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Sabine Weber ist vom Brustkrebs geheilt - dank Brustamputation.

Brustamputation als Prävention

Brustkrebsgefahr: "Nach sieben OPs war ich geheilt"

Wer das gefährliche Brustkrebs-Gen in sich trägt, lebt mit der ständigen Angst davor. Eine Mastektomie kann Leben retten und die Lebensqualität verbessern.

Brustkrebs ist der Albtraum aller Frauen. Jede Achte erkrankt daran, pro Jahr erhalten in Deutschland etwa 75.000 die Schockdiagnose. Für Sabine Weber war diese Angst allgegenwärtig – und kaum auszuhalten. Denn die 25-Jährige aus der Nähe von Aschaffenburg trägt ein sogenanntes Hochrisiko-Gen mit der Abkürzung BRCA-2 in sich – genauer gesagt einen seltenen Gendefekt, der ihr persönliches Brustkrebsrisiko dramatisch erhöhte.

"Es lag bei 70 bis 80 Prozent", erläutert Professor Dr. Christoph Heitmann, plastischer Chirurg und Ärztlicher Direktor der renommierten Frauenklinik Dr. Geisenhofer am Englischen Garten. Deshalb ließ sich seine Patientin vorsorglich beide Brüste entfernen und künstlich wieder aufbauen – genauso wie Hollywood-Star Angelina Jolie. Hier erzählt die ganz und gar nicht prominente, aber mindestens genauso mutige Bayerin ihre Geschichte.

Als Angelina Jolie vor vier Jahren erstmals öffentlich über ihre Brustamputation sprach, war das für Sabine Weber wie ein Fingerzeig des Schicksals. "Ich habe mich noch intensiver mit dem Gedanken daran auseinandergesetzt. Oft bin ich auch von engen Freundinnen angesprochen worden – nach dem Motto: Hat die Jolie eigentlich dasselbe, was du hast?"

Die Antwort war ebenso einfach wie bitter: Ja. Und was das bedeuten kann, das wusste Sabine bereits aus der eigenen Familie: Ihre Oma, die die BRCA2-Veränderung in sich trug, war mit nur 44 Jahren an Brustkrebs gestorben, Auch bei ihrer Mama und Tante ist die Genmutation bereits festgestellt worden.

Brustkrebs: Amputation kann Leben retten

"Insgesamt gab es im größeren Familienkreis bereits vier entsprechende Testergebnisse", erzählt Sabine. Sie selbst erfuhr kurz vor ihrem 19. Geburtstag, dass auch sie die horrende Brustkrebsgefahr geerbt hat. Leider gibt es nur ein Mittel, um das Risiko auf Normalmaß zu senken – die sogenannte prophylaktische Mastektomie. "Dabei werden beide Brustdrüsen entfernt", erklärt Professor Heitmann.

Dass sich Sabine zu der Amputation durchrang, lag letztlich auch an ihrer prominenten Leidensgenossin Jolie. "Ich habe mir gesagt: Wenn eine so berühmte Schauspielerin, die ja auch von ihrem Äußeren lebt, diesen Schritt wagt, dann kann er nicht so falsch sein. Und ich empfand es auch als ermutigend, dass Angelina weiterhin so toll aussieht", erzählt die 25-Jährige.

Insgesamt sieben Operationen hat die junge Bayerin binnen weniger Monate hinter sich gebracht – und trotz mancher Rückschläge im Heilungsprozess ihren Ärzten stets vertraut. Dabei half ihr ein unerschütterlich positives Denken. "Egal, wie schlimm die Situation gerade ist, ich sage mir immer: Irgendwann wird alles wieder gut. Daran glaube ich einfach, davon bin ich fest überzeugt", erzählt sie der tz.

OP: So läuft eine Brust-Rekonstruktion statt

Eine Grundeinstellung, der auch ihr Arzt großen Respekt zollt. "Mit ihrem Mut und ihrer positiven Einstellung ist Frau Weber ein Vorbild", lobt Professor Heitmann. Dem erfahrenen Leiter des Brustzentrums am Englischen Garten gelang es, beide Brüste zu rekonstruieren – nach einem gescheiterten Versuch mit Silikonimplantaten am Ende mit Eigengewebe. "Dabei wird Fettgewebe im Bereich des Bauchs entnommen, um daraus die Brüste zu modellieren", erklärt Professor Heitmann.

Mit dem Ergebnis ist Sabine Weber sehr zufrieden. Sie bekam künstliche Brustwarzen, die echt aussehen und sich auch so anfühlen. Dass ihre natürlichen Brustwarzen nicht erhalten werden konnten, kann sie verschmerzen – denn diesem Verlust steht seit den Operationen ein großer Gewinn entgegen:

"Die quälende Angst vor dem Brustkrebs ist endlich weg. Ich fühle mich wie befreit. Das bedeutet für mich einen Riesengewinn an Lebensqualität. Ich würde mich heute wieder genauso für den Eingriff entscheiden."

Prävention: Mastektomie heißt nicht Unweiblichkeit

Anders als die meisten ihrer Leidensgenossinnen. Denn nur etwa 20 Prozent aller Frauen mit einem BRCA-Gendefekt – es gibt zwei Varianten – lassen sich operieren, weiß Professor Heitmann. Der Experte hofft, dass Sabine Weber einige Patientinnen dazu ermutigt, diesen Schritt ebenso zu wagen.

"Frau Webers Geschichte beweist eindrucksvoll, dass eine Brustrekonstruktion keine Horrorvorstellung sein muss. Die betroffenen Frauen müssen keine Angst davor haben, verstümmelt oder entstellt zu werden", sagt der erfahrene Chirurg.

Seine Patientin kann das nur bestätigen: "Wenn ich heute in den Spiegel schaue, dann bin ich mit mir selbst im Reinen, auch was das Äußerliche angeht. Ich mag meinen Körper – und zwar ohne Einschränkung."

Sechs Fakten zum Thema Brustkrebs

Häufigkeit: Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebsart bei Frauen und fordert jährlich rund 17000 Todesopfer. Die Deutsche Krebsgesellschaft betont: "Rechtzeitig erkannt und behandelt, sind die meisten Erkrankungen heilbar."

Genetische Vorbelastung: Etwa fünf Prozent der Brustkrebserkrankungen sind erblich bedingt. Typisch für diesen Fall ist, dass Krebsfälle in jeder Generation auftreten – und auch bereits in jungen Jahren.

Risikofaktoren: Deutliches Übergewicht, Rauchen, zu viel Alkohol, Bewegungsmangel oder ein Vitamin-D-Mangel können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an Brustkrebs zu erkranken.

Anzeichen für einen Tumor: Verhärtungen oder Größenveränderungen der Brust, bleibende Hautrötungen, eine Einziehung oder Entzündung der Brustwarze oder Absonderungen daraus. Knoten in der Achselhöhle können Lymphknoten-Metastasen sein.

Erkennung: Die Untersuchung der Brust durch einen Arzt ist Bestandteil des gesetzlichen Krebs-Früherkennungsprogramms ab dem 30. Lebensjahr. Frauen von 50 bis 69 Jahren werden zusätzlich alle zwei Jahre zum Mammografie-Screening eingeladen.

Heilbarkeit: Die Zahl der Sterbefälle sinkt seit Jahren, trotz steigender Rate an Neuerkrankungen. Fünf Jahre nach der Diagnose sind laut Krebsgesellschaft etwa 87 Prozent der Patientinnen noch am Leben.

tz

Brustkrebs: Diese Stars sind betroffen

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