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Geballte Gesundheits-Kompetenz (v. re.): Privatdozent Dr. Arnd Steinbrück, Professor Dr. Jens Werner, Prof. Dr. Christian Stief, Prof. Dr. Tim Pohlemann, Privatdozent Dr. Knut Beitzel und Prof. Dr. Hans-Joachim Meyer.

Die beste Medizin für unsere Leser

Chirurgentag im Pressehaus: Das sind die Tipps der Top-Ärzte

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In der kommenden Woche treffen sich die Top-Chirurgen in München um über die Zukunft ihres Fachs zu beraten. Beim Patiententag im Pressehaus gaben sie schon einmal wertvolle Tipps.

München - München wird zur Medizin-Hauptstadt – zumindest in der nächsten Woche: Von Dienstag bis Freitag treffen sich auf dem Messegelände bis zu 6000 Ärzte und Spezialisten zum wichtigsten Chirurgenkongress der Republik. Gastgeber ist zum 134. Mal die traditionsreiche Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), ein Dachverband für Experten der verschiedensten Fachrichtungen. Bei ihrer Jahrestagung diskutieren sie unter anderem über bedeutende Fortschritte in den Operationssälen – und die entscheidende Frage, wie möglichst viele Patienten davon profitieren können. „Eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen ist ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Chirurgen und Patienten“, betont DGCH-Präsident Professor Dr. Tim Pohlemann – und deshalb wollen die Mediziner ihr Wissen nicht nur mit Kollegen teilen, sondern auch mit unseren Lesern: Beim großen Patiententag im Pressehaus von Münchner Merkur und tz standen jetzt gleich mehrere Top-Ärzte Rede und Antwort.

Was können moderne Therapien und Techniken heute schon leisten, wo klemmt’s in unseren Krankenhäusern und worauf sollte man als Laie bei der Suche nach einer optimalen Behandlung besonders achten? Im tz-Protokoll zum Patiententag geht’s heute um die beste Medizin für unsere Leser.

„Der Chirurgenkongress ist ein Highlight für München“, so Zeitungsverlags-Chef Daniel Schöningh bei der Begrüßung unserer Leser im Pressehaus.

OP oder nicht? Das raten die Mediziner

Wenn es um Operationen geht, ist weniger oft mehr: Die minimal-invasive Chirurgie – auch Schlüsselloch-Technik genannt – erobert immer mehr Fachbereiche der Medizin. Selbst schwierige Eingriffe im Bereich des Bauches und des Beckens können mittlerweile schonend mit kleinsten Schnitten und feinsten Ins­trumenten durchgeführt werden. So werden bestimmte Routine-OPs – etwa die Entfernung eines entzündeten Blinddarms oder einer Gallenblase – heutzutage fast nur noch minimal-invasiv vorgenommen. „Inzwischen ist die Technik so sehr verfeinert worden, dass auch Krebspatienten zunehmend davon profitieren können“, berichtete Prof. Dr. Jens Werner, Direktor der Allgemein- und Viszeralchirurgie des Uniklinikums Großhadern. „Am Darm operieren wir in 70 bis 80 Prozent der Fälle minimal-invasiv. Und auch Operationen an der Speiseröhre, dem Magen und der Leber werden bei uns zunehmend minimal-invasiv operiert, an der Bauchspeicheldrüse sind wir bereits bei 20 bis 25 Prozent.“ Mehr zu modernen OP-Methoden in der Bauchchirurgie lesen Sie in einem weiteren großen Medizin-Report in einer unserer nächsten Ausgaben.

An den Gelenken sind minimal-invasive Techniken längst zum Standard geworden – beispielsweise an der Schulter, wie Privatdozent Dr. Knut Beitzel, stellvertretender leitender Oberarzt in der Sportorthopädie des Klinikums rechts der Isar, erläuterte: „Durch die ständigen Weiterentwicklungen der Implantate und Befestigungssysteme, etwa von Knochenankern und Nahtmaterialien, können wir immer mehr Eingriffe minimal-invasiv durchführen. Das hat viele Vorteile für die Patienten, unter anderem eine geringere Infektionsgefahr, kleinere Narben und eine kürzere Reha.“

In ihren spannenden Vorträgen, wie hier von Dr. Steinbrück zum Thema Gelenkersatz am Knie, verzichteten die Experten auf Medizinerlatein.

