöglich ansteckend! Der neue Ansatz, das qualvolle Volksleiden endlich zu entschlüsseln, hat seinen Ursprung in einer erschreckenden US-Studie von vor über einem Jahr: Forscher hatten im Staat Utah genau 1221 Ehepaare über 15 Jahre lang beobachtet. Einige dieser Probanden bekamen im Laufe dieser Zeit eben Alzheimer. Der Schock kam prompt: Die Partner, die sich um die Erkrankten kümmerten, hatten plötzlich ein sechsfach höheres Risiko, ebenfalls Alzheimer zu bekommen.

„Es hat schon lange Anzeichen gegeben, dass das so ist, und es gibt wenig Gründe, an den Ergebnissen der Studie zu zweifeln“, kommentierte der Münchner Hans Förstl, Chef der Psychiatrie am Klinikum rechts der Isar, die Analyse. Im Umkehrschluss stellt sich also sofort eine Frage: Ist Alzheimer ansteckend? Nicht notwendigerweise, sagen die Gegner. Sie erklären den Anstieg an Erkrankungen bei den Pflegenden dadurch, dass sie sehr großem  Stress ausgesetzt waren. Und dieser mache anfälliger für Alzheimer - das sei bewiesen. Alles also nur eine Überinterpretation einer Studie? Eher nicht. Fakt ist auch: Derzeit gibt es mehrere Forscherteams, die nun in Studien Antibiotika gegen das Verklumpen des Gehirns einsetzen. Und vor Kurzem machte der Alzheimer-Forscher Professor Mathias Jucker in Tübingen eine spektakuläre Entdeckung: Bisher war bekannt, dass Mäuse, denen man Hirngewebe verstorbener Alzheimer-Patienten unter die Schädeldecke spritzte, die typischen Zerstörungsmuster zeigten. Jucker und sein Team injizierten das Gewebe aber in die Bauchhöhle der Tiere - und kurze Zeit später zerfielen auch diese Mäusehirne.

Gespritzt - in die Bauchhöhle? Wie kam der Stoff von dort ins Hirn? Hat er sich also wie eine Infektion übers Blut ausgebreitet? Oder wie sonst? Sogar die Politik reagiert schon auf die Forschungsergebnisse. „Diese Zusammenhänge müssen dringend untersucht werden. Aber wir dürfen keine Ängste schüren“, sagte Otto Wulff, Chef der CDU-Seniorenunion, vor wenigen Tagen. „Viele Ergebnisse von Tierversuchen sind nicht auf Menschen übertragbar.“ Dennoch müsse man besonders in Hinsicht auf Blutspenden die Forschung im Auge behalten. Bei einem sind sich die Experten mittlerweile einig: Dass die Ablagerungen im Gehirn (die Verklumpungen, die zu den Gedächtnislücken und Gemütsveränderungen beim Patienten führen) zwar die Ursache der Krankheit sind, aber eben nicht der Auslöser. Der Grund für eine Alzheimer-Erkrankung muss woanders liegen. Die Gegner der Infektions-These tippen hier auf Gene. So gebe es beispielsweise das Gen CR1, das auch Nervensynapsen kontrolliert. Hat dieses im Alter „den Hang, sich zu verändern“, kann es regelrecht zerstörerisch und mit Entzündungen die Nervenzellen attackieren.

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Aber sind es nur die Gene? Die neuen Wissenschaftler-Teams, die von einer Infektionskrankheit ausgehen, sind jedenfalls zuversichtlich, endlich auf der richtigen Spur zu sein. Die Gefahr einer Ansteckung sei übrigens höchst komplex: „Das geht nicht wie bei einer Grippe“, so die Experten. „Hier müssen wohl mehrere Dinge zusammenkommen; wir untersuchen das auch noch genau.“ Dennoch habe die These einer „ansteckenden Alzheimer-Krankheit“ auch ihr Positives. „Wir könnten endlich mit Wirkstoffen, mit möglichen Gegenmitteln arbeiten.“ Ein Heilmittel wäre dann vielleicht bald in Sicht...

tz-Stichwort: Alzheimer

Vor gut 100 Jahren diagnostizierte der Psychiater Alois Alzheimer - der auch einige Jahre in München arbeitete - erstmals das Krankheitsbild des schleichenden Vergessens: Es wird nach ihm benannt. Bald findet die Forschung heraus, dass es bei den Kranken zu Verklumpungen im Gehirn kommt. Eiweiße verkleben Nervenbahnen, Synapsen sterben ab. Aber wie entwickelt sich das Leiden und wer ist besonders gefährdet? Auf diese Fragen hat die Forschung noch keine Antworten.

Armin Geier

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