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Pflege-Experte Claus Fussek.  

Experte im Interview

Wie sinnvoll ist die Pflegereform?

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München - Im Januar 2017 tritt der wichtigste Teil der Pflegereform in Kraft. Buchautor Claus Fussek warnt jedoch, dass die Neuerungen nicht alle Probleme lösen werden. 

In den letzten Tagen haben Deutschlands Pflegebedürftige Post bekommen – denn ab Januar tritt der wichtigste Teil der Pflegereform der Großen Koalition in Kraft. Dabei geht es um nichts weniger als die Frage, wie genau der Begriff „pflegebedürftig“ definiert wird. 

Wie bewerten Sie die Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade?

Claus Fussek: Es ist zunächst mal zu begrüßen, wenn die häusliche Pflege gestärkt wird und pflegende Angehörige mehr Geld bekommen. Trotzdem befürchte ich, dass die Euphorie bald einer Ernüchterung weichen wird.

Woran liegt das?

Fussek: Zum einen wird die zu Recht viel kritisierte Minutenpflege nicht abgeschafft. Außerdem fehlen die Pflegekräfte, die diese zusätzlichen Leistungen dann erbringen sollen. Geld und Gesetze pflegen keine Menschen!

Dieses Problem behebt die Reform nicht …

Fussek: Nein, das kann sie auch gar nicht. Man muss es aber offensiv ansprechen. Leider gibt es über die Pflege auch keine leidenschaftliche öffentliche Diskussion – anders als bei Themen wie Maut oder Rechtsanspruch auf Krippenplätze. Die meisten Angehörigen haben resigniert und sagen, das neue Gesetz ist besser als gar nichts.

Warum fehlt die öffentliche Diskussion?

Fussek: Eigentlich ist die Pflege die Schicksalsfrage der Nation, weil jeder Bürger früher oder später mal von diesem Thema betroffen ist. Das ist allerdings eine unbequeme Wahrheit, die wir als Gesellschaft kollektiv verdrängen. Und wenn es uns dann doch betrifft, ist es zu spät.

Welche Reform würde wirklich etwas bringen?

Fussek: Wir bräuchten einen Rechtsanspruch auf Tagespflege, ähnlich wie auf einen Krippenplatz. Das wäre eine echte Entlastung für pflegende Angehörige.

Müssten dafür die Beiträge massiv steigen?

Fussek: Nein. Es ist genug Geld im System. Allerdings wird der Grundsatz Rehabilitation vor Pflege nicht praktiziert. Statt dessen bleiben die Menschen durch schlechte Pflege pflegebedürftig – das ist wirtschaftlich interessant! Deshalb wäre es sinnvoll, Kranken- und Pflegekasse zusammenzulegen. Dann gäbe es einen Anreiz, dass Menschen möglichst lange selbstbestimmt leben können.

Interview: M. Kniepkamp

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