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Die Experten raten zu regelmäßigen Blutdruckmessungen – am besten schon ab dem Kinderalter.

Unsere große Serie über die stillen Killer

Zeitbombe Bluthochdruck: So wappnen Sie sich

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Bluthochdruck, Diabetes und hoher Cholesterinspiegel gelten als stille Killer. Oft werden die Folgen dieser Volkskrankheiten unterschätzt. In unsere Serie zeigen wir, wie Sie vorbeugen können.

Kaum eine Volkskrankheit macht so vielen Menschen zu schaffen: Allein in Deutschland leiden etwa 20 Millionen Menschen an Bluthochdruck – vielleicht der meistunterschätzte sogenannte stille Killer. Denn Bluthochdruck greift in einem schleichenden Prozess die Gefäße an. „Diese Schädigung wirkt sich besonders am Herzen, an den Nieren, am Gehirn und am Auge aus“, warnt Prof. Dr. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Prof. Dr. Thomas Meinertz

Die renommierte Patientenorganisation warnt derzeit im Rahmen ihrer bundesweiten Herzwochen vor den stillen Killern, zu denen neben Bluthochdruck auch Diabetes, ein hoher LDL-Cholesterinspiegel sowie chronischer Stress gehören. Wie man die stillen Killer enttarnt und bekämpft, erklären Experten der Herzstiftung in unserer großen Serie.

Prof. Dr. Heribert Schunkert

Gerade Bluthochdruck kann wie eine Art Zeitbombe wirken, circa 20 Prozent der Betroffenen wissen überhaupt nichts von ihrer Erkrankung. Deshalb rät die Herzstiftung zu frühzeitigen, regelmäßigen Blutdruckmessungen – am besten schon ab dem Kinderalter. Mit 40 Jahren sollte jeder jährlich neben seinem Blutdruck auch seine Werte für Blutzucker und Cholesterin bestimmen lassen, ab 50 sogar halbjährlich. „Nur durch regelmäßige Überprüfung dieser Werte lässt sich bei vielen Millionen Menschen verhindern, dass sie unbemerkt in die Gefahrenzone für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere schwere Komplikationen gelangen“, betont Prof. Dr. Heribert Schunkert, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Herzstiftung und Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums in München.

Die Checkliste für Patienten:

  • Wichtig ist ein gesunder Lebensstil: regelmäßige Ausdauerbelastung (flottes Gehen, Radfahren, Joggen, Schwimmen), möglichst fünfmal pro Woche je 30 Minuten und die Normalisierung des Körpergewichts, gesunde Ernährung, wenig Salz (siehe Artikel unten), wenig Alkohol, Verzicht aufs Rauchen. Ein gesunder Lebensstil trägt sehr dazu bei, Ihren Blutdruck zu normalisieren.
  • Wenn Sie Medikamente einnehmen müssen, dann ermöglicht der gesunde Lebensstil, dass Sie mit einer geringeren Dosis Ihrer blutdrucksenkenden Medikamente auskommen. Automatisch verringern sich dadurch die Nebenwirkungen.
  • Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck nach Möglichkeit in regelmäßigen Abständen selbst und halten Sie die gemessenen Werte schriftlich fest (z. B. im Blutdruck-Pass, den man bei der Herzstiftung kostenlos bestellen kann; Telefon 069/ 955128-400, bestellung@herzstiftung.de).
  • Auch wenn der Blutdruck gut eingestellt ist und Sie sich wohlfühlen, sind regelmäßige Kontrollen beim Arzt, z. B. in sechsmonatigen Abständen, nötig.
  • Wenn Sie ACE-Hemmer, Sartane oder Diuretika nehmen, müssen die Nierenfunktion und der Kaliumspiegel regelmäßig überprüft werden: vor Beginn der Therapie, 4 Wochen danach, nach 3 Monaten und dann in halbjährlichen Abständen.
  • Nehmen Sie die Medikamente genau so ein, wie sie der Arzt verordnet. Ändern Sie die Dosierung und die Einnahmehäufigkeit der verordneten Medikamente nie auf eigene Faust. Wenn Sie zum Beispiel meinen, dass bei Ihnen weniger Medikamente oder eine niedrigere Dosierung ausreichen, verringern Sie Ihre Medikation nie selbst, sondern sprechen mit Ihrem Arzt.
  • Günstig ist eine Medikamentenbox, die Sie stets sichtbar vor Augen haben, damit Sie die Einnahme nicht vergessen.
  • Falls Sie das Gefühl haben, dass die Medikamente unangenehme Nebenwirkungen auslösen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
  • Wenn Ihr Blutdruck durch die Therapie nicht ausreichend gesenkt wird, sprechen Sie mit Ihrem Arzt und gehen Sie den folgenden Fragen nach: Haben Sie die Medikamente häufig vergessen? Lebensstilfaktoren? Zu viel Salz, zu viel Alkohol? Zu wenig Bewegung, Gewichtszunahme? Haben Sie Medikamente eingenommen, die den Blutdruck erhöhen? Schmerz-/Rheumamittel wie Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Verhütungsmittel (Pille), Cortison?

