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Wenn das Smartphone sogar mit ins Bett kommt

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Jugendlicher mit Smartphone
Beziehungskiller: 80 Prozent der Erwachsenen nehmen ihr Smartphone sogar mit in ihr Bett. © dpa

Ohne Smartphone kommt heute kaum jemand durch den Tag, die meisten nehmen es sogar mit ins Bett. Die Technologie produziert neue Ängste, etwa jene, ohne Internet zu sein etwa. Fachleute sehen beängstigende Entwicklungen, aber auch Chancen.

Berlin – Hat jemand geschrieben? Immer wieder schweift der Blick zum Display. Nicht einmal Liebesbeziehungen bleiben vom Digital-Verhalten verschont. „In Deutschland sind 80 Prozent der Erwachsenen auch im Bett „on““, sagte Catarina Katzer, Spezialistin für digitales Sozialverhalten. Sie betont, das könne zum Beziehungskiller werden. Sogar Schluss machten immer mehr Paare per Kurznachricht – um unangenehmen Gesprächen aus dem Weg zu gehen.

Werden wir zu „Smombies“?

Smartphones verführen stets zu Klicks: Wie wird das Wetter? Wie zeigen sich Promis bei Instagram? Wer hat bei Facebook was geliked? Nicht nur Jugendliche verbringen viel Zeit mit dem Smartphone und der Sphäre, die sich damit erschließen lässt. Zum heutigen internationalen Welttag der Seelischen Gesundheit stellt sich die Frage: Wie wirkt sich die immer verfügbare Online-Welt auf die Psyche und die sozialen Kompetenzen aus? Macht sie uns zum „Smombie“ – jugendsprachliche Abkürzung für Smartphone-Zombie?

Wenn der Psychotherapeut Andreas Hillert von der Schön Klinik Roseneck am Chiemsee über jugendliche Patienten spricht, die statt in die Natur lieber ständig aufs Display schauen, sieht er dahinter eine Angst, etwas zu verpassen, sich allein und innerlich leer zu fühlen. „Das Smartphone wird zum Objekt, das symbolisiert, mit allen verbunden zu sein.“

Studien über Nomophobie

Wissenschaftler haben solche Phänomene beschrieben. In Studien gehen sie etwa Nomophobie nach, kurz für No-Mobile-Phone-Phobia – die Angst davor, ohne Handy zu sein. Auch die Angst, offline zu sein, hat einen Namen: Fobo, für Fear of being offline.

Eine „Internet-Komfortzone“ sei für erhebliche Probleme mancher Patienten in Schule und Elternhaus mit verantwortlich, sagt Hillert. Die Jugendlichen seien gewöhnt, ihre Bedürfnisse schnell befriedigen zu können: Erfolge in Rollenspielen haben, einkaufen, Kontakte pflegen und sich selbst darstellen zum Beispiel.

„Soziale Netzwerke suggerieren, irgendwo eingebunden zu sein“, sagt Hillert. An Erfahrungen aus realen Gruppen wie dem Sportverein, wo es auch mal Reibungen gibt, mangele es hingegen. Hillert erzählt von jungen Erwachsenen mit hohem narzisstischen Anspruch: Sie wollen etwas Besonderes sein und haben eine sehr geringe Frustrationstoleranz. Bekommen sie im Vokabeltest eine schlechte Note, lernen sie nie wieder dafür. Letztlich blieben sie orientierungslos und frustriert zurück, schildert Hillert.

Von einem „immensen Kommunikations- und Selbstdarstellungsdruck“ spricht Fachfrau Catarina Katzer. „Man kann es auch Selfie-Manie nennen.“ Nur schlecht ist der Online-Sog nicht: Im Netz die volle Kontrolle über die eigene Selbstdarstellung zu haben und die Reaktionen der Kontakte darauf zu sehen, sei eine Chance. „Das kann positiv für unsere Identitätsentwicklung sein“, sagt Katzer.

Der Druck, selbst zu kommunizieren und immer Neues zu präsentieren, kann sich aus Sicht der Cyberpsychologin aber auch negativ auf die Psyche auswirken. „Es ist, als ob wir in einer Spirale stecken, die sich immer schneller dreht. Das macht atemlos, wir fühlen uns überrollt.“ Übertriebene Selbstobsession, Ich-Zentriertheit und eine regelrechte Sucht nach Reaktionen könnten Folgen sein.

Nutzer könnten auch in einer virtuellen Glücksfalle landen. Das meiste, was sich online findet, drehe sich anders als das normale Alltagsleben um „happiness“, so Katzer. „Schöne Bildchen aus dem Urlaub, glückliche Paare.“ Zwar sei ein „Chamäleoneffekt“ bekannt, demzufolge gezeigte Emotionen ansteckend auf den Betrachter wirken. Allerdings hänge die Wirkung auch von der Stimmung des Betrachters ab: Glücksbotschaften könnten bei guter Laune ansteckend sein. Fühle man sich jedoch gerade schlecht, könne sich das eigene Unglücklichsein verstärken und Neid hinzukommen.

Zudem gebe es neue digitale Gewaltphänomene wie Cybermobbing auch im Beruf. Kollegen werden über soziale Netzwerke schlechtgemacht. Die Folgen reichen bei Betroffenen von psychosomatischen Beschwerden bis zur Depression, so Katzer. Sie sieht eine stark zunehmende Tendenz. Das Schlimme: Mit dem Smartphone hat man die Täter immer dabei.

Verteufeln bringt nichts

Das Internet verteufeln bringt nichts, da sind sich die Experten einig. Vielmehr müssten die Nutzer sich selbst darüber klar werden, was ihnen guttut. Darüber nachzudenken, wie man sich durch das Netz verändert, sei der erste Schritt, rät Catarina Katzer. Ein Online-Logbuch zu führen, könne hilfreich sein. „Auch Resilienz ist wichtig: Wie viel Selbstkontrolle habe ich, wie stark prallt etwas an mir ab und gibt es Menschen, die mich auffangen?“

„Digital Detox – einfach mal abschalten!“

Der Expertentipp zum Welttag lautet: „Digital Detox – einfach mal abschalten!“ Der Seele zuliebe auch direkt mit anderen sprechen, von Angesicht zu Angesicht.

von Ulrike von Leszczynski und Gisela Gross

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