Trotz der Vorteile dürfe eine OP aber nie vorschnell erfolgen, sie müsse gut überlegt und geplant sein. „Für die Schulter gilt: Oft muss nicht immer gleich zwingend operiert werden. Denn: Viele Beschwerden entstehen in Folge einer Störung des Zusammenspiels der Muskeln. Hier lässt sich mit gezielter Physiotherapie viel erreichen“, so Dr. Beitzel.

Manchmal ist eine OP freilich unausweichlich. Aber wie findet man dann den richtigen Operateur? „Vor einer großen OP sollte man sich genau informieren, ob der Operateur und die Klinik diesen Eingriff auch wirklich beherrschen“, sagte Prof. Dr. Christian Stief, Moderator des Patiententags und Chefurologe des Uniklinikums Großhadern, der tz. „Deshalb sollte sich jeder Patient trauen, direkte Fragen zu stellen. Die wichtigsten sind: Wie häufig macht ein Arzt diese OP überhaupt, und wie häufig hat er sie bereits durchgeführt? Sehr gute Infos findet der Patient zudem online: Hier erfahren Sie, ob Sie zum Arzt müssen, oder ins Krankenhaus. Auf diesen Seiten erfährt man auch etwas über die Komplikationsraten der Kliniken.“

Komplikationen vorzubeugen, ist gerade beim Gelenkersatz ein sehr wichtiger Aspekt. „Die erfolgreiche Knieprothese ist die Summe vieler Details“, sagte Privatdozent Dr. Arnd Steinbrück, Leiter der Knie-Endoprothetik im Uniklinikum Großhadern. „Die erste Operation sollte so exakt wie möglich vorgenommen werden, um eine lange Lebensdauer der Prothese zu gewährleisten.“ Anschließend seien regelmäßige Kontrollen ratsam – zunächst mindestens alle zwei Jahre. Wenn die Prothese bereits zehn Jahre lang im Körper ist, sollte man das Knie jährlich anschauen lassen. Doch selbst wenn das künstliche Kniegelenk irgendwann ausgetauscht werden muss, bieten sich gute Behandlungsmöglichkeiten. „Man kann die Prothesen in den allermeisten Fällen auch mehrfach wechseln“, erläuterte Dr. Steinbrück.

Gespannt auf Infos und Tipps der Top-Ärzte: die Besucher des Patiententags in unserem Veranstaltungssaal „Alte Rotation“.

Worüber die Chirurgen in München beraten

Auf der einen Seite gibt’s zwar große Fortschritte in den Operationssälen, aber auf der anderen Seite wird die erfreuliche Entwicklung durch einen immer schlimmeren Pflegenotstand torpediert. „Hier brauchen wir dringend Lösungen“, mahnt Professor Dr. Tim Pohlemann. In der tz erklärt der DGCH-Präsident das Dilemma genauer: „Patienten werden aufgrund des Pflegemangels bei Operationen immer schlechter vor- und nachversorgt und im Zuge des wachsenden wirtschaftlichen Drucks schneller entlassen. Dadurch wird letztlich der Behandlungserfolg gefährdet.“ Dieses Riesenproblem werde eines der ganz wichtigen Themen beim Münchner Chirurgenkongress sein, kündigt Pohlemann an. Außerdem wollen die Chirurgen für die Bereitschaft zum Organspenden werben — unter anderem mit einem Organspendelauf, der am Mittwoch ab 16.30 Uhr am Messesee entlangführen wird. „In Deutschland warten 10 000 Menschen auf ein Spenderorgan“, erläutert Pohlemann. „Sie brauchen unsere Solidarität!“ Mehr Infos gibt es hier.

Was der Kongress für die Stadt bedeutet

Die Chirurgen sind alle zwei Jahre in München zu Gast – im Wechsel mit Berlin. Neben Tausenden deutschen Spezialisten reisen auch Ärzte aus dem diesjährigen Partnerland Niederlande, aus England, Japan, Österreich, den USA und der Schweiz an. Für die bayerische Landeshauptstadt ein Riesengewinn, wie Bürgermeister und Wirtschaftsreferent Josef Schmid gegenüber der tz betont: „Die Medizinbranche hat für unsere Stadt eine außergewöhnlich große Bedeutung. Sie stärkt das Profil Münchens als Stadt des Wissens und der Forschung. Deshalb freut es mich sehr, dass ein so renommierter Branchentreff wie der Chirurgenkongress in München stattfindet. Das zeigt gleichzeitig auch, welchen Stellenwert der Kongressstandort München national und international hat. München stehen solche Großkongresse gut zu Gesicht. Sie bedeuten einen erheblichen Kaufkraftzufluss und Imagegewinn.“

Josef Schmid.

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