Kommt sie zu spät?

Impfung gegen das Coronavirus: "Impfstoff-König von Indien" startet Produktion - obwohl Testergebnisse ausstehen

  • Juliane Gutmann
    vonJuliane Gutmann
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Eine ursächliche Therapie gegen das Coronavirus gibt es noch nicht, aktuell können nur die Symptome gelindert werden. Doch die Pharmaindustrie entwickelt bereits Impfstoffe.

  • Bislang können nur die Symptome einer Coronavirus-Infektion* gelindert werden.
  • Mediziner suchen nach spezifischen Therapien gegen das Virus - und forschen an Impfstoffen.
  • In der Regel dauert die Entwicklung neuer Impfstoffe bis zu zehn Jahre oder länger.  

Update vom 05.05.2020: Weltweit melden Unternehmen Fortschritte in der Impfstoffentwicklung gegen Covid-19 - der "Impfstoff-König von Indien" will in spätestens zwei Wochen mit der Herstellung beginnen. Seinen Spitznamen hat Cyrus Poonawalla, ein indischer Geschäftsmann, nicht ohne Grund: Seit mehr als 50 Jahren ist Poonawalla im Impfstoff-Geschäft. Seine Firma Serum Institute of India gilt als größter Impfstoffhersteller der Welt. Wie die Tagesschau meldete, will Poonawalla nun die Produktion von 40 Millionen Impfdosen eines vielversprechenden Impfstoff-Kandidaten veranlassen. Es handelt sich um ein Serum, das von der University of Oxford entwickelt wurde und aktuell an mehr als 1.000 Briten getestet wird. Obwohl die klinischen Tests noch nicht beendet sind, sagte Cyrus Poonawallas Sohn Adar Poonawalla als aktueller Geschäftsführer im Interview mit dem indischen Nachrichtensender NDTV: "Diese Tests könnten sich bis September oder Oktober als erfolgreich und sicher herausstellen. Aus meiner Sicht stehen die Chancen gut, weil die Forscher aus Oxford auch mit der Impfung gegen Ebola erfolgreich waren."

In bereits zwei Wochen soll der Impfstoff für die breite Masse in Produktion gehen - mit dem Ziel, in den nächsten Monaten bis zu 40 Millionen Impfdosen herzustellen. Das Vorhaben gilt als wirtschaftlich äußerst riskant, da das Serum Institute of India herbe Verluste einstecken müsste, falls die Tests in Großbritannien nicht den gewünschten Erfolg erzielen.

Impfstoffentwicklung gegen Coronavirus: Erster klinischer Test in den USA

Update vom 19.03.2020, 10.00 Uhr: In den USA startete Mitte März 2020 der erste klinische Test des möglichen Coronavirus-Impfstoffs "mRNA-1273". 45 gesunde Freiwillige bekommen innerhalb der kommenden Wochen jeweils zwei Dosen von bis zu einem halben Milligramm des Wirkstoffs injiziert. Die erste Phase des klinischen Tests läuft aktuell in einem Forschungsinstitut in der nordwestlichen Metropole Seattle, wie der Spiegel berichtete. Der Impfstoff wurde gemeinsam mit der privaten Biotechnologiefirma Moderna entwickelt. Die Forscher gehen davon aus, dass der gesamte Prozess der Impfstoff-Entwicklung mindestens ein Jahr dauern wird.

Update vom 19.03.2020: Unzählige Pharmakonzerne, Forschungseinrichtungen und Universitäten weltweit setzen aktuell alle Ressourcen ein, um schnellstmöglich einen Impfstoff gegen die neuartige Lungenkrankheit Covid-19 zu entwickeln. Eine Infektion mit Coronaviren, auch Sars-CoV-2 genannt, kann - je nach Gesundheitszustand des Patienten - symptomlos bis lebensbedrohlich verlaufen*.

Auch deutsche Firmen forschen an wirksamen Impfstoffen, etwa das Tübinger Unternehmen CureVac. Gemeinsam mit dem Paul-Ehrlich-Institut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel konnte CureVac bereits Fortschritte vermelden. "Wir sind sehr zuversichtlich, innerhalb weniger Monate einen wirksamen Impfstoffkandidaten entwickeln zu können", zitiert die Tagesschau den ehemaligen CureVac-Vorstandsvorsitzenden Daniel Menichella. Die Firma hoffe, bereits bis Juli einen experimentellen Impfstoff entwickelt zu haben, der dann mit Genehmigung der Aufsichtsbehörden für Erprobungen mit Menschen zugelassen wird.

Diese Meldung rief jetzt auch Donald Trump auf den Plan. Der Präsident der Vereinigten Staaten versuche der Tagesschau zufolge deutsche Forscher nach Amerika zu holen, damit diese dort Medikamente entwickeln, die ausschließlich für US-amerikanische Corona-Patienten Verwendung finden sollen. CureVac strebe nach eigenen Aussagen allerdings keinen Deal mit den USA an.