Sind andere Erkrankungen die Ursache für den Bluthochdruck (sekundäre Hypertonie)? Zum Beispiel: Schlafapnoe (Schnarchen mit längeren ­Atempausen und Tagesmüdigkeit), Nierenerkrankungen, Aortenisthmusstenose (Verengung der Aorta), erhöhte Hormonproduktion (Aldosteron, Adrenalin, Noradrenalin, Schilddrüsenhormone, Cortison)?

So messen Sie richtig

Experten der Deutschen Herzstiftung haben goldene Regeln für die Blutdruckmessung zusammengestellt:

  • Die Messung frühestens nach 5 Minuten im entspannten Sitzen (ohne körperliche und seelische Belastungen) vornehmen, dabei den Unterarm auf einer Unterlage lagern, sodass die Blutdruckmanschette am Oberarm auf Herzhöhe liegt.
  • Bei der ersten Messung an beiden Armen messen; maßgeblich für die ­Diagnose ist der Arm mit den höheren Messwerten. Im Folgenden sollte ­immer an diesem Arm gemessen ­werden.
  • Der Blutdruck sollte zwei- oder dreimal hintereinander, jeweils mit einer halben Minute Pause, gemessen werden. Erfahrungsgemäß kommt es mit der Zeit zu einem gewissen Blutdruckabfall. Maßgeblich für die Diagnose ist der Durchschnittswert der letzten beiden Messungen.
  • Bei erhöhten Blutdruckwerten ist es ratsam, den Blutdruck mehrmals am Tag und an mehreren Tagen in der Woche zu messen und die Werte zu protokollieren. Dieses Blutdruck-Protokoll (Blutdruck-Pass) sollte mit zum Arzt genommen werden, um die Problematik zu besprechen.
  • Grundsätzlich kann der Blutdruck auch am Handgelenk gemessen werden. Hierzu sollten Geräte verwendet werden, deren Messgenauigkeit durch ein Siegel (zum Beispiel der Deutschen Hochdruckliga) dokumentiert ist.

So gefährlich ist Salz

Was hat eigentlich die Niere mit unserem Blutdruck zu tun, und wieso ist gerade zu viel Salz im Essen so gefährlich? Im großen Herzstiftungs-Ratgeber Bluthochdruck: Was tun? (s. rechts) erklärt Prof. Dr. Thomas Eschenhagen die Zusammenhänge.

Die Niere spielt eine zentrale Rolle in der Blutdruckregulation, weil sie für die Balance der Blutsalze entscheidend verantwortlich ist. Im Prinzip muss die Niere exakt die Menge Salz, die man mit der Nahrung aufnimmt, auch wieder ausscheiden (bis auf geringe Mengen, die man im Schweiß und im Stuhl verliert). Schon bei kleinsten Abweichungen hat man zu viel oder zu wenig Salz im Körper.

Die Gesamtmenge an Salz im Blut und im ganzen Körper entscheidet über die Blutmenge und die Empfindlichkeit der Blutgefäße gegenüber Blutdruckerhöhern wie Adrenalin und Angiotensin. Wenn man zu wenig hat, ist der Blutdruck zu niedrig (z. B. nach einem Marathonlauf ohne ausreichende Zufuhr von Wasser und Salzen). Hat man zu viel, ist der Blutdruck rasch erhöht. Alle Medikamente, die die Salzausscheidung über die Niere hemmen (z. B. Diclofenac, Ibuprofen und alle anderen Schmerzmittel vom Typ der sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika), dagegen nicht Paracetamol, Metamizol, Opiate, aber auch das im Lakritz enthaltene Carbenoxolon, erhöhen den Blutdruck.

Diuretika (Entwässerungsmittel) dagegen erhöhen die Salzausscheidung über die Niere und senken daher den Blutdruck. Vereinfacht ausgedrückt gleichen Diuretika unseren übermäßigen Salzkonsum aus. Während die Nierenwirkung der einzige bedeutsame Effekt der Diuretika ist, haben andere Medikamente gegen den Bluthochdruck „erwünschte Nebenwirkungen“ an der Niere. So erhöhen ACE-Hemmer und Sartane (Angiotensin-Rezeptorblocker) die Salzausscheidung über die Nieren indirekt durch verringerte Bildung bzw. Wirkung der Hormone Angiotensin II und Aldosteron. Betablocker verringern die Bildung des Enzyms Renin und haben damit letztlich eine ähnliche, allerdings deutlich geringere Wirkung auf die Niere als ACE-Hemmer.

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