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Die Zahl der Fehltage durch psychische Erkrankungen stieg in den letzten zwölf Jahren um 62 Prozent.

DAK-Gesundheitsreport 2013

Burnout und Co.: Immer mehr Krankschreibungen

München - Keine andere Diagnose ist zuletzt so in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt wie Burnout. Psychische Erkrankungen sind immer öfter die Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Zahlen und Fakten vom DAK-Gesundheitsreport 2013:

Sucht man im Internet nach psychischen Erkrankungen, liefert die Suchmaschine Google rund drei Millionen Ergebnisse. Zirka 50 Millionen Treffer sind es sogar beim Begriff Burnout. Der Trend, sich wegen körperlicher und seelischer Ausgebranntheit krank schreiben zu lassen, hat in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen. Insgesamt stieg die Zahl der Fehltage durch psychische Erkrankungen zwischen den Jahren 2000 und 2012 in Bayern um 62 Prozent. Darüber informiert die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) in ihrem Gesundheitsreport 2013. Damit liegt der Freistaat aber immer noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 85 Prozent.

„Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass es in Bayern mehr sichere Arbeitsplätze gibt als in anderen Bundesländern“, vermutet Professor Hans Förstl von der TU München. „Wenn sich jemand bei seiner Arbeit anstrengt, ohne zu wissen, ob er im nächsten halben Jahr noch einen Job hat, dann steigt die Gefahr einer psychischen Erkrankung“, erklärt Förstl.

Dennoch ist Burnout heute kein Massenphänomen. Im vergangenen Jahr haben die Ärzte in Bayern nur bei etwa jedem 780. Mann und jeder 440. Frau Burnout auf der Krankschreibung vermerkt. Ungeachtet dessen genießt die psychische Krankheit Popularität. „Es gibt eben Erkrankungen, die zünden“, betont Förstl. Besonders gut funktioniere das, wenn eine Galionsfigur im Spiel sei. Wie Ex-Skispringer Sven Hannawald oder Popstar Robbie Williams, die beide an Burnout erkrankt waren. „Der Mensch ist so angelegt“, erläutert der TU-Professor, „dass er dann auch bei sich selbst nach möglichen Symptomen Ausschau hält.“

Ähnliche Erfahrungen haben auch Jörg Marschall (IGES Institut Berlin) und seine Kollegen bei ihren Nachforschungen zum Gesundheitsreport gemacht. „Die Patienten kommen schon mit der Diagnose Burnout unter dem Arm in die Praxis.“ Es habe sich auch ein Wandel in dem Verhältnis zwischen Hausarzt und Patient vollzogen. „Beide sind jetzt mehr bereit, darüber zu sprechen“, sagt Marschall.

Als Auslöser und Ursache des enormen Anstiegs von psychischen Erkrankungen wird gerade in Zeiten von Smartphones oft die ständige Erreichbarkeit eines Arbeitnehmers genannt. Diese spielt laut DAK-Studie jedoch keine allzu große Rolle. In Bayern hätten zwar rund 85 Prozent ihre Telefonnummer beim Arbeitgeber hinterlegt. 45 Prozent werden jedoch nie von Kollegen oder Vorgesetzten außerhalb der Arbeitszeit angerufen. Bei E-Mails sei es ähnlich: Beinahe 70 Prozent erhalten nach Feierabend nie oder fast nie elektronische Post aus der Arbeit. Dennoch: Schon ein geringes Maß an Erreichbarkeit ist laut Studie mit einem erhöhten Risiko verbunden, dass sich eine Depression bemerkbar mache.

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Überhaupt sei der Unterschied zwischen Depression und Burnout gering. „Die Merkmale decken sich zum großen Teil“, sagt Mediziner Förstl. Bei Burnout werden die Ursachen lediglich auf die berufliche Belastung zurückgeführt. „Ein bisschen Burnout hat jeder von uns.“ Nur reagiere jeder Mensch auf unterschiedliche Arten von Belastung und empfinde das mal mehr und mal weniger als seelischen und körperlichen Druck.

VON MATTHIAS STREHLER

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