Es wird gestichelt

Fies zum Freund? Wenn sich Partner kränken, steckt häufig eine gesunde Einstellung dahinter – sagt Soziologin

  • Juliane Gutmann
    vonJuliane Gutmann
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Ihr engster Vertrauter bekommt häufig sein Fett weg? Eine Soziologin erklärt, weshalb vor allem der Partner Gefahr läuft, Opfer von Kränkungen zu werden.

Wahrscheinlich jeder kennt das Phänomen: In der Kennenlernphase zeigt man sich von der Schokoladenseite, will dem Gegenüber immer und überall imponieren. Doch schaut man sich Paare an, die bereits seit vielen Jahren zusammen sind, zeichnet sich in einigen Fällen ein anderes Bild. Da wird auch mal gestichelt und der andere wird gekränkt – manchmal sogar in Gesellschaft, vor Freunden und Kollegen. Doch was steckt hinter diesem Phänomen, das manchmal an der Qualität der Beziehung* zweifeln lässt?

Soziologin Andrea Newerla erinnert der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ zufolge an das romantische Ideal, das noch immer die Vorstellungen von Liebesbeziehungen prägt. In dem Zug werden dem Partner unzählige Erwartungen auferlegt und auch der Drang wird geweckt, miteinander zu verschmelzen. Im Wiederspruch dazu stehe die meist anerzogene Einstellung, sich als Individuum in der Welt zu behaupten. Man selbst sein und ein Paar sein: Dies könne Newerla zufolge zu einem inneren Konflikt führen, vor allem in Phasen mangelnder Distanz, in denen es zunehmend schwer wird, sich selbst treu zu bleiben. „Manchmal werden dann rabiat Grenzen gezogen“, zitiert die FAZ Newerla. Kleine Gemeinheiten seien hier als Akt der Abgrenzung zu werten. Die eigenen Grenzen würden so aufgezeigt werden, und auch die Grenzen in der Partnerschaft.

Den Partner provozieren und so emotionale Verbundenheit fördern?

Provokation und Streit können zudem dabei helfen, Momente der Distanz zu überwinden – vorübergehend. Denn wo neckische Bemerkungen zu Beginn einer Beziehung oft als charmant und lustig eingestuft werden, können sie im Verlauf zu Irritationen beim Partner sorgen, so die FAZ-Kolumnistin Elena Witzeck.

„Ein wenig Boshaftigkeit gehört zum Beziehungsleben“, so das Fazit von Witzeck. Sie vergleicht Promi-Paare, die ihre Streitigkeiten in der Öffentlichkeit austragen mit welchen, die nur glückselige Momente teilen. Für erstere interessieren sich deutlich mehr Menschen – auch, weil sie sich in ihnen wiedererkennen, so Witzeck. Also austeilen erlaubt, so lange man weiß, dass man sich liebt? Das muss wohl jedes Paar für sich selbst beantworten. (jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Weiterlesen: Glücklich liiert? Was aus medizinischer Sicht gegen eine Partnerschaft spricht.

Erstaunlich: Liebeskummer kann sich wie ein Herzinfarkt auswirken

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Felix Schröder ist Buchautor und Assistenzarzt am Herz- und Gefäßzentrum im Albertinen Krankenhaus Hamburg. Foto: Steven Haberland/dpa-tmn
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