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Jeder fünfte Erwachsene leidet an Arthrose, zwei Millionen haben sogar täglich mit Beschwerden zu kämpfen.

Tipps von Experten

Arthrose: Das können Sie gegen Gelenkschmerzen tun

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Jeder fünfte Erwachsene leidet an Arthrose, zwei Millionen haben sogar täglich mit Beschwerden zu kämpfen. Und besonders bitter wird’s für die Patienten, wenn gleich mehrere Körperteile betroffen sind.

Arthrose kann alle Gelenke schädigen – und auch die Wirbelsäule. Es ist ein schleichender Verschleißprozess. Dabei wird die schützende Knorpelschicht im Gelenk immer mehr zerstört – solange, bis sich die betroffenen Knochen in ihrer Form verändern. Sie bilden zackenähnliche Vorsprünge bzw. Sporne, die in der Fachsprache Osteophyten genannt werden. Der Gelenkspalt verschwindet, sodass Knochen ohne Puffer direkt aufeinanderreiben. Dadurch verliert das Gelenk seine Beweglichkeit, und es entstehen Entzündungen, die heftige Schmerzen verursachen.

Arthrose lässt sich bis heute nicht heilen

Die Patienten stecken in einem Dilemma: Denn bis heute lässt sich Arthrose nicht heilen, allenfalls aufhalten. Die Beschwerden kann man mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Voltaren lindern, manche Patienten versprechen sich auch Verbesserungen durch Gelenkspritzen – am häufigsten mit Hyaluronsäure. Sie soll wie eine Art Schmiermittel wirken, um die Gleitfähigkeit im Gelenk zu erhöhen. Wie groß der Nutzen von Hyaluronsäure tatsächlich ist, das müssen langfristige wissenschaftliche Studien noch zeigen.

Als letzter Ausweg bleibt Patienten mit schwerer Arthrose ein Gelenkersatz aus Metall. Allein an Hüften und Knien werden in Deutschland jährlich etwa 400.000 solcher Endoprothesen eingesetzt. Aber was kann man tun, wenn eine solche OP (noch) nicht infrage kommt? Wie kann man die Beschwerden im Alltag ohne Arznei auf natürliche Weise zumindest etwas lindern? Wir haben renommierte Münchner Mediziner nach Alltagstipps gefragt.

Hände und Finger

„Zu viel Schonung ist gar nicht gut“, sagt Professor Dr. Martin Jung von der Orthopädischen Chirurgie München (OCM) in Sendling. „Auch Finger mit Arthrose sollte man regelmäßig bewegen.“ Dazu hat der Experte Alltagsübungen auf Lager:

  • Kneten: Nehmen sie einen Haushaltsschwamm und kneten ihn in einer Schüssel mit lauwarmem Wasser.
  • Waschlappen: Legen Sie Ihre Hand in einen feuchtwarmen Waschlappen, er wirkt wie eine Art Kompresse.
  • Daumenbeugen: Beugen Sie Ihren Daumen bis hinunter zum kleinen Finger und strecken ihn wieder zurück.
  • Kleine und große Faust: Krümmen Sie erst die vorderen Fingerglieder und strecken sie wieder, machen Sie anschließend eine komplette Faust – immer im Wechsel.
  • Der Fächer: Finger ausstrecken, aber nicht überstrecken – so als wollten Sie einen Fächer formen oder mit allen gespreizten Fingern die Zahl fünf anzeigen.
  • Das kleine O: Daumen und Zeigefinger bilden den Buchstaben O, danach führen sie jeden weiteren Finger zum Daumen, um ein O zu formen.
  • Legen Sie sich Pfannen und Töpfe mit breiten Griffen bzw. Henkeln zu, die man mit beiden Händen greifen kann: Dadurch verteilen Sie die Belastung auf beide Hände.
  • Baden Sie ihre Hände in Raps: „Die Samen gibt’s in der Apotheke. Man kann sie im Backofen erwärmen. Das lindert oft die Schmerzen.“
  • Hilfe zur Selbsthilfe: „Lassen Sie sich Ergotherapie verschreiben“, rät der Orthopäde. „Dort lernen Sie Übungen und Massagetechniken, die sie selbst regelmäßig gegen ihre Beschwerden einsetzen können“, erläutert Professor Jung.

Sprunggelenk

  • Investieren Sie in Schuhe mit einer guten Dämpfung“, rät Dr. Gerrit Hohmann von der Orthopädie am Gasteig. „Eine gute Dämpfung ist enorm wichtig, um die Stoßbelastung zu reduzieren.“ Hier empfiehlt sich eine Beratung im Fachgeschäft.
  • Tragen Sie Schuhe mit abgerundeten Sohlen: „Durch sogenannte Abrollhilfen lassen sich die Beschwerden lindern, insbesondere dann, wenn die Arthrose bereits stärker fortgeschritten ist.“
  • Spezielle Schuheinlagen helfen: „Dadurch kann man Fehlstellungen ausgleichen und die Belastungen gleichmäßiger auf den gesamten Fuß verteilen“, erläutert Dr. Hohmann.
  • Vermeiden Sie Ballsportarten und Stoßbelastungen: „Tennis und Joggen belasten das Sprunggelenk stark“, sagt der Orthopäde. „Wesentlich sinnvoller ist Radfahren oder Schwimmen.“

