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Gezieltes Training: Oft bessert schon die Aktivierung der Beckenbodenmuskulatur die Blasenschwäche deutlich.

Kleiner Aufwand - großer Erfolg

Die Zahl der Frauen mit Störungen der Beckenbodenfunktion nimmt stetig zu, so leidet zum Beispiel schon jede 5. Frau in Deutschland, etwa aufgrund einer Erschlaffung der Beckenboden-Muskulatur nach einer schweren Geburt, unter unfreiwilligem Harnverlust (Inkontinenz).

Gleichwohl ist es leider für viele immer noch ein Tabuthema und viele der Betroffenen schweigen aus Scham – oder in der Annahme, dass die „Störungen“ unabwendbare Folge des natürlichen Alterungsprozesses und nicht erfolgreich zu behandeln sind. Das ist ein fataler Irrtum. Denn in rund 90 Prozent aller Fälle ist bei Blasen- und Senkungsbeschwerden eine Heilung oder zumindest deutliche Besserung möglich. Oft führt schon ein kleiner Aufwand zu großem Erfolg und wieder deutlich mehr Lebensqualität.

Die häufigste Form der „Störung“ ist die sogenannte Belastungsinkontinenz. Schon ein Lachen oder auch Husten und Niesen, das Tragen eines Einkaufskorbes und sogar das Treppensteigen führt bei dieser Form meist zu unkontrolliertem Harnverlust. Auch beim Aufstehen und beim Sport kann „es“ passieren. Der Verschluss der Harnröhre öffnet sich unkontrolliert. Wer häufig geradezu überfallartig Harndrang verspürt und dann das Gefühl hat, den Urin nicht mehr halten zu können, leidet vermutlich unter der sogenannten Dranginkontinenz, meist verursacht durch eine überaktive Blasenmuskulatur. Diese zieht sich permanent zusammen und signalisiert ständig eine volle Blase, obwohl diese keinesfalls gefüllt ist. Manchmal hilft schon ein gezieltes Training der Blase bzw. der Beckenbodenmuskulatur, um die jeweilige „Störung“ in den Griff zu bekommen.

Daneben gibt es eine Vielzahl von Erfolg versprechenden Behandlungsmöglichkeiten – von der Elektrostimulation über eine medikamentöse Therapie bis zu kleinen, schonenden chirurgischen Eingriffen, bei denen z.B. die Blase durch den Einsatz eines kleinen Bändchens gestützt wird. Insgesamt werden bundesweit bereits rund 80.000 Frauen pro Jahr wegen einer Störung der Beckenbodenfunktion operativ behandelt. „Dank der Information über die Medien und auch durch die Ärzte kommt es langsam zu einer zunehmenden Enttabuisierung des Themas, und so steigt allmählich auch die Bereitschaft der betroffenen Frauen, sich mit ihren Beschwerden ihrem Arzt anzuvertrauen und sich behandeln zu lassen“, bestätigt Prof. Thomas Dimpfl, Direktor der Frauenklinik am Klinikum Kassel und Initiator des Beckenbodenzentrums (BBZ) Nordhessen.

In diesem Zentrum arbeiten alle an der Diagnostik, Therapie und Rehabilitation beteiligten Ärzte – also Gynäkologen, Urologen, Neurologen, Proktologen und Rehabilitätsmediziner – nach festgelegten Qualitätsstandards Hand in Hand. Durch diese Bündelung des Know Hows, die enge, interdisziplinäre Zusammenarbeit der niedergelassenen Ärzte und der Mediziner aus dem Klinikum Kassel sowie aufgrund der ständigen Fortbildung können im BBZ Nordhessen die modernsten und Erfolg versprechenden Diagnose- und Behandlungsformen angeboten werden.

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