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Bürgeranwalt Dietmar Gaiser mit Schmerzpatientin Marianne Sprenger.

Kein Wundermittel

Cannabis kann nicht allen Schmerzpatienten helfen

Seit Kurzem sind in Deutschland Cannabis-Medikamente zugelassen. Sie werden sogar von der Krankenkasse bezahlt. Doch nicht allen Patienten hilft Cannabis.

Eine verzweifelte tz-Leserin, die unter unsäglichen Schmerzen leidet, wandte sich an uns, damit wir ihr helfen, an diese Medikamente zu kommen. Lesen Sie dazu den Artikel auf dieser Seite.

Cannabis als Medikament

Dass Cannabis gegen alle möglichen Schmerzen hilft, wussten die Chinesen schon vor knapp 5000 Jahren. Dokumente aus dieser Zeit berichten, dass Kaiser Shen Nung das Harz von Cannabis gegen Verstopfung, Gicht und Rheumatismus verabreicht wurde. Aber die Wirkung war nicht nur in Asien bekannt.

Rund 4000 Jahre nach den Chinesen erwähnt auch Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) Hanf als Medizin in ihren Schriften. Nun machen wir noch mal einen Sprung von rund 1000 Jahren in unser Jahrhundert. Anfang des 20. Jahrhunderts war „Bromidia“ in den USA ein gängiges Schlafmittel. Auch „Bromidia“ wurde auf der Basis von Cannabis hergestellt. Dann kam es aber zum großen Bruch.

Die Cannabispräparate verschwanden vom Markt, weil Wissenschaftler bessere und wirksamere Arzneimittel entwickelten. Nur in der ehemaligen DDR wurde bis 1990 noch ein Arzneimittel auf Cannabisbasis hergestellt. Jetzt besinnt man sich auf die lange Tradition der Cannabis-Arzneien und erlaubt auch bei uns wieder entsprechende Medikamente, allerdings unter strengen Auflagen.

Richtig angewendet kann Cannabis Schmerzen und Entzündungen lindern, den Appetit anregen und die Stimmung aufhellen. Kritiker bemängeln jedoch, dass der Nutzen viel zu wenig erforscht und die Gefahr des Missbrauches hoch seien. Letzterem schieben bei uns sehr strenge Regeln für die Verabreichung von Cannabis-Medikamenten einen Riegel vor.

Eines muss klar sein, Cannabis bleibt eine Droge . Wie übrigens Alkohol auch.

tz-Leserin Mariann Sprenger schrieb:

Liebes Team des Bürgeranwaltes, bitte helfen Sie mir! Ich bin vier Mal an der Bandscheibe operiert worden. Leider ohne den gewünschten Erfolg. Nach diesen Operationen kann ich es vor Schmerzen kaum noch aushalten. Ich habe sieben Schmerztherapien hinter mir, ohne Erfolg, leide immer noch. Nun sind auch Cannabis-Medikamente bei uns erlaubt. Sie sind meine letzte Hoffnung. Aber mein Arzt verschreibt sie mir nicht. Was soll ich tun?

- Marianne Sprenger (88), Rentnerin aus München

Obwohl die heilsame Wirkung von Cannabis bei Schmerzpatienten nachgewiesen ist, nehmen in Deutschland nur ein paar Hundert Patienten entsprechende Arzneien. Die Möglichkeit dazu gibt es erst seit dem 10. März dieses Jahres. Der Zugang zu den entsprechenden Medikamenten ist bei uns noch sehr schwer, wogegen es in anderen Ländern, wie beispielsweise den USA, sehr viel einfacher ist, an solche Medikamente zu kommen.

Um zu erfahren, warum man in Deutschland so zurückhaltend ist, sprachen wir mit Dr. Petra Reis-Berkowicz, Hausärztin und Vorstandsmitglied des Bayerischen Hausärzteverbandes. Sie machte klar, dass Cannabis- Medikamente keine Wundermittel seien. Denn: „Es ist wichtig, dass das Schmerzbild zu der Wirkung von Cannabis passt“, erklärte uns die Ärztin. Sie riet der Patientin, in einer Schmerzambulanz feststellen zu lassen, ob das bei ihr auch wirklich der Fall ist. Dann allerdings müsse vor der Verordnung eine Genehmigung der Krankenkasse eingeholt werden. Diese werde nur in begründeten Ausnahmefällen erteilt und der Patient müsse sich bereit erklären, die Schmerztherapie wissenschaftlich begleiten zu lassen.

Mit Cannabis-Medikamenten erwartet man sich vor allem bei Menschen mit Multipler Sklerose eine krampflösende und bei schwer krebs- oder aidskranken Menschen eine schmerzstillende Wirkung. Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass die schmerzstillende Wirkung etwa der von Kodein entspricht. Außerdem können Cannabis-Medikamente die schmerzstillende Wirkung von anderen Medikamenten erhöhen.

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