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Offensive gegen Bluthochdruck: Worauf Sie beim Einkaufen und Essen achten sollten.

Gefahr für den Bluthochdruck

Versteckte Salzfallen

Immer mehr Verbraucher kaufen gesundheitsbewusst ein. In der Praxis heißt das: Sie schauen sich erst einmal die Nährwert-angaben auf der Verpackung an, bevor das Produkt in ihrem Wagerl oder Korb landet.

Warnt vor zu viel Salz: Herz-Professor Heribert Schunkert

Wie viele Kalorien stecken drin, wie hoch sind der Fett- und Zuckeranteil? Aber mal Hand aufs Herz: Haben Sie sich im Supermarkt schon mal Gedanken über den Salzgehalt eines bestimmten Lebensmittels gemacht? Oder beim Bäcker? In der Metzgerei? Nein? Besser wär’s aber! Denn zu viel Salz kann krank machen – und im schlimmsten Fall sogar das Leben kosten. Davor haben jetzt Mediziner der Fachvereinigung Deutsche Hochdruckliga (DHL) eindringlich gewarnt.
„Wir Deutschen ernähren uns viel zu salzhaltig“, weiß Professor Heribert Schunkert, Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München. „Es drohen Bluthochdruck und schwere Gefäßschäden bis hin zu Herzinfarkten und Schlaganfällen.“

Warum ist zu viel Salz eigentlich so gefährlich?

Es lässt häufig den Blutdruck ansteigen – ein Problem, das vor allem Menschen mit ohnehin schon hohen Werten zu schaffen macht. „Eine verminderte Salzzufuhr kann den Blutdruck um durchschnittlich vier zu zwei mmHG senken“, erläutert Professorin Eva Brand vom Uniklinikum Münster. Ein Beispiel: Wer früher einen Blutdruck von 140/90 hatte, der kann seinen Wert durch eine Salzreduzierung runter auf 136/88 drücken. Klingt nach einer kleinen Veränderung, kann aber einen großen Effekt haben: Groß angelegte Studien zeigen nämlich, dass selbst bei einer geringen Blutdrucksenkung um zwei mmHg (so nennt man die medizinische Messeinheit) das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um sieben bis zehn Prozent reduziert wird.

Das große Problem:

Viele Verbraucher schlucken unbewusst zu viel Salz! Vergleichsweise große Mengen stecken in Fertiggerichten, Fast Food, aber auch in Wurst, Käse und vor allem in Backwaren (siehe unten). Nach neuen europäischen Herz-Leitlinien sollte man höchstens fünf bis sechs Gramm Salz pro Tag verzehren. Oft übersteigt aber bereits ein Fertiggericht, ein Burger-Menü oder eine Mahlzeit in der Kantine die empfohlene Tagesdosis. Auch zwei Schinkensemmeln können ausreichen, um das Salzlimit zu pulverisieren.

Statistiker haben errechnet, dass wir 27 bis 28 Prozent unserer Salzzufuhr über Brot und Semmeln decken. Fleisch und Wurst steuern weitere 15 bis 21 Prozent bei, Käse elf Prozent.

Noch eine gute Nachricht zum Schluss: Man kann seinen Salzkonsum auch einschränken, ohne künftig nur noch von Luft und Liebe leben zu müssen. Nämlich, indem man ein paar einfache Faustregeln beachtet (siehe Tabelle), weiß die Verbraucherzentrale NRW: Lieber ungepökelte Wurstwaren als gepökelte, lieber Frischkäse als Hartkäse. Guten Appetit!

Andreas Beez

So berechnen Sie den Salzgehalt

Beim Einkaufen im Supermarkt tun sich Verbraucher oft schwer, den Salzgehalt eines Lebensmittels zu erkennen. Der Grund: Während auf den meisten Verpackungen beispielsweise Angaben über Kalorien, Fett und Kohlenhydrate leicht zu finden sind, sucht man den Begriff Salz in der aufgedruckten Tabelle mit den Nährwertinformationen häufig vergeblich. Stattdessen ist ein Natriumwert verzeichnet. „Natrium ist ein Bestandteil von Kochsalz“, erklärt Ernährungsexpertin Margarete Besemann von der Verbraucherzentrale NRW. „Um den Salzgehalt zu berechnen, müssen Sie den angegebenen Natriumwert in Gramm mit dem Faktor 2,54 multiplizieren.“ Beinhaltet ein Lebensmittel also beispielsweise 2 Gramm Natrium, stecken darin 5,08 Gramm Kochsalz. Als Faustregel gilt: Bereits ab 0,59 Gramm Natrium bzw. 1,5 Gramm Kochsalz pro 100 Gramm liegt die Salzmenge eines Lebensmittels im roten Bereich.