Mehr zum Thema: Bedrohlicher Unterschied: Covid-19 und Grippe im Vergleich.

Noch keine Medikamente gegen Covid-19

Artikel vom 12.03.2020: Die Ausbreitung des Coronavirus sorgt weltweit für beunruhigte Bürger. Bisher wurden 245.484 Infektionen gemeldet (Stand 20.03.2020), die meisten Betroffenen leben in der zentralchinesischen Provinz Hubei. Deren Hauptstadt Wuhan gilt als Zentrum der Pandemie. Auf einem Tiermarkt sollen sich dort die ersten Menschen mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben. 

Beklagt werden aktuell 10.031 Todesopfer, die meisten davon in China. Aktuell können nur die Symptome gelindert werden, es gibt (noch) keine Medikamente, die das Coronavirus unschädlich machen. Doch Mediziner forschen fieberhaft an Behandlungsmöglichkeiten*, die sich spezifisch gegen das Virus richten. Auch Pharmaindustrie und Forschungsinstitute haben begonnen, Schutzimpfungen gegen das Virus zu entwickeln.

Lesen Sie auch: Schützt eine Mundschutzmaske vor einer Coronavirus-Infektion? Wer sie tragen sollte.

40 Impfstoffprojekte laufen: University of Queensland meldet Erfolg

So sind dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) zufolge weltweit mindestens 40 Impfstoffprojekte angelaufen, unter anderem ein Projekt des deutschen Unternehmens BioNTech, zwei Projekte des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und ein Projekt des israelischen Biological Research Institutes.

Für einige Impfstoffprojekte wurden bereits vielversprechende Testergebnisse vermeldet. So begann am 16. März 2020 die Erprobung eines vom US-Unternehmen Moderna hergestellten Impfstoffs an Freiwilligen. Für den Impfstoff des US-Unternehmens Inovio seien dem vfa zufolge erste klinische Studien mit Freiwilligen für April 2020 angekündigt worden. Ein Projekt der University of Queensland habe die Erprobung mit Tieren erreicht. Auch die Universität von Hongkong hatte mitgeteilt, dass sie einen Impfstoff gegen das Coronavirus* gefunden hat, der nun weiter erprobt werden soll. Bis er allerdings alle Tier- und Humanstudien durchlaufen hat, würden noch Monate vergehen.

Die Entwicklung eines neuen, sicheren und wirksamen Impfstoffs kann bis zu 20 Jahre dauern und bis zu einer Milliarde Euro kosten, wie die Ärztezeitung meldete. Durch neue Technologien und finanzielle Unterstützung soll es aber im aktuellen Fall bereits binnen weniger Monate möglich sein, Impfstoffprototypen so weit zu entwickeln, dass sie an Tieren und Menschen getestet werden können.

Lesen Sie auch: Gefährlicher Medikamenten-Engpass in Deutschland? Coronavirus-Pandemie mit gravierenden Folgen.

Impfstoff gegen das Coronavirus wird zu spät kommen - meint Wissenschaftler

Ebenfalls ein Faktor, der die Impfstoffentwicklung beschleunigen könnte: Impfstoff-Entwickler haben bereits Erfahrung mit Erregern aus der Familie der Coronaviren. So zählt das SARS-Virus zur Gruppe der Coronaviren, das im Jahr 2002/2003 unzählige Todesopfer gefordert hat. Über 20 Projekte liefen damals zur Impfstoffentwicklung - allerdings wurden einige gestoppt, weil das Virus wieder verschwand. Doch Forscher konnten damals einige Zwischenergebnisse verbuchen, die im Kampf gegen die aktuelle Corona-Pandemie genutzt werden können.

Es ist noch nicht abzusehen, wie sich die Coronavirus-Pandemie entwickeln könnte und wann ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Der britische Seuchenexperte Jeremy Farrar geht davon aus, dass ein Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus zu spät kommen wird, um die drohende globale Aus­breitung der Seuche zu verhindern. Im Spiegel-Interview sagte er: "Und wenn wir Pech haben, wird es niemals gelingen".  

Mehr Quellen: www.bundesgesundheitsministerium.de; www.rki.de; www.asiaone.com; www.experience.arcgis.com; www.tagesschau.de; www.vfa.de; https://coronavirus.jhu.edu/map.html; www.spiegel.de

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Frankfurt: Die Tourismusbranche in Frankfurt spürt die Auswirkungen des Coronavirus* deutlich. Insbesondere Hotels und Messen sind vom abnehmenden Tourismus aus China betroffen. Grund zur Sorge besteht jedoch nicht.

jg

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Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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