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Professor Dr. Rüdiger von Eisenhart-Rothe (links) hat Manfred Dlouhy zwei Hüftgelenke ein­gesetzt.

Arthrose

Zwei neue Hüften in einer OP

Mehr Lebensqualität im besten Alter – die High-Tech-Medizin macht’s möglich: Millionen Menschen profitieren von immer besseren „Ersatzteilen“ für kaputte Gelenke.

Besonders häufig helfen diese sogenannten Endoprothesen Patienten mit starker Arthrose in den Hüften. Jedes Jahr lassen sich circa 200.000 Bundesbürger modernste Implantsysteme aus Titan, Keramik und Kunststoff einsetzen. Oft folgt auf die erste Hüftoperation nach einigen Monaten oder Jahren die zweite – und zwar auf der anderen Seite. Dass gleich beide Gelenke während eines Eingriffs ausgetauscht werden, kommt allerdings selten vor. Ein 61-jähriger Allgäuer hat sich für diese Doppellösung entschieden – und ist dadurch schnell wieder auf die Beine gekommen. Bereits vier Tage nach der OP konnte er Treppen steigen, eine Woche danach das Klinikum rechts der Isar wieder verlassen und die Reha antreten. Wir beleuchten die Operation und die Hintergründe.

Unerträgliche Schmerzen

Sein ganzes Leben war Manfred Dlouhy immer fit wie ein Turnschuh – im wahrsten Sinne des Wortes: Früher hat er sogar mal Leistungssport gemacht, als erfolgreicher Hürdenläufer. Auch danach investierte er weiter viel Zeit in Bewegung aller Art, ging unter anderem regelmäßig Mountainbiken, Bergsteigen und Joggen. Als er vor zwei Jahren immer öfter Krämpfe in der Hüftgegend bekam, versuchte er zunächst, die Beschwerden mit Yoga in den Griff zu bekommen. Dennoch wurden sie immer schlimmer: „Am Ende konnte ich kaum noch spazieren gehen.“ Manfred Dlouhy, selbst Arzt, ließ sich von einem befreundeten Orthopäden untersuchen. Auf den Röntgenbildern kristallisierte sich eine ernüchternde Diagnose heraus: starke Arthrose, verursacht durch eine angeborene Fehlstellung der Hüften, Mediziner sprechen von einer Hüftdysplasie.

Diagnose Hüftdysplasie

Beide Hüftknochen erschienen abgenutzt und verformt. Der wichtige Gelenkspalt mit dem Knorpelgewebe war praktisch nicht mehr vorhanden – eine fatale Entwicklung, denn dieser Spalt wirkt bei gesunden Menschen wie eine Art Gleitlager, das eine sanfte Bewegung des Gelenkkopfs in der Gelenkpfanne ermöglicht. Bei Manfred Dlouhy aber rieben nur noch Knochen auf Knochen. „Es ist unglaublich, dass du überhaupt noch laufen kannst“, sagte der befreundete Orthopäde. Dem 61-Jährigen wurde klar, dass er um eine OP nicht herumkommt – jedenfalls dann nicht, wenn er in Zukunft ein sportlich aktives Leben ohne Dauerschmerzen führen möchte. Für ihn stand allerdings auch von vornherein fest, dass er beide Gelenke auf einmal austauschen lassen möchte.

„Zweimal Narkose, zweimal Krankenhaus und zweimal Reha innerhalb eines Jahres – das konnte ich mir nicht vorstellen. Außerdem habe ich seit meiner Jugend Rückenprobleme, die durch eine einseitige Belastung sicher schlimmer geworden wären.“ So suchte Dlouhy nach einem Experten für die Doppellösung – und wurde im Klinikum rechts der Isar fündig. Zwei Stunden lang dauerte der Eingriff, er verlief reibungslos. Bereits am Tag nach der Operation konnte Manfred Dlouhy wieder aufstehen, die Reha hat er bereits hinter sich. Und bald dürfte auch dem Comeback als Sportler nichts mehr im Wege stehen.

Wann welche Operation sinnvoll ist

Professor Dr. Rüdiger von Eisenhart-Rothe (42) ist Direktor der Orthopädischen Klinik und Leiter des zertifizierten Endoprothesenzentrums EndoTUM am Klinikum rechts der Isar. Hier werden jährlich circa 650 künstliche Gelenke eingebaut, in circa 250 Fällen davon werden gebrauchte Endoprothesen ausgetauscht (sogenannte Wechseloperationen). Professor von Eisenhart-Rothe wie der Eingriff funktioniert, für welche Patienten er in Frage kommt und was man sonst noch überHüftoperationen wissen sollte.

Die Chancen und Risiken der Doppel-OP

Viel Arbeit für die Ärzte: Hüftoperationen gehören zu den häufigsten Eingriffen in deutschen Kliniken.

