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Kann wieder lachen: Sonja Wagner erhielt vor vier Jahren die Diagnose Brustkrebs. Dank einer innovativen Therapie ist sie heute stabil.

Brustkrebs-Drama

Münchner Ärzte stoppten ihren Riesentumor

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Vor vier Jahren entdeckten Ärzte bei der jungen Mutter Sonja einen aggressiven Tumor in der Brust. Mittlerweile hat die 40-Jährige die Erkrankung im Griff. Eine Geschichte aus dem Klinikum Großhadern, die anderen Patientinnen Mut machen soll.

Irgendetwas fühlte sich seltsam an in ihrer Brust. „Verhärtet, aber nicht wie ein Knoten, sondern eher flächig“, erinnert sich Sonja Wagner. Nach dieser beunruhigenden Entdeckung im Jahr 2012 ging die damals 36-Jährige sofort zu ihrer Frauenärztin. 

Bei mehreren Ultraschall-Tests und einer Mammografie – einer speziellen Röntgenuntersuchung der Brust – fiel der Verdacht zunächst auf vergleichsweise harmlose Kalkablagerungen in der Brust. Doch eine sogenannte Stanzbiopsie – dabei werden mit feinen Nadeln kleine Gewebeproben entnommen und im Labor untersucht – brachte alarmierende Ergebnisse: Alle fünf Proben waren mit Tumorzellen befallen.

Großer Tumor und Lebermetastasen

Das ganze Ausmaß der Krebserkrankung kristallisierte sich dann bei einer Computertomografie (CT) und einem Knochenszintigramm heraus: Der Krebs hatte bereits gestreut, Tochtergeschwulste, sogenannte Metastasen, in der Leber gebildet. „Für mich ist eine Welt zusammengebrochen“, erzählt Sonja Wagner. „Mein kleiner Sohn war damals zwei Jahre alt.“

Um den hochaggressiven Tumor in Schach zu halten, entschied sich das Spezialistenteam um Prof. Harbeck für eine Chemotherapie vor der Operation. „Es wäre auch in diesem Fall falsch gewesen, dem Instinkt zu folgen, jeden Knoten auf Teufel komm’ raus sofort rauszuschneiden“, erläutert die Spezialistin. „Man braucht ein komplettes Bild vom Ausmaß der Erkrankung, um eine zielgerichtete Gesamtstrategie entwickeln zu können. Angesichts der Metastasen in Frau Wagners Leber durften wir keine wertvolle Zeit verstreichen lassen und mussten sofort mit der Chemotherapie beginnen.“

Die Patientin bekam im Wochenrhythmus 18 Mal hintereinander Infusionen mit einem Medikamentencocktail. Bereits nach der zwölften Behandlung war der Tumor in der Brust nicht mehr zu erkennen. Und auch die Metastasen wuchsen nicht weiter, sie waren inaktiv geworden, wie Mediziner sagen.

Ärzte gaben die junge Frau nicht auf

„Diese Erfolgsgeschichte ist kein Einzelfall“, berichtet Prof. Nadia Harbeck. „Wir können mittlerweile 70 bis 80 Prozent unserer Patientinnen heilen beziehungsweise zu sogenannten Langzeitüberlebenden machen. Auch im weit fortgeschrittenen Stadium lässt sich die Erkrankung oft noch gut behandeln.“ Wichtig sei dabei, dass die Patientinnen in einem zertifizierten Brustzentrum behandelt würden. Dort beraten verschiedene Experten in Behandlungsteams, sogenannten Tumorkonferenzen, gemeinsam über die beste Therapie. Zudem werden im Rahmen von wissenschaftlichen Studien immer wieder neue Medikamente erprobt.

Eine solche Studie erwies sich auch für Sonja Wagner als Glücksfall. Zwar hatte sich die junge Mutter nach ihrer erfolgreichen Chemotherapie einer Operation unterzogen, um das Risiko eines Rückfalls – in der Fachsprache Rezidiv genannt – zu verringern. Ihre Brust musste vollständig entfernt werden. „Anschließend erhielt sie im Rahmen des Brustaufbaus ein Implantat, das lebenslang im Körper verbleiben kann“, berichtet Prof. Harbeck.

Krebs droht zurückzukommen

Trotz der OP drohte der Krebs zurückzukommen. So stellten die Großhaderner Spezialisten bei einer Kontroll-Computertomografie nach einem knappen Jahr fest, dass einer der Lymphknoten in Sonja Wagners rechter Achsel vergrößert war – im Kampf gegen ein Krebsrezidiv eine Art Frühwarnzeichen.

