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Ein Patient wird durchleuchtet – welche Technik ist wann am besten?

Ultraschall, Röntgen, CT oder MRT?

Blick in den Körper: Welche Methode ist die beste?

München - Das herkömmliche Röntgenbild hat Konkurrenz bekommen. Strahlen, Magnetwellen oder Ultraschall – was ist am besten?

Vor knapp 120 Jahren entdeckte der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen die nach ihm benannten Röntgenstrahlen. Eine Sensation, für die er den Nobelpreis für Physik bekam. Zum ersten Mal war es möglich, in den Körper zu schauen, ohne ihn vorher aufzuschneiden. Für Ärzte ist dieser sanfte Blick ins Innere unverzichtbar geworden, doch mittlerweile haben sie die Qual der Wahl: Denn das herkömmliche Röntgenbild hat Konkurrenz bekommen. Strahlen, Magnetwellen oder Ultraschall – was ist am besten? Die Professorin Dr. Andrea Rieber-Brambs, Chefärztin am Klinikum Neuperlach erklärt, was die Methoden können und wann welche Untersuchung sinnvoll ist.

Ultraschall

Ultraschall ist oft noch Untersuchungsmethode der ersten Wahl. Rieber-Brambs: „Kommt zum Beispiel jemand mit unklaren Bauchschmerzen, würde man schauen, woher die kommen, also Gallensteine oder Blinddarmentzündung.“ Es ist eine kostengünstige und unkomplizierte Untersuchung. Auch Krebsnachsorge findet oft per Ultraschall statt, wenn ­ z. B. die Leber überprüft wird.

Grenzen des Verfahrens: Bei übergewichtigen Menschen sieht man oft wenig. Auch geblähte Patienten können schlecht untersucht werden. Beides stört im CT oder MRT nicht. Zudem ist laut Rieber-Brambs die Dokumentation der Untersuchung ein Problem: „Es werden nur einzelne Bilder festgehalten, und was genau dokumentiert wird, liegt im Ermessen des Untersuchers. Angenommen ein Untersucher übersieht etwas, dann ist dieser Befund natürlich nicht dokumentiert. Bei einer CT oder einer MRT gibt es eine standardisierte Dokumentation, die Bilder können auf CD-Rom gespeichert und von einem anderen Radiologen oder einem Kliniker begutachtet werden.“

Computertomografie

Auch in der Computertomografie wird mit Röntgenstrahlen gearbeitet, allerdings entsteht ein 3-D-Bild. Das CT ist im Prinzip eine Röntgenröhre samt einem gegenüberliegenden Detektor, die im Kreis um den Patienten rotieren, der auf einem Tisch liegt. Die Ärzte sprechen von einer Spiralaufnahme. Besonders praktisch: Da der Computer hauchdünne Schnittbilder (wie Wurstscheiben) vom Körper aufnimmt, kann der Rechner auf Knopfdruck Überlagerungen von Organen oder Knochen wegrechnen und dem Arzt die Strukturen zeigen, die er braucht.

Vorteile: Das CT hat eine besonders gute Auflösung und geht blitzschnell. Rieber-Brambs: „Daher werden z. B. Unfallpatienten automatisch im CT untersucht. Es wird eine Ganzkörperspirale gemacht, wie das bei uns heißt: Eine Aufnahme von Kopf bis Fuß. Man sieht, ob der Patient eine Verletzung im Hirn hat, also z.B. eine Hirnblutung vorliegt, ob Rippen gebrochen sind oder die Lunge kollabiert ist. Man erkennt Verletzungen an den inneren Organen, z.B. einen Milzriss, aber auch, ob Knochen gebrochen sind. Innerhalb weniger Minuten weiß man, was dem Patienten fehlt, und er kann in den OP.“

Grenzen der Methode: Röntgenstrahlen sind sehr energiereich, sie können die Erbsubstanz der Körperzellen schädigen und gelten als krebserregend, dieses Risiko muss gegen den Nutzen der Untersuchung abgewägt werden. Zudem werden die inneren Organe meist relativ einheitlich grau dargestellt. Zur besseren Unterscheidung können Kontrastmittel gegeben werden.

Röntgen

Röntgenstrahlen durchdringen das Gewebe, das je nach Beschaffenheit mal mehr, mal weniger Strahlung absorbiert: Knochen lassen wenig Strahlen durch, erscheinen also sehr hell, die luftgefüllte Lunge dagegen erscheint sehr dunkel, die inneren Organe werden in Graustufen dargestellt. Der herkömmliche Röntgenfilm hat ausgedient, meist wird ein elektronischer Detektor belichtet und am Computer ein digitales Bild dargestellt.

