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Der stille Killer: Woran Sie Hypertonie erkennen können!

Volkskrankheit Bluthochdruck

Verschiedenen Statistiken und Schätzungen zufolge leiden bis zu 40 Millionen Deutsche unter Hypertonie (Bluthochdruck). Und erschreckend viele Patienten bezahlen die dramatischen Folgen sogar mit dem Leben:

Jedes Jahr gehen rund 300.000 Todesfälle aufgrund von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Nierenversagen in die Sterbestatistik ein, die auf die Ursache Bluthochdruck zurückzuführen sind.

Professor Karl- Ludwig Laugwitz

In der tz erklären renommierte Experten, welche Schäden Hypertonie in den Blutgefäßen anrichtet, und wie man sich dagegen wappnen kann. Der wichtigste Grundsatz: Nehmen Sie die Alarmsignale ernst, die Ihr Körper aussendet! Dabei gibt eine große Checkliste Hilfestellung: tz-Leser können damit überprüfen, ob sie Anzeichen für eine mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankung bei sich selbst festgestellt haben.

Die große Gefahr für Herz & Gefäße

  • Warum ist Hypertonie so gefährlich? Bei zu hohem Blutdruck werden die Blutgefäße stark belastet – und dieser Belastung können sie auf Dauer nicht standhalten. In den Innenhäuten der Gefäße bilden sich kleine Risse. An diesen beschädigten Stellen kommt es durch eine Reihe von Stoffwechselprozessen zur Verdickung und Verhärtung der Gefäßwände mit Fett- und Kalkeinlagerungen: eine sogenannte Arterienverkalkung – auf Medizinerdeutsch: Artheriosklerose. Im schlimmsten Fall machen die Arterien irgendwann komplett dicht – das bedeutet: Das Blut gelangt nicht mehr zu den Organen. Die Folgen können durch vielfältige„ Endorgankomplikationen“dramatisch sein: vom Herzinfarkt, Nierenversagen bis zum Schlaganfall. „Außerdem führt dauerhafter Bluthochdruck zu einer Ausweitung der Herzhöhlen“, erklärt der Hypertensiologe Chefarzt Professor Jürgen Scherberich vom städtischen Klinikum in Harlaching. „Die Patienten bekommen dann eine chronische Herzinsuffizienz.“ Darunter versteht man eine dauerhaft eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Herzens mit körperlicher Leistungsschwäche, Atemnot und Beinödemen.
  • Wie kann ein Patient feststellen, ob er an zu hohem Blutdruck leidet?
  • Generell tut sich ein Laie beim Erkennen von hohem Blutdruck oft schwer“, so der Kardiologe Professor Karl- Ludwig Laugwitz vom Klinikum rechts der Isar in einem tz-Interview. „Wenn ein Patient häufig  Augenflimmern hat oder an Schlafstörungen und körperlicher Erschöpfung leidet, dann kann das ein Hinweis auf Hypertonie sein.“ Und Professor Scherberich betont: „Es ist wichtig, den Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren. Das sollte man nicht auf die leichte Schulternehmen!“Medizinisch gibt es noch weitere Verfahren und Labordaten, um einen Bluthochdruck genau zu beurteilen und einzuordnen.
  • Wie misst man den Blutdruck richtig? „Man sollte anfangs im Verdachtsfall nicht nur an einem Arm, sondern an beiden Armen, im Liegen, Sitzen und Stehen, morgens und abends messen“, rät der Hypertensiologe Scherberich. „Wenn die Werte zudem beidseits stark abweichen, ist das Risiko einer einseitigen Verengung einer größeren Arterie wie auch das allgemeine Herzkreislaufrisiko relativ hoch.“
  • Was kostet ein Blutdruckmessgerät? Zuverlässige Geräte gibt es ab 25 Euro, komfortable Modelle, die am Handgelenk messen, sind in der Regel etwas teurer.
  • Wie sind die Zahlen bei der Blutdruckangabe zu verstehen? Der Blutdruck wird in mm Hg (= altes Mass einer Quecksilbersäule) bestimmt. BeiderMessungwerden zwei Zahlen ermittelt – bei der ersten (höheren) Zahl handelt es sich um den sogenannten systolischen Wert, bei der zweiten (niedrigeren) um den sogenannten diastolischen Wert.
  • Wo fängt Bluthochdruck an? „Der obere noch normale Grenzbereich liegt bei maximal 140/90 mm Hg“, sagt Professor Scherberich.
  • Was kann man gegen Bluthochdruck tun? Übergewicht vermeiden, Salzzufuhr reduzieren, laktovegetable Kost sowie regelmäßig bewegen. Dazu gibt es viele Medikamente, die oft in Kombinationen verordnet werden. Die wichtigsten Substanzgruppen sind: ACEHemmer, Angiotensin-Rezeptor- Antagonisten, Betablocker, Kalzium- Antagonisten und Diuretika.
  • Kann man hohen Blutdruck operieren? Amerikanische und australische Wissenschaftler haben eine Mini-OP-Methode entwickelt, die auch in München immer mehr eingesetzt wird: die renale Sympathikus- Denervation (RSD). Dabei werden bei behandlungsresistenten Fällen Nervenzellen entlang der beiden Nierena rterien verödet – und damit körpereigene Reaktionen unterbrochen, die zu einer Verengung der Blutgefäße führen. Der Eingriff, bei dem Radiofrequenzstrom als Energiequelle genutzt wird, dauert etwa 45 bis 60 Minuten. Er wird unter lokaler Betäubung und bei einer leichten Sedierung durchgeführt. Anschließend muss der Patient in der Regel noch ein bis zwei Tage zur Beobachtung in der Klinik bleiben. Große Erfahrung mit dieser Methode hat Professor Ellen Hoffmann, Chefärztin am städtischen Klinikum in Bogenhausen. Der tz sagte die weltweit anerkannte Elektrophysiologin und Kardiologin: „Die meisten Patienten fühlen sich nach dem Eingriff besser. Bei 80 bis 85 Prozent sank der systolische Blutdruckwert um 10 bis 30 mm Hg. Unser statistischer Mittelwert liegt bei 17 mm Hg.“

ANDREAS BEEZ

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