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Nichts geht mehr - beim Burnout zeigt der Körper dem Kopf die Rote Karte.

Nonne, Hausfrau, Manager:

Burnout kann jeden treffen

München - Wenn die körpereigenen Systeme streiken, kommt es zum Absturz: Burnout. Die Krankheit trifft jedoch nicht nur Top-Manager und Führungskräfte - jeder kann sie bekommen. Eine Betroffene erzählt:

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Burnout: Wenn Körper & Seele schlapp machen

Vor drei Jahren kam der Zusammenbruch. Betsy Uphus saß gerade über einer Entscheidungsvorlage für die Geschäftsführung. "Das ist wie ein Computer. Er stürzt ab und zu ab, immer häufiger. Irgendwann hängt sich der Rechner auf. Und dann geht nichts mehr." Die 45-Jährige war höchst erfolgreich in ihrem Job als Managerin in Sachen Kommunikation, sei es fürs TV oder für Verlage. Dass ausgerechnet sie mit Burnout konfrontiert wird? "Ich habe immer gerne und leidenschaftlich gearbeitet", sagt sie der tz. Die Signale vor dem Zusammenbruch hatte sie sehr wohl erkannt - ihre hohe Begeisterungsfähigkeit, die es ihr unmöglich machte, auch einmal Nein zu sagen zu Aufträgen, wenig Schlaf, Vermischung von Privat- und Berufsleben. "Doch ich habe die Signale nicht umgesetzt. Der Körper hat mir oft die Gelbe Karte gezeigt, aber ich habe nicht auf ihn gehört. Dann hat er die Regie übernommen - und die Rote Karte gezeigt."

Mitten in der Arbeit steht die 45-Jährige auf und geht zu ihrer Hausärztin. "Die hat mir zum Glück die Diagnose Burnout erspart, sondern von totaler Erschöpfung gesprochen." Zum Glück? "Der Begriff Burnout war für mich so ein Psychokram. Ich habe das ja nicht so gesehen, weil ich so gebrannt habe und erfolgreich war. Ich habe mich nicht geschämt für meinen Zusammenbruch, aber ihn auch nicht angenommen. Der Begriff Burnout, dessen schmuddelige kleine Schwester bekanntlich die Depression ist, war für mich so negativ besetzt, dass ich ihn damals schlichtweg nicht annehmen wollte."

Mittlerweile weiß  Betsy Uphus: Burnout ist mitnichten ausschließlich die Krankheit der Top-Manager und Führungskräfte. "Als ich eine Therapie gemacht habe und auch in einer Klinik war, sah ich, wer alles an Burnout leidet: eben nicht nur die Reichen. Das ging von der Hausfrau über den Lehrer bis zu einer 75-jährigen Nonne. Ich kann nicht genug betonen: Das ist eine Zivilisationskrankheit, die jeden treffen kann. Eine sehr schwere Erkrankung, die großes Leid für die Betroffenen und ihr Umfeld bringt."

Business-Coach Betsy Uphus im Gespräch mit tz-Redakteur Matthias Biebe.

Den Kopf in den Sand hat die sympathische Frau nie gesteckt. Sie hat den Burnout komplett überwunden, ist gesund und gestärkt aus der Krise hervorgegangen. Sie begann, sich zu informieren, zu lesen, hat nach ihrer Heilung trotz Spitzenangeboten den Sprung geschafft in eine neue Existenz. Darauf ist sie sehr stolz.

Heute ist sie zertifizierter und erfolgreicher Business-Coach mit den Schwerpunkten Burnout-Prävention für Führungskräfte und Selbstständige. "Erkennen geht über Kennen", ist ihr Motto. "Die Krankheit ist vermeidbar und heilbar, das sind zwei positive Aspekte", erklärt sie. Rundherum glücklich sei sie mit ihrem neuen Leben. "Ich habe erkannt, dass man ein Experte seiner selbst werden muss."

Das "Multitasking" hat sie sich abgewöhnt - "also etwa gleichzeitig mit der Mutter telefonieren, eine E-Mail schreiben, einen Kaffee trinken und in Gedanken den Abend planen. Der Mensch kann nicht parallel verarbeiten, sondern nur eins nach dem anderen." Ihr Freundeskreis und ihr Mann, mit dem sie seit 20 Jahren zusammen ist, haben sie dabei stets unterstützt. Und jetzt lebt sie ihr zweites Leben. Immer ein Schritt nach dem nächsten, aber intensiver, glücklicher - und letztlich auch erfolgreicher. Die Rote Karte wird sie nicht mehr sehen.

Matthias Bieber

Mehr Informationen zu Betsy Uphus im Internet unter www.betsyuphus.de

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