Seitdem wird die Patientin mit einem weiteren innovativen Medikament behandelt. „Es besteht aus einem speziellen Antikörper und einer angelagerten Chemotherapie“, erklärt Prof. Harbeck. Antikörper sind Eiweißverbindungen, die das menschliche Immunsystem zur Bekämpfung von Krankheitserregern bildet. In Hightech-Laboren werden sie künstlich hergestellt – unter anderem im Kampf gegen Krebs.

Patientin Sonja Wagner (40), bei der vor vier Jahren Brustkrebs diagnostiziert wurde und die dank innovativer Therapie stabil ist steht neben ihrem Pappaufsteller. Daneben Frau Prof. Nadia Harbeck.

Die für Sonja Wagner ausgewählte Antikörper-Kombi erkennt die Krebszellen und funktioniert – vereinfacht erklärt – wie ein Rucksack. Darin befindet sich sozusagen die Chemotherapie. Sie wird erst direkt an den Krebszellen ausgeleert beziehungsweise freigesetzt. Dadurch werden die Behandlungseffekte größer und die Nebenwirkungen geringer.

Sonja Wagner verträgt die Antikörper-Chemo-Kombi sehr gut. Sie bekommt das Medikament alle drei Wochen als Infusion. „Es ist ihre Lebensversicherung“, erläutert Prof. Harbeck. „Hätten wir Frau Wagner im Rahmen der Studie nicht so frühzeitig mit der neuen, damals noch nicht offiziell zugelassenen Therapie behandeln können, wäre sie heute höchstwahrscheinlich nicht mehr am Leben.“

„Aber ich war doch noch da, ich wollte weiterleben!“

Andere hatten die junge Frau längst aufgeben, wie sie erzählt: „Nach der verheerenden Brustkrebs-Diagnose sagte mein damaliger Arzt, ich solle nach Hause gehen und die Zeit genießen, die mir noch bleibt.“ Viele vermeintliche Freunde haben sich zurückgezogen. „Sie sagten, sie könnten mit meiner Erkrankung nicht umgehen und es nicht ertragen, mich leiden zu sehen“, erinnert sich Sonja Wagner. „Aber ich war doch noch da, ich wollte weiterleben!“

Mit der Teilnahme an der Medikamenten-Studie in Großhadern bekam die junge Mama eine neue Chance. Sie setzte sich wieder Ziele – und ihr wichtigstes war: „Ich wollte unbedingt erleben, wie mein Sohn Maximilian in die Schule kommt.“ Vergangenen Herbst konnten die Mutter und ihr inzwischen sechsjähriger Sonnenschein tatsächlich erstmals gemeinsam den Schulranzen packen. „Das war und ist für mich ein Geschenk“, sagt Wagner. Und der schönste Beweis, dass es sich auch in scheinbar ausweglosen Situationen zu kämpfen lohnt.

Professor Karl-Walter Jauch (re.) und Dr. Sven Mahner neben dem Pappaufsteller von Sonja Wagner bei der Eröffnung der Patientenausstellung.

Gesichter der Hoffnung - Patienten-Ausstellung

Gesichter der Hoffnung Auf 33 Fotowänden erzählen Patienten ihre ganz persönlichen Geschichten. Am Klinikum Großhadern ist die Patienten-Ausstellung vom 27.03. bis 04.04.2017 im ersten Stock des Eingangsbereichs zu sehen.

Es sind Gesichter der Hoffnung – stellvertretend „für rund 1,8 Millionen stationäre und sechs Millionen ambulante Patienten, die in den 33 deutschen Universitätskliniken behandelt werden“, wie Prof. Dr. Karl-Walter Jauch gestern betonte. Der Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Direktor des Uniklinikums Großhadern eröffnete gestern die Wanderausstellung mit dem Titel „Aus dem Leben über das Leben“, die der Verband der Universitätsklinika Deutschland quer durch die Republik schickt. Sie ist bis zum 5. April im oberen Eingangsbereich vom Klinikum Großhadern zu sehen. „Die einzelnen Geschichten zeigen eindrucksvoll, wie unsere Patienten von universitärer Hochleistungsmedizin profitieren können“, sagte Prof. Jauch. „Unsere Botschaft an die Menschen ist: Wir sind im Notfall für sie da, an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr. Und wir sind auch für Patienten mit schwierigen Fällen da, wenn andere nicht mehr weiter wissen.“

BEZ






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