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Heute kann der frühere Polizist mit seinen neuen Händen „wieder alles machen, was mir wichtig ist“

Münchner Professor im Team

Bombe zerfetzte Hände: Ärzte transplantierten ihm neue

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München - Theo Kelz (63) verlor bei einer Explosion beide Hände. Mittlerweile kann er wieder mit anpacken. Das hat er einem Ärzteteam zu verdanken - darunter auch der Münchner Professor Milomir Ninkovic.

Als Theo Kelz (63) seiner mittlerweile verstorbenen Frau Roswitha zum ersten Mal über die Haare streichelte, liefen beiden die Tränen über die Wangen. Sechs Jahre hatte Kelz auf diesen einen Moment gewartet. Sechs Jahre hatte er keine Hände gehabt.

Der Österreicher ist ein kleines medizinisches Wunder: Er lebt mit den Gliedmaßen eines Toten. Er war im Jahr 2000 weltweit der zweite Mensch, dem fremde Hände transplantiert wurden. Bis heute wurden 72 solcher Operationen durchgeführt. Der Münchner Mediziner Professor Milomir Ninkovic, Chefarzt der Plastischen Chirurgie im Klinikum Bogenhausen, stellt diesen Fall gerade beim weltweit wichtigsten Kongress der plastischen Chirurgie vor, der in der Landeshauptstadt stattfindet.

Bombe detoniert in Kelz‘ Händen

Es war der 24. August 1994, der alles im Leben von Theo Kelz veränderte. Der Polizist und erfahrene Sprengstoffexperte aus Innsbruck wird zu einem Einsatz nach Klagenfurt gerufen. Ein verdächtiger Gegenstand in einer Schule. Kelz bringt die mutmaßliche Rohrbombe zum Flughafen, um sie röntgen zu lassen. Doch dann geht die Bombe hoch – in Kelz’ Händen! „Ich habe eine Flamme gespürt und einen Knall gehört“, erinnert sich der Pensionär an den Unfall. „Die Wucht der Explosion hat mich an die Wand geschleudert. Ich habe nur ein Brennen gespürt – aber sofort gewusst: Die Hände sind weg.“

Theo Kelz verzweifelt nicht. Er kann nicht mehr schwimmen, seine geliebten Motorräder müssen in der Garage bleiben. Er kann sich nicht mal mehr selbst einen Kaffee einschenken. Alles was früher alltäglich war, fällt ohne Hände schwer – oder ist schlicht unmöglich. Aber der Kärntner gibt nicht auf. „Ich vertraue auf Gott, das habe ich von meiner Mutter.“ Neun Monate nach dem Unfall kehrt er wieder in den Dienst zurück, arbeitet mit Prothesen. Sein größter Wunsch aber ist es, wieder eigene Hände zu haben. Hände aus Fleisch und Blut. Kelz richtet seine Anfrage an über 50 Kliniken. Nach 15 Monaten bangen Wartens die Zusage: Die Innsbrucker Uniklinik traut sich an den riskanten Eingriff heran.

19 Stunden arbeiten 20 Ärzte – unter ihnen Professor Ninkovic – daran, jeden Knochen, jede einzelne Sehne, jeden Nerv der Hände mit den Unterarmen von Theo Kelz zu verbinden (siehe unten). Mit Erfolg! Theo Kelz’ Körper stößt die Hände danach auch nicht ab. „Wir machen solche Eingriffe nur bei positiv denkenden Menschen. Die Psychologie spielt bei der Heilung eine wichtige Rolle“, sagt Professor Ninkovic.

Schon nach ein paar Tagen kann Kelz seiner Frau über den Kopf streicheln. Bis heute hat er 5000 Therapiestunden absolviert. Bis heute lernt der ehemalige Polizist jeden Tag etwas dazu. Im Jahr 2002 der Höhepunkt: Der Weltenbummler kann wieder eine Motorradreise machen – von Österreich ans Nordkap. „Alles, was mir wichtig ist, kann ich wieder machen“, sagt Kelz. „Ich war immer voller Hoffnung. Sonst würde ich heute auch nicht hier sitzen, mit meinen neuen Händen.“

So lief die Operation

19 Stunden, 20 Ärzte: Diese OP war ein Meisterstück! Zuerst wurden die Knochen mit Platten zusammengefügt – wie nach einem Bruch. Dann musste es schnell gehen: „Die Gefäße der Hand dürfen nicht länger als drei Stunden ohne Durchblutung sein, sonst könnte die Funktionsfähigkeit leiden“, sagt Hauptoperateur Prof. Milomir Ninkovic (Foto: Sigi Jantz) vom Klinikum Bogenhausen. Also näht Ninkovic die Gefäße des Arms und der Hand einzeln zusammen. Dann kommen die Sehnen dran. Aber damit ist die Arbeit der Ärzte und Physiotherapeuten nicht getan: „Die Nerven des Arms wachsen jeden Tag nur ein bis zwei Millimeter in die Hände. Bis der Mittelfinger richtiges Gefühl hat, kann es 300 Tage dauern.“

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