„Sie eignet sich nur für Patienten, die körperlich fit sind und besonders ein gesundes Herzkreislaufsystem haben“, so Professor von Eisenhart-Rothe. Zwar ist auch diese OP-Variante für Spezialisten Routine – aber: „Studien haben ergeben, dass das Risiko von Komplikationen wie Thrombosen oder Embolien bei einer beidseitigen Versorgung leicht erhöht ist.“ Andererseits bleibt dem Patienten bei der Doppellösung eine OP erspart. Die klassischen Anzeichen für eine Hüftgelenks-Arthrose: „Viele Patienten klagen über Schmerzen in der Leistengegend, die mit der Zeit unerträglich werden können“, weiß der Klinikdirektor. „Es beginnt mit Belastungs- und Anlaufschmerzen und geht später in Dauerschmerz über.“ Vor allem im fortgeschrittenen Stadium ist die Erkrankung relativ leicht zu diagnostizieren – einem soliden Orthopäden reicht dazu ein simples Röntgenbild.

Der richtige Zeitpunkt für die OP

„Er ist individuell ganz verschieden“, betont von Eisenhart-Rothe. „Ein Röntgenbild, das starke Arthrose zeigt, bedeutet noch lange nicht, dass sich der Patient operieren lassen sollte. Entscheidend ist immer, wie groß der Leidensdruck ist, wie stark der Patient in seinen Aktivitäten eingeschränkt ist. Das kann nur jeder für sich selbst beurteilen.“

Die Alternativen vor einer OP

„Eine Operation ist nur dann zu erwägen, wenn mit konservativen Behandlungen kein ausreichender Erfolg mehr erzielt werden kann. Hierzu gehören etwa entzündungshemmende Medikamente und Krankengymnastik. Auch Abnehmen ist oft sinnvoll. „Wenn man eine kranke Hüfte hat, spürt man jedes überflüssige Kilo umso mehr.“ Immer öfter wird inzwischen auch Hyaluronsäure in die Hüfte gespritzt. Diese Flüssigkeit ist eine Art künstliches Schmiermittel, mit dem bislang vor allem Kniepatienten behandelt werden. Die OP-Methode: Professor von Eisenhart-Rothe operiert in der Regel mit der sogenannten AMIS-Technik. Sie setzt sich seit einigen Jahren bei Experten immer mehr durch. Dabei gelangt der Operateur durch einen etwa acht Zentimeter langen Hautschnitt an der Vorderseite der Hüfte zum Gelenk. „Dieser Zugang ist sehr schonend. Es handelt sich um den einzigen Zugang, bei dem keine Muskeln oder Sehnen abgetrennt werden müssen. Zudem werden die Nerven nicht beschädigt. Dadurch erholt sich der Patient in der Regel schneller von dem Eingriff als nach allen anderen OP-Verfahren“, berichtet der Spezialist. Pro Hüftgelenk dauert die AMIS-OP etwa eine Stunde.

Die OP-Technik

Nachdem das kaputte Gelenk entfernt worden ist, höhlt der Chirurg den Knochen passgenau aus – in der Fachsprache Präparation genannt. „Die Gelenkpfanne wird im vorgesehenen Knochenlager verankert – ohne Knochenzement“, so der Spezialist. Stattdessen wendet der Chirurg das sogenannte Pressfit-Verfahren an. „Dabei werden die genauesten aufeinander abgestimmten Einzelteile des künstlichen Gelenks fest in den Knochen verkeilt. Anschließend wird der Prothesenschaft in den präparierten Oberschenkelknochen geschoben. Dank dieser Methode hält das Gelenk sehr lange – und ein späterer Austausch ist meist problemlos möglich“, erklärt Professor von Eisenhart-Rothe. „Dies ist besonders für junge, sportlich aktive Menschen sehr wichtig.“

Die OP-Nachsorge

Der Patient bleibt etwa eine Woche im Krankenhaus, tritt dann eine dreiwöchige Reha an. Meist kommt er in eine spezielle Klinik – jedenfalls dann, wenn sich die Krankenkasse bei der Kostenübernahme nicht querstellt. „Nach seiner Reha ist der Patient in der Regel wieder alltagstauglich belastbar“, sagt von Eisenhart-Rothe. Drei bis sechs Monate nach der OP ist Sport wieder drin.

Die Haltbarkeit der Endoprothese

Ein künstliches Hüftgelenk der neuen Generation sollte mindestens 15 Jahre lang einwandfrei funktionieren, und häufig erfüllt es noch wesentlich länger seinen Zweck.

Die Kosten der Operation

Sie werden komplett von der Krankenkasse übernommen – auch wenn der Patient gesetzlich versichert ist.

Andreas Beez

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