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Unterbrechung der Fortpflanzung durch Bestrahlung: So werden von Insekten übertragene Krankheiten ausgerottet. 

Kampf gegen Zika

Atomenergiebehörde sterilisiert Mücken

Die Forscher nennen es martialisch: Selbstvernichtungsverfahren. Dahinter verbirgt sich eine Technik, die im Kampf gegen das Zika-Virus, aber auch gegen andere Tropenkrankheiten helfen könnte.

Seibersdorf – In den vielfach gesicherten Räumen der „Insect Pest Control“ der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) im österreichischen Seibersdorf wachsen Zehntausende von Fruchtfliegen, Tsetse-Fliegen und Mücken heran. Das Ziel: Die Männchen mit radioaktiver Strahlung zu sterilisieren und so Plagen wie Zika, Dengue und Gelbfieber einzudämmen.

„Es ist eine Umkehrung des Ansatzes, die Moskitos mit Insektiziden zu töten. Es geht vielmehr darum, die Fortpflanzung zu unterbrechen“, sagt der Leiter des IAEA-Labors, Marc Vreysen. Die IAEA nutzt ihr Atomkraft-Know-How seit vielen Jahren zur Insektenbekämpfung. Auf dem etwa einwöchigen Weg vom Ei, über die Larve und Puppe hin zum Insekt wartet die Bestrahlungsbox. Im Puppenstadium werden die männlichen Exemplare einer Strahlung von 120 Gray ausgesetzt. „Das wäre für einen Menschen tödlich“, sagt Vreysen.

Die etwa 45 Experten in Seibersdorf wollen mit ihrer Arbeit die Grundlage schaffen, damit die von Tropenkrankheiten und Schadinsekten betroffenen Länder die Methode anwenden können. Das größte der Projekte läuft derzeit in Guatemala. Dort werden etwa eine Milliarde bestrahlte und damit unfruchtbare Fruchtfliegen pro Woche freigesetzt, um die Obstplantagen in der Region vor Schäden zu schützen. Auch in den USA läuft ein Projekt mit Fruchtfliegen, die Pflanzen schädigen. Das Projekt wirke wie eine biologische Hürde gegen eine Verbreitung dieser Schädlinge.

„Das sind die Jungs“, Rosemary Lees, Moskito-Expertin der IAEA, zeigt auf Hunderte von Larven und Puppen von Aedis aegypti, die sich in einer mit Wasser gefüllten Schale tummeln. Das Sortieren nach Geschlecht ist eine Voraussetzung für die Wirksamkeit der Methode. „Würden wir einfach alle bestrahlen, würden sich Männchen mit unfruchtbaren Weibchen paaren. Sie sollen sich aber mit fruchtbaren Weibchen vereinen, die dann Eier legen, die sich nicht mehr entwickeln“, sagte Lees.

Die Forscher arbeiten unter anderem an der optimalen und möglichst billigen Rezeptur für die Fliegennahrung. Aber auch die beste Bestrahlungsdosis bleibt eine Aufgabe, um das Selbstvernichtungsverfahren wirkungsvoll zu gestalten. „Wir wollen immer den Punkt finden, an dem die Männchen steril, aber noch fit sind“, so Lees. Mit dem Rat aus Seibersdorf ist es schon in diversen Weltgegenden gelungen, von Insekten übertragene Krankheiten auszurotten. So ist die Insel Sansibar vor Ostafrika seit 20 Jahren dank dieser Methode frei von der Tsetse-Fliege, die Viehherden schädigt und Menschen krank macht.

Die Sterilisation ist nicht die einzige Methode, ohne Einsatz von Insektiziden auszukommen. Die britische Firma Oxitec hat sich darauf spezialisiert, die Moskitos genetisch zu verändern und so die Ausbreitung von Krankheiten besser zu kontrollieren. „Unser Ansatz ist eine Ergänzung“, heißt es auch bei der Atomenergiebehörde. Welche Menge an sterilisierten Gelbfiebermücken in Brasilien zur Bekämpfung von Zika nötig wäre, wagen die Experten der IAEA nicht zu schätzen. „Eine Insel wie Sansibar ist natürlich einfacher anzugehen“, sagt Vreysen. Einige Unternehmen infizieren beispielsweise Gelbfiebermücken mit dem Bakterium Wolbachia pipientis, das bei den Männchen die Spermien verändert. Paaren sie sich mit nichtinfizierten Weibchen, so stirbt der Nachwuchs in einer frühen Entwicklungsphase. Im März plant China einen entsprechenden Feldversuch, um die Dengue- und Zika-Viren übertragenden Mücken zu reduzieren.

Von Matthias Röder

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