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Laut dem Versorgungsreport des WIdO sind Mandel- und Blinddarm-OPs bei Kindern von Region zu Region unterschiedlich häufig.

Sind Mandel- und Blinddarm-OPs bei Kindern immer nötig?

Wenn in manchen Regionen Deutschlands bis zu sechsmal häufiger operiert wird als in anderen, stellt sich die Frage: Ist das ein gutes oder schlechtes Zeichen?

Ärzte entfernen bei Kindern und Jugendlichen heute insgesamt seltener den Blinddarm oder die Mandeln. Doch nach wie vor gibt es erhebliche regionale Unterschiede bei der Zahl der Operationen. Zu diesem Ergebnis kommt der Versorgungsreport 2015 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Diese regionalen Unterschiede nähren Zweifel, ob wirklich alle Operationen nötig sind, zumal sie ja Kinder und Jugendliche in einem erheblichen Maße körperlich belasten. Möglicherweise hätte die eine oder andere Mandelentzündung auch mit einer konservativen Methode wie einer Antibiotika-Therapie geheilt werden können.

WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber wollte bei der Vorstellung des Reports so weit nicht gehen, die Unterschiede auf unnötige Operationen zurückzuführen. Diese könnten aber unter anderem Hinweise auf regionale Über- oder Unterversorgung sein sowie auf einen fehlenden gemeinsamen Maßstab, um die Notwendigkeit von OPs wirklich beurteilen zu können, erläuterte er. Die Unterschiede zeigten jedenfalls die Notwendigkeit bundesweit einheitlicher Richtlinien. Diese gebe es für Mandel-OPs seit Herbst diesen Jahres. Für Blinddarm-Behandlungen fehlten solche Richtlinien noch.

Der designierte AOK-Vorstandsvorsitzende Martin Litsch sagte, die Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen dürfe nicht von der Postleitzahl abhängen. Ein guter gesundheitlicher Zustand in den frühen Jahre verspreche auch eine gute Verfassung im mittleren Alter. Halte man sich auch in dieser Lebensphase gesund, bleibe man länger fit im Kopf, Gebrechlichkeit und Pflegebedürftigkeit setzten später ein.

"Kinder sind keine kleinen Erwachsenen"

Litsch mahnte zudem zur Zurückhaltung bei der Vergabe von Arzneimitteln an Kinder. "Kinder sind keine kleinen Erwachsenen", sagte er. Sie brauchten ihre eigenen Medikamente. Zugleich warnte er vor ungesunder Ernährung bereits im Kindesalter. In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Zahl übergewichtiger Kinder verdoppelt. Sechs Prozent der Kinder seien sogar krankhaft übergewichtig. Eine typische Folge könne eine Zuckererkrankung sein.

Andrerseits wüssten zwei Drittel der Deutschen nicht, wie viel Zucker sie am Tag zu sich nehmen. Litsch appellierte vor allem an die Nahrungsmittelindustrie, bei der Verwendung von Zucker in Lebensmitteln mit besserer Kennzeichnung mehr Transparenz an den Tag zu legen. Denn gerade der versteckte Zucker in Ketchup, Bio-Limonade oder Joghurt sei zum gesellschaftlichen Problem geworden.

Mandeloperationen gehen zurück

Nach dem Versorgungsreport ging die Zahl der Mandeloperationen bei Kindern und jungen Erwachsenen bis 24 Jahren von 2005 bis 2014 um ein Fünftel (19,3 Prozent) auf rund 108 000 Eingriffe zurück. 2012 habe sich eine Rate von 37 operierten Patienten je 10 000 Einwohnern bis 24 Jahre ergeben. In der Region Ingolstadt belaufe sie sich auf rund 17 je 10 000 Einwohner, in der Region Magdeburg auf rund 66, erläuterte das WIdO.

Blinddarmentfernung gehen zurück

Die Zahl der Blinddarmentfernungen bei Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren sank zwischen 2005 und 2014 um gut ein Viertel (25,6 Prozent). Für 2012 ergebe sich eine Operationsrate von 27,1 je 10 000 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Dabei belaufe sich die Rate im Osten Schleswig-Holsteins auf 13 und in Ingolstadt auf 52, teilte das Institut weiter mit.

dpa

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