Neue Erhebung

Behandlungsfehler: Darauf sollten Patienten achten

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München - Nach der neuen Erhebung über Behandlungsfehler beantworten wir die wichtigsten Fragen. An wen wenden sich Betroffene? Worauf sollte man achten?

Falsch eingesetzte Implantate, verkehrt operierte Knie – im Operationssaal können kleine Fehler eine verheerende Wirkung haben. Aber auch niedergelassene Ärzte können pfuschen. Insgesamt 14 585 Gutachten haben die Ärzte des medizischen Dienstes der Krankenkasssen (MDK) 2013 zu Behandlungsfehlern erstellt. So viele wie nie: 2000 Gutachten mehr als im Vorjahr. Die Frage „Liegt ein Behandlungsfehler vor?“ bejahten die MDK-Gutachter in jedem vierten Fall. Bei zwei von drei bestätigten Behandlungsfehlern kamen die MDK-Gutachter zu der Einschätzung, dass der Behandlungsfehler auch kausal für den Schaden verantwortlich ist. Rund 70 Prozent aller Fehler passieren in Krankenhäusern. Hier wird am meisten gepfuscht.

Warum ist die Fehlerquote in den Kliniken so groß?

Eine Ursache liegt darin, dass sich die meisten Behandlungsfehlervorwürfe auf chirurgische Eingriffe beziehen, und die meisten Operationen finden nun einmal im Krankenhaus statt.

Welche ärztlichen Disziplinen sind beim Pfusch die Spitzenreiter?

Die chirurgischen Fächer Orthopädie/Unfallchirurgie und die Allgemeinchirurgie waren am häufigsten mit Behandlungsfehlervorwürfen konfrontiert, gefolgt von Zahnmedizin und Gynäkologie. „Im Verhältnis zur Zahl der Vorwürfe werden die meisten Behandlungsfehler aber in der Pflege und in der Zahnmedizin bestätigt. Auch dies entspricht dem Bild der Vorjahre“, sagt Prof. Dr. Astrid Zobel, Leitende Ärztin Sozialmedizin des MDK, der die Daten ausgewertet hat.

Warum ist die Zahl der Beschwerden gestiegen?

Dr. Stefan Gronemeyer, stellvertretender Geschäftsführer des MDK: „Den Anstieg bei den Fehlervorwürfen führen wir auf die Aufklärungsarbeit der vergangenen Jahre und die gestiegene öffentliche Aufmerksamkeit, aber auch auf das 2013 in Kraft getretene Patientenrechtegesetz zurück. Das Patientenrechtegesetz hat den Anspruch der gesetzlich Versicherten auf Unterstützung durch die Krankenkassen und den MDK bei Behandlungsfehlern gestärkt. Unsere Zahlen zeigen, dass die Patienten auf die Begutachtung durch den MDK vertrauen und diese als wichtiges Angebot annehmen.“

Wären viele Fehler vermeidbar?

„Ja“, sagt Gronemeyer. Viele Behandlungsfehler wären vermeidbar. Das zentrale Stichwort lautet „Sicherheitskultur“. Der erforderliche Kulturwandel dahin aber ist bestenfalls eingeleitet. Wirkungsvolle Maßnahmen zur Fehlervermeidung und ein klinikbezogenes Risikomanagement müssen endlich flächendeckend umgesetzt werden.

KHD

Darauf sollten Patienten achten

Was ist ein Behandlungsfehler?

Der MDK: „Wird die Behandlung nicht angemessen, sorgfältig, richtig oder zeitgerecht durchgeführt, so wird dies als Behandlungsfehler bezeichnet.“

An wen wenden sich Betroffene?

Beim Verdacht auf einen Behandlungsfehler wenden sich gesetzlich Versicherte an ihre Krankenkasse. Diese ist gesetzlich dazu verpflichtet, vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) ein kostenfreies Gutachten für Betroffene erstellen zu lassen.

Muss ich den Behandlungsfehler selbst nachweisen?

Die Beweispflicht liegt grundsätzlich beim Patienten. Die Krankenkassen helfen jedoch mit einem medizinischen Gutachten.

Ist jede Komplikation auf Versagen des Arztes zurückzuführen?

Nein. Aus einem unerwünschten Ergebnis einer Behandlung kann man noch nicht auf einen ärztlichen Fehler schließen. Manche Probleme treten ein, obwohl der Arzt alles richtig gemacht hat. Eine Infektion zum Beispiel kann bei jedem Eingriff passieren. Es gibt ein Restrisiko, auch wenn alle Hygienemaßnahmen getroffen werden.

Was kann ich selbst tun?

Der MDK: Legen Sie ein Gedächtnisprotokoll von der Zeit der Behandlung an. Wichtig ist auch, ob es Zeugen gibt: Haben zum Beispiel Zimmernachbarn im Krankenhaus etwas von Gesprächen mit den Ärzten mitbekommen? Lassen Sie sich eine Kopie der Patientenakte aushändigen.

Rubriklistenbild: © dpa

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