So messen Sie den Blutdruck sinnvoll

Weniger Salz im Essen reduziert den Blutdruck.

Mit dem Blutdruck ist das so eine Sache: Wenn er zu hoch ist, hat man zwar ein gesundheitliches Pro-blem, aber zunächst keinerlei Schmerzen. Um Hypertonie – so der Fachausdruck für Bluthochdruck – festzustellen, muss man regelmäßig messen. Die Geräte gibt’s in fast jedem Elektrogeschäft ab circa 25 bis 50 Euro. Wichtig dabei: „Messen Sie Ihren Blutdruck in Ruhe und nicht kurz nach einer stressigen oder aufgeregten Situation“, rät Herz-Professor Heribert Schunkert. Er empfiehlt Menschen mit einem relativ stabilen Blutdruck, den Wert einmal im Monat zu überprüfen. Wenn starke Schwankungen auftreten, sollte man mehrmals wöchentlich messen und frühzeitig zum Arzt gehen. „Er kann mit einem speziellen Gerät eine 24-Stunden-Messung machen“, erläutert Schunkert. „So wird ein Tagesdurchschnitt ermittelt – und dieser Wert ist entscheidend, um die Belastung der Gefäße beurteilen zu können.“

Der Richtwert für einen normalen Blutdruck ist 120/80. Wenn der obere Wert höher als 140 ist, dann leidet man unter Bluthochdruck und sollte etwas dagegen unternehmen.

Salzige Lebensmittel und salzärmere Alternativen

Lebensmittel/Produkt

Salzanteil pro

100 Gramm

Salzärmere Alternative

Salzanteil pro

100 Gramm

Geräucherter Schinken 5,3 g Gekochter Schinken 2,5 g
Deutsche Salami 5,4 g Putensalami 3,2 g
Fleischwurst 2,5 g Mortadella 1,7 g
Bierschinken 2,8 g Leberwurst, fein 1,7 g
Lachsschinken 6,1 g Putenbrust 3,1 g
Gouda, 40 % Fett in der Trockenmasse  2,8 g Frischkäse, Doppelrahmstufe 1,0 g
Greyerzer, 45 % Fett in der Trockenmasse 1,5 g Emmentaler, 45 % Fett in der Trockenmasse 0,9 g
Gorgonzola, 55 % Fett in der Trockenmasse 3,6 g Camembert, 45 % Fett in der Trockenmasse 1,7 g
Feta 2,4 g Mozzarella 0,5 g
Cracker 2,4 g Käsegebäck, Blätterteig 0,5 g
Erdnussflips 1,9 g Kartoffelchips 1,1g
Salzstangen 4,5 g Sesamstangen 0,8 g
Maultaschen, gebraten 1,4 g Tortellini, italienisch 0,6 g
Pizza Salami 1,4 g Flammkuchen 0,5 g
Käsespätzle 1,4 g Spaghetti mit Tomatensoße 0,3 g

Quelle: DGE (Hrsg.; 2012): Die Nährwerttabelle. 2. Auflage, Neustadt 2012. Zusammengestellt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V.

Mediziner fordern Brot-Reform

Professor Martin Halle wünscht sich von den Bäckern salzärmere Brote.

Es gehört zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln – und die Sortenvielfalt kennt keine Grenzen: unser tägliches Brot. Längst legen sich die Bäcker mächtig ins Zeug, um die Vebraucher nicht nur mit kreativen Namen, sondern auch mit gesunden Zutaten als Kunden für ihre Produkte zu gewinnen. Aber was den Salzgehalt angeht, da stoßen die Mediziner immer wieder auf taube Ohren: „Wir Deutschen haben in der Regel keine Möglichkeit, beim Bäcker deutlich salzärmere Brote zu kaufen“, kritisiert Professor Martin Halle, der Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der Technischen Universität München. „In Sauerteig und auch in Vollkornbrot steckt wahnsinnig viel Salz. Das muss sich unbedingt ändern. Wir brauchen eine Art Brot-Reform!“

So sieht’s auch Halles Kollege Professor Heribert Schunkert: „Ich bin traurig darüber, dass nicht mehr salzärmeres Brot angeboten wird und würde mir wünschen, dass die Bäcker Rezepturen für salzärmere Brote entwickeln – gerne auch in Zusammenarbeit mit uns Ärzten. Solche Brote wären sicher ein Renner!“

bez

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