Bluthochdruck: Experten geben Antworten

Antworten auf Fragen aus dem Alltag

Sind die Blutdruckwerte zu hoch?  Welche Nebenwirkungen hat ein Medikament? – Oder gibt es auch Alternativmöglichkeiten. Zwei Experten stellten sich Fragen aus dem Alltag und gaben Antworten.

Hier geht es zurück zum ersten Teil

Einzelne Medikamente nicht mehr genommen

Frau B. (71) nannte hohe Blutdruckwerte von 200/100 mm Hg. Sie hatte zum Teil die Medikation von Kalzium-Antagonisten nicht mehr genommen wegen Ödemen, also Flüssigkeitsbildungen in den Beinen. Sie nahm ansonsten einen Betablocker und Atacant 32 mg sowie ein Dioretikum.

Dr. Schreckenberg: Ihr wurde geraten, eine Kombinationstherapie angesichts der sehr hohen Werte vorzunehmen, auch hier eine Untersuchung der Nieren machen zu lassen. Es gibt Medikamente der zweiten Wahl, die oft dann durchschlagenden Erfolg bringen. Ich habe ihr geraten, ein zentral wirksames Hochdruckpräparat einzunehmen, also ein Hochdruckpräparat, das direkt im Hirnstamm eingreift und nicht diese Nebenwirkung hat, die sie schon erfahren hatte.

 

Frau F. (63), erklärte, dass sie bei bekanntem Hochdruck häufig Herzrhythmusstörungen spüren würde, die in letzter Zeit insbesondere nachts attackenartig auftreten.

Die beiden Doktoren standen Rede und Antwort.

Dr. Schreckenberg: Nach näherem Nachfragen handelt es sich offensichtlich um ein Vorhofflimmern. Diese Rhythmusstörung ist eine bekannte Komplikation bei Bluthochdruckpatienten und geht mit einem deutlich erhöhten Schlaganfallrisiko einher. Patienten, die ein Vorhofflimmern haben, müssen den Blutverdünner Marcomar einnehmen, um eine Schlaganfallprophylaxe zu betreiben. Sie hatte schon eine hoch dosierte Betablockertherapie, und ich habe ihr geraten, mit einem Kardiologen eine so genannte „Pill in the Pocket“ zu versuchen, also eine Bedarfsmedikation eines Rhythmusmedikamentes, was erstmals in einer Praxis unter Überwachung ausprobiert werden sollte, mit dem sie ihr Vorhofflimmern in der Regel gut selbst bei Bedarf unterbrechen kann.

 

Herr G. hat Blutdruckwerte von 155 mm Hg und nimmt nur Lisinopril, den ACE-Hemmer. Er hat zudem einen Diabetes mellitus Typ II, also einen typischen Altersdiabetes.

Dr. Schreckenberg: Ich habe ihm gesagt, dass er unbedingt die Zielwerte eines Diabetespatienten erreichen muss, um Spätschäden, besonders auch Nierenschäden, zu vermeiden. Die Blutdruckwerte eines Diabetikers sollten strikt zwischen 120 und 130 mm HG (obere Werte) liegen und das erreicht man in der Regel nur mit Mehrfachkombinationstherapie.

 

Hohe Werte trotz Betablocker

Herr N. (42), nahm einen hoch dosierten Betablocker ein, hatte aber immer noch Werte von 140-150/90 mm Hg. Jetzt habe die Hausärztin zusätzlich einen ACE-Hemmer verordnet.

Dr. Schreckenberg: Ich musste ihm bestätigen, dass tatsächlich der Blutdruck, insbesondere angesichts seines Alters, deutlich zu hoch ist, dass außerdem eine hoch dosierte Betablockertherapie in der Regel bei Männern schlecht verträglich ist, häufig kommt es zu Potenzproblemen und auch Beeinträchtigungen eventueller sportlicher Aktivitäten. Hier sollte man den Betablocker eher niedriger dosieren und den ACE-Hemmer, den er noch nicht eingenommen hat, im Laufe der Zeit höher dosieren, um Betablockernebenwirkungen zu vermeiden. Eine Gewichtsreduktion von fünf Kilo würde im Übrigen eine deutliche Blutdrucksenkung bewirken. Ihm wurde also empfohlen, fünf Kilo abzunehmen. Er müsste die körperliche Aktivität zwei- bis dreimal pro Woche auf 20 bis 30 Minuten steigern. Mit einer Gewichtsreduktion von zehn Kilo würde er fünf bis 20 mm Hg obere Blutdruckwerte senken können, und auch die körperlichen Aktivitäten führen im Mittel zu zehn mm Hg-Senkung. Beides kombiniert würde eventuell dazu führen, dass er Medikamente deutlich einsparen kann. Er zeigte sich im Gespräch hoch motiviert, er glaubt, dass er einen Gewichtsrückgang von fünf Kilo gut bewerkstelligen könne.

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