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Schon wenig hilft viel! Schon 15 Minuten am Tag verlängern das Leben nach einer neuen Studie um drei Jahre.

Bewegung ist die beste Medizin

Wer rastet, rostet – heißt ein Sprichwort. Und es ist tatsächlich so, dass der Mensch auf Bewegung ausgelegt ist, der Organismus sehnt sich richtig nach körperlicher Aktivität.

Doch jeder zweite Deutsche gab nun in einer Umfrage für die Apotheken-Rundschau zu, dass er sich zu wenig bewegt. Zwar plagt viele das schlechte Gewissen, dennoch sinken sie nach einem Acht-Stunden-Tag im Bürostuhl lieber auf die Couch anstatt die Laufschuhe zu schnüren. Redakteurin Susanne Stockmann sprach mit dem Sportmediziner Dr. Alfred Eichbichler darüber, warum uns Sport so gut tut, wie jeder den richtigen Einstieg finden und den inneren Schweinehund überwinden kann.

Sie sagen, Bewegung ist Leben.Was meinen Sie damit?

Dr. Alfred Eichbichler Sportmediziner und Orthopäde

Alfred Eichbichler: Es ist vielfach gezeigt worden, dass man mit wenig Bewegung schon sehr viel erreichen kann. Es kommt gar nicht so sehr darauf an, was man tut, Hauptsachemanistaktiv. Ein bisschen Sport senkt z. B. stark das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leiden. Selbst die nicht durchbluteten Gewebe unseres Körpers, wie zum Beispiel die Sehnen und Gelenkknorpel, profitieren erheblich von Bewegung. Sie werden durch die Belastung regelrecht durchgewalkt und die Nährstoffe in der Gelenkflüssigkeit können in den Knorpel eindringen. Die Muskulatur bleibt geschmeidig und wird gestärkt, das kommt dem gesamten Stützapparat, den Gelenken und der Wirbelsäule zugute, die dann weniger belastet werden.

Die gute Nachricht ist ja wirklich, dass es schon viel hilft, wenn man klein anfängt.

Eichbichler: Der klassische Tipp an Menschen, die im Büro arbeiten ist, ruhig mal beim Telefonieren aufzustehen. Wenn man den ganzen Tag in einer einzigen Position verharrt und sich selten bewegt, werden immer die gleichen Gelenke und Wirbel belastet. Man sollte, wann immer es geht, zu Fußgehen, nicht den Aufzug sondern die Treppe benutzen. So gibt man dem Körper neue Reize. Das sind altbekannte Ratschläge, die aber wirklich dem Körper guttun.

Im Frühjahr fassen ja viele Menschen den guten Vorsatz, wieder Sport zu treiben. Wie sollte man am besten anfangen?

Eichbichler: Man sollte nicht zu ehrgeizig sein und seine Ziele nicht zu hoch setzen. Außerdem sollte man sich nicht an seinen sportlichen Leistungen orientieren, die man früher mühelos erreicht hat. Es heißt also, sich vorsichtig heranzutasten und sich Woche für Woche langsam zu steigern. Am Anfang reicht es schon, sportlich spazieren zu gehen. Schmerzen die Gelenke, ist Radfahren eine perfekte Wahl oder eventuell Nordic Walking sinnvoll, weil die Stöcke den Schwung mit abfangen. Wie gesagt, jede Bewegung tut dem Körper gut.

Nach der ersten Euphorie setzt meistens der alte Schlendrian schnell wieder ein.

Eichbichler: Darum ist es wichtig, sich einen Sport zu suchen, der einemwirklichSpaßmacht. Sich mit Freunden zu verabreden, vielleicht einer Gruppe anzuschließen, zum Einstieg einen Kurs buchen – um die Gruppendynamik auszunutzen. Nicht jeder geht gern joggen – doch es gibt ja sehr viele Sportarten und ständig kommen neue dazu. Tanzen zum Beispiel kann sehr anstrengend sein und tut nebenbei auch noch der Partnerschaft gut. Tennis, Federball – alles Möglichkeiten, sich zu bewegen. Wer einen technischen Sport auswählt, sollte bald eine Trainerstunde buchen, damit die Technik stimmt und sich nicht Haltungsfehler einschleichen.

Und ganz wichtig: nicht übertreiben. Das Herz muss auch wieder zur Ruhe kommenkönnen. Ich empfehle z. B. statt 60 Minuten nur zu joggen, lieber 40 Minuten zu joggen und 20 Minuten zu dehnen. Das ist zwar weniger anstrengend, dennoch hat der Körper wesentlich mehr davon. Bei leichten Dehnübungen werden Muskeln und Bänder gedehnt und können sich entspannen.

Das hat eine große Wirkung: Wenn z. B. die Oberschenkelmuskulatur gut gedehnt ist, bleibt das Becken bei der Bewegung stabiler stehen, das entlastet wiederum die Wirbelsäule.

Oft heißt es, vor dem Sport sollte erst ein Arzt überprüfen, ob man fit genug ist. Ist das wirklich nötig?

Eichbichler: Wenn akute Schmerzen bestehen, z. B. bei sehr stark verspannten Muskeln im Rücken, sollten diese zuerst behandelt werden, bevor ein Training begonnen wird. Bei bekannten Erkrankungen, z. B. bei Bluthochdruck oder Diabetes,oder nach Operationen ist es sinnvoll, den Hausarzt zu fragen, ob ein Facharzt zu Rate gezogen werden sollte. Und immer gilt:Langsam beginnen. Ich rate auch immer dazu, nicht am Sportgerät zu sparen. Alte Laufschuhe z. B. haben keine gute Dämpfung mehr. Da sollte man sich dann neue leisten.

Dr. Alfred Eichbichler praktiziert in seiner Praxis Orthopraxx in München-Bogenhausen.

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