Schulter

  • Vermeiden Sie Überkopfbewegungen: Vorhänge aufhängen, hohe Regale einräumen oder die Decke streichen – solche Tätigkeiten sollten tabu sein. „Sie sind Gift für eine erkrankte Schulter“, warnt Dr. Alfred Eichbichler vom Bogenhausener Orthopädiezentrum Orthopraxx. „Wer niemanden um Hilfe bitten kann, der sollte zumindest eine Leiter benutzen, um die Arme nicht übermäßig anheben zu müssen.“
  • Die Pendelübung mit der Wasserflasche: Bestimmte Bewegungsübungen können dazu beitragen, die Gelenkkapsel elastisch zu halten und die Bildung von Gelenkschmiere bzw. ihre gleichmäßige Verteilung zu fördern. Mediziner sprechen von Synovialflüssigkeit. Das erreicht man zum Beispiel mit einer simplen Pendelübung: „Lassen Sie Ihren Arm locker herabhängen, schwingen Sie ihn – beispielsweise mit einer Wasserflasche in der Hand – locker hin und her“, erklärt Dr. Eichbichler.
  • Liegestütze an der Wand: Stellen Sie sich mit etwas Abstand frontal zur Wand, drücken Sie sich mit den Händen ab. „Dadurch trainieren Sie Ihre Brustmuskulatur und verbessern die Stützfunktion für die Schulter.“
  • Die Flügelschlag-Übung: Heben Sie Ihren Arm seitlich an – ungefähr so weit, dass er im 90-Grad-Winkel zum Körper steht. „Diese Übung trägt unter anderem dazu bei, verkürzte Muskulatur zu dehnen“, so der Orthopäde.
  • Vermeiden Sie ungünstige Ballsportarten: Dazu zählen Tennis, Badminton und Golf.
  • Machen Sie Wassergymnastik: „Diese Art der Bewegung ist besonders gelenkschonend, da das Körpergewicht praktisch ausgeschaltet wird“, erläutert Dr. Eichbichler.

Arthrose im Knie

  • An der Figur arbeiten: „Es gibt einen Tipp, den viele Patienten nicht gerne hören“, weiß Privatdozent Dr. Robert Hube von der Orthopädischen Chirurgie München (OCM). „Aber er ist enorm wichtig: Bauen Sie Übergewicht ab! Unnötige Pfunde bewirken eine Überlastung der Gelenke und beschleunigen deren Verschleiß.“
  • Trainieren Sie Ihre Muskulatur, um den Knorpelverschleiß zu bremsen. „Dazu eignen sich gelenkschonende Sportarten wie Radeln, Schwimmen, Nordic Walking oder Skilanglauf.“
  • Frauen sollten, sooft es geht, auf hohe Schuhe verzichten. „High Heels fördern die Instabilität und können dadurch auch das Knie schädigen“, weiß Dr. Hube.
  • Schuheinlagen können besonders geschädigte Bereiche des Knies entlasten. „Sie sorgen dafür, dass die Belastung gleichmäßiger auf das Gelenk verteilt wird“, so der Mediziner.

Hüfte

  • Mit bestimmten Übungen kann man die Muskeln rund ums Hüftgelenk gezielt stärken“, erklärt Dr. Heinz Röttinger, Chefarzt im Chirurgischen Klinikum München-Süd. „Außerdem hilft regelmäßiges Training dabei, die Beweglichkeit des geschädigten Gelenks so weit wie möglich zu erhalten.“
  • Hüftbeuger und Abspreizer trainieren: Sie stehen aufrecht seitlich zur Wand, stützen sich mit der Hand oder dem Unterarm ab. „Der Abstand zur Wand sollte zwei Fußbreit sein“, erläutert Dr. Röttinger. Schieben Sie nun das äußere Bein nach vorne und ziehen es wieder zurück. Machen Sie zehn Wiederholungen. Dann das Bein seitlich abspreizen, auch hier mit zehn Wiederholungen. Bewegen Sie jeweils das Bein nur so weit, dass Sie keine zusätzlichen Schmerzen haben. Der Fuß zeigt immer nach vorne – in einer Linie mit dem Bein.
  • Hintere Gesäßmuskulatur trainieren: Die Ausgangsposition ist der sogenannte Vierfüßlerstand: Sie knien Sie sich hin und stützen sich mit den Unterarmen ab – auf einer weichen Unterlage wie einer Gymnastikmatte oder Decke. Schieben Sie nun ein Bein angewinkelt leicht nach hinten oben und wieder zurück. Halten Sie dabei das andere Bein und die Hüfte gerade. Beginnen Sie pro Seite mit zehn Wiederholungen und steigern Sie sich im Lauf der Zeit auf 20 Wiederholungen.
  • Pflegen Sie Ihre Hüfte mit milder Wärme: „Entsprechende Umschläge helfen meist besser gegen die Schmerzen als Kältepackungen.“

Andreas Beez

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