Viele wären lieber tot als dement

Alzheimer: Schockierende Zahlen für München

München - Die Volkskrankheit Demenz greift immer weiter um sich - und geht auch an der Stadt München nicht vorüber. Die prognostizierten Zahlen sind schockierend.

Langsam die Erinnerung verlieren. Den Alltag nur noch mit Hilfe bewältigen. Und irgendwann auf fremde Hilfe angewiesen sein. Alzheimer – die Angst vor der Vergesslichkeit ist groß. Wie groß, das zeigt eine Studie der Deutsche Krankenversicherung (DKV). 53 Prozent der Befragten gaben an, eher früher sterben zu wollen, als mit Alzheimer zu leben. Lieber tot als Alzheimer!

Mit dem Alter wächst die Angst: Während bei den jungen Menschen unter 30 Jahren nur 47 Prozent angaben, mit Alzheimer nicht weiter leben zu wollen, waren es bei den über 45-Jährigen schon 59 Prozent. Für die Studie wurden 2000 Menschen bis zum Alter von 66 Jahren befragt.

Doch woran liegt das? Ist Alzheimer wirklich so schlimm? „Das Bild über die Erkrankung ist sehr negativ“, sagt Prof. Bernd Reuschenbach, Gerontologe und Pflegeforscher an der Katholischen Stiftungsfachschule München. „Wir hören Horrorgeschichten über Menschen, die komplett ihre Persönlichkeit und ihre Erinnerung verloren haben“, sagt der Experte. Auch wenn diese Geschichten wahr wären, seien sie nur ein Teil der Wahrheit. Alzheimerkranke, die eine gute Unterstützung durch Angehörige oder Pflegekräfte bekommen, könnten durchaus ein zufriedenes und oft auch glückliches Leben führen. Wer nach einer Diagnose ein gutes Netz an Familie und Freunden habe, könne gut aufgefangen werden. Dazu noch passende Pflege – und der Leidensdruck könne verringert werden. Statt sich vor Alzheimer zu fürchten, sollte man das Leben der erkrankten Menschen so gut wie möglich gestalten.

Doch mit der Diagnose Demenz kommt oft die Angst: Muss ich jetzt ins Heim? „Wir haben scheinbar ein Imageproblem – in der Pflege sowie im Altenheim“, so Reuschenbach zur tz. Schließlich sei es nicht zwingend notwendig, in ein Heim zu gehen – genauso wie man im Heim auch ein schönes Leben haben könne. Hinzu komme ein Aufklärungsproblem über die Erkrankung – und ihre Möglichkeiten.

Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft sind in Deutschland derzeit 1,2 Millionen Menschen betroffen. Bis zum Jahr 2050 könnte sich die Zahl auf 2,6 Millionen Erkrankte erhöhen (siehe auch Text unten). Grund dafür ist die steigende Lebenserwartung.

Schock-Zahlen für München

Die Volkskrankheit Demenz greift immer weiter um sich – und geht auch an der Stadt nicht vorüber. Das Sozialreferat erwartet einen Anstieg der Erkrankten um 47 Prozent in den nächsten 20 Jahren! Die Zahl der Menschen mit Demenz in der Stadt könnte demnach von 1 700 auf 25 100 steigen. Deswegen fordert die Rathaus-SPD Antworten auf die Frage: „Wie hilft die Stadt München und was plant sie in der Zukunft?“

Bundesweit sind schon 1,2 Millionen krank. „Auf München kommt eine verantwortungsvolle Aufgabe zu“, sagt der sozialpolitische Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion Christian Müller. Um den Bedürfnissen der Erkrankten gerecht zu werden, müssten neue Konzepte entwickelt werden. Die Pflege belaste viele Familien auch finanziell: Im Schnitt koste sie 43 000 Euro pro Jahr, bis hin zu 90 000 Euro – zwei Drittel trügen die Angehörigen. Sie sollen Hilfe bekommen.

aw

Rubriklistenbild: © dpa

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