Vorteil der Methode: Röntgen ist schnell und einfach, Kosten und Strahlendosis sind überschaubar. Die Radiologin Rieber-Brambs sagt dazu: „Eine ganz normale Röntgenaufnahme ist immer noch in vielen Fällen sinnvoll, also wenn sich jemand einen Finger bricht oder über längere Zeit hustet und man sich fragt, ob die Lunge entzündet ist.“

Grenzen der Methode: Das Röntgenbild ist zweidimensional, Strukturen überlagern sich, räumliche Darstellungen sind nicht möglich. Rieber-Brambs: „Wenn ein Trümmerbruch vorliegt, ist auf einem normalen Röntgenbild nicht genau zu erkennen, wie viele Teile überhaupt vorliegen oder wie sie zueinander und zum Gelenk liegen. Damit der Chirurg das Gelenk wieder zusammensetzen kann, braucht er eine höhere Auflösung und eine räumliche Darstellung. Das wäre dann eine Indikation für die Computertomografie.“

Magnetresonanztomografie

Bei der Magnetresonanztomografie bzw. Kernspintomografie wird der Patient ebenfalls in eine Röhre geschoben, allerdings wird er nicht mit Röntgenstrahlen, sondern mit Magnetwellen durchleuchtet – auf die die Wassermoleküle in unseren Zellen reagieren. Je nach Wassergehalt des Gewebes werden die inneren Strukturen dargestellt. Auch dieses Verfahren liefert Schnittbilder, die per Computer zu räumlichen Ansichten zusammengesetzt werden können.

Vorteile des Verfahrens: Der Patient wird nicht mit schädlichen Strahlen belastet. Innere Organe können, da sie sich in ihrem Wassergehalt unterscheiden, besser dargestellt und voneinander abgegrenzt werden. Professor Andrea Rieber-Brambs: „Eine MRT-Aufnahme eignet sich zum Beispiel gut, um nach Knochenmetastasen zu suchen. Da schaut man ja nach Veränderungen innerhalb eines Gewebes. Die metastatischen Zellen würden sich bei der MRT sehr weiß vom Knochenmark abheben, das dunkler dargestellt wird.

Grenzen des Verfahrens: Der Patient muss längere Zeit (20 Minuten) still liegen können.

"Erfahrung des Arztes kann nciht ersetzt werden"

Wer entscheidet, welche die Methode der Wahl ist?

Dr. Andrea Rieber-Brambs: Das ist das Spezialgebiet des Radiologen, der ja alle Methoden und deren Möglichkeiten genau kennt. Er bekommt nicht nur eine Überweisung, sondern er wird auch mit dem Patienten sprechen, ihn nach seinen Beschwerden fragen. Er hat die gesetzliche Pflicht zu überprüfen, ob die Fragestellung eine gute Indikation z. B. für eine Computertomografie ist. Er überlegt, ob es ein Verfahren mit weniger Strahlungbelastung gibt, also könnte ein normales Röntgenbild ausreichen, oder ob man die Fragestellung besser zunächst im Ultraschall abklären sollte.

Was prägt die Qualität der Aufnahme?

Professorin Rieber-Brambs, Chefärztin am Klinikum Neuperlach.

Rieber-Brambs: Die deutsche Röntgenverordnung soll gewährleisten, dass egal wo und von wem der Patient untersucht wird, eine gleich gute Untersuchungsqualitätgewährleistet ist. Alle Röntgenabteilungen und -praxen werden regelmäßig von der Landesärztekammer überprüft, ob sie die Qualitätsstandards erfüllen. Das Ergebnis darf nicht davon abhängen, ob das Personal noch neu oder schon erfahren ist. Es gibt Standarduntersuchungsprotokolle, die der Radiologe auf den einzelnen Patienten anpassen kann. Eine Möglichkeit ist, mit weniger Strahlung bei der CT zu arbeiten, dann werden die Bilder zwar ein wenig unschärfer, aber bei manchen Fragestellungen reicht das aus. Und die Strahlenbelastung für den Patienten sinkt. Der Patient kann mithelfen, indem er wirklich ruhig liegt. Im CT muss er für ein paar Sekunden die Luft anhalten. Bei der MRT, die mindestens 20 Minuten dauert, soll der Patient flach atmen und sich entspannen. Der Patient sollte sich die Bilder erklären lassen, auch ein Laie kann mit Unterstützung verstehen, was auf den Bildern zu sehen ist.

Hilft der Computer bei der Diagnose?

Rieber-Brambs: Es gibt Suchprogramme – die computerassistierte Diagnose. Aber der Filter der Programme ist sehr grob und kringelt sehr viele vermeintliche Abweichungen ein, bei denen es sich jedoch um ganz normale Gewebestrukturen handelt. Das Auge und die Erfahrung des Arztes können vom Computer nicht ersetzt werden.

tz

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