Eine Labormitarbeiterin am Institut für Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene des Universitätsklinikums, hält im Diagnostiklabor eine Indikatorkulturplatte zum Nachweis von resistenten Bakterien in der Hand.
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Petrischale mit Antibiotika und Bakterien: Antibiotika wirken gegen eine Vielzahl von Bakterien. Doch wenn diese Resistenzen entwickeln, schlägt eine Antibiotika-Behandlung nicht mehr an – mit potenziell lebensbedrohlichen Folgen.

Therapie nie voreilig abbrechen?

Antibiotika „so lange wie nötig, so kurz wie möglich“ – gängige Regel zur Einnahme von Penicillin und Co. gilt als veraltet

  • Juliane Gutmann
    vonJuliane Gutmann
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Eitrige Mandelentzündung bis Harnwegsinfekt: Manchmal helfen nur noch Antibiotika. Doch die Zahl von multiresistenten Erregern wächst, weshalb folgende Regel gelten sollte.

  • Jahrzehntelang hieß es, dass immer die ganze Schachtel des vom Arzt verschriebenen Antibiotikums aufgebraucht werden müsse – auch wenn man sich längst besser fühlt.
  • Grund dafür war die Befürchtung, dass sich durch eine zu kurze Einnahmedauer Antibiotika-Resistenzen* bilden könnten, die lebensgefährliche Folgen bergen.
  • Denn wenn Antibiotika nicht mehr wirken, haben Mediziner bei einigen Erkrankungen keine oder nur sehr wenige andere Möglichkeiten der Therapie. Folgende Einnahme-Empfehlungen sollten Sie deshalb kennen.

Im Jahr 2015 plädierte die Weltgesundheitsorganisation WHO noch: „Nehmen Sie immer den gesamten Antibiotika-Packungsinhalt ein, auch wenn Sie sich besser fühlen. Ein vorzeitiger Abbruch der Behandlung fördert nämlich die Zunahme von arzneimittelresistenten Bakterien.“ Doch bereits 2017 fand sich eine solche Empfehlung nicht mehr vonseiten der WHO, wie das Ärzteblatt berichtete. Grund dafür seien Studienergebnisse der vergangenen Jahre, die zu dem Ergebnis kommen, dass bei vielen Infektionen kürzere Antibiotikatherapien die gleiche Wirkung haben oder den bisherigen Standards sogar überlegen sind. So ging etwa aus einer Studie hervor, dass bei einer Lungenentzündung eine fünftägige Behandlung mit Antibiotika denselben Effekt hat wie eine zehntägige Therapiedauer.

Was heißt das für die Praxis? Nur der behandelnde Arzt kann entscheiden, ob und welches Antibiotikum eingesetzt werden kann. Diese Arzneimittel wirken nur bei bakteriellen Infektionen und haben keinen Effekt bei viral bedingten Krankheiten wie etwa einem grippalen Infekt oder Masern. Auch die Behandlungsdauer liegt immer im Ermessen des behandelnden Mediziners. Wobei nach aktuellem Wissensstand im Hinblick auf die Einnahme von Antibiotika nach Einschätzung des Ärzteblattes immer die Regel gelten sollte: „So lange wie nötig, so kurz wie möglich“.

Gegen Resistenzen: Je seltener Antibiotika verschrieben wird, desto besser

Um die Bildung von Antibiotikaresistenzen zu verhindern, zeigt Studien zufolge nur die Reduktion Erfolg. So hätten dem Ärzteblatt zufolge eine große Zahl von Studien aus den vergangenen Jahren gezeigt, dass eine Reduktion des Antibiotikaeinsatzes zu einem Rückgang der Rate von resistenten Bakterien geführt hat. Das Problem sei nämlich, dass jede einzelne Dosis Antibiotika, die man sich etwa in Form von Tabletten zuführt, die Entstehung von resistenten Keimen fördert.

Das Portal Patienteninformation als Service des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) im Auftrag der Bundesärztekammer und Kassenärztlichen Bundesvereinigung appelliert deshalb an die Bürger: „Das Entstehen von Resistenzen kann verlangsamt werden: Infektionen lassen sich durch Hygieneregeln, wie Händewaschen, vermeiden. Je weniger Infektionen auftreten, desto weniger Antibiotika werden benötigt. Verschreibt Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Ihnen ein Antibiotikum, wenden Sie dieses wie verordnet an“. (jg) *Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Mehr Quellen: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27455166/

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