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Corona-Medikamente für 400 Millionen Euro: Was hat es mit dem Antikörper-Mittel auf sich?

  • Felix Herz
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Mit Antikörper-Medikamenten Covid-19 bekämpfen: Dieser Plan ist der Bundesrepublik nun 400 Millionen Euro wert. Doch die Mittel sind noch gar nicht zugelassen – und helfen nicht Jedem.

Corona sorgt derzeit wieder für gleich mehrere Brandherde. Da ist auf der einen Seite die ganze Thematik rund um die Homeoffice-Pflicht* und die FFP2-Masken-Verordnung, dann sorgt der zunehmend eskalierende Impfstreit zwischen EU und AstraZeneca für eine Schlagzeile nach der anderen und schließlich wird eine immer heftigere Debatte rund um die Öffnung von Schulen und Kitas geführt. Bahnt sich nun ein neuer Brandherd an? Die Bundesregierung hat jedenfalls für 400 Millionen Euro 200.000 Dosen zweier verschiedener Antikörper-Medikamente gekauft. Mit diesen soll das Risiko eines schweren Verlaufs einer Corona-Erkrankung verringert werden. Doch die Medikamente sind in der EU noch nicht zugelassen und helfen auch nicht Jedem.

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Covid-19 mit Antikörper-Medikament behandeln: Was steckt hinter Trumps „Wundermittel“?

Bei den von Gesundheitsminister Jens Spahn bestellten Medikamenten handelt es sich um sogenannte Antikörper-Mittel. Die im Medikament enthaltenen monoklonalen Antikörper sollen verhindern, dass das Coronavirus in die menschlichen Zellen eindringen kann – daher auch die Bezeichnung der Medikamente. Sie verringern das Risiko eines schweren Verlaufs also, indem sie die allgemeine Zahl der Viren im Körper des Patienten senken, schreibt die Tagesschau.

Die Namen der Medikamente lauten REGN-COV2 und Bamlavinimab. Ersteres entstammt der US-Firma Regeneron, letzteres wurde vom US-Pharmakonzern Eli Lilly entwickelt. In den Vereinigten Staaten wird das Mittel seit einer Notfallzulassung bereits angewandt, unter anderem Ex-US-Präsident Donald Trump wurde damit behandelt und pries es darauf als „Wundermittel“. Wann die Antikörper-Behandlung in der EU zugelassen wird, ist aktuell schwer absehbar – geprüft werden die Medikamente noch nicht, ein Zulassungsantrag soll aber bald gestellt werden.

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Sind die Antikörper-Medikamente ein wichtiger Schritt im Kampf gegen das Coronavirus?

Für wen eignet sich das Medikament und welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Beim Einsatzgebet der Antikörper-Medikamente wird es etwas kompliziert. Nicht verabreichen darf man es Personen, die sich im Krankenhaus befinden und/oder beatmet werden. Grundsätzlich sind die Antikörper-Medikamente gedacht für Menschen ab zwölf Jahren, bei denen das Risiko eines schweren Covid-19-Verlaufs hoch ist. Bisherigen Studien zufolge erzielten die Medikamente die besten Ergebnisse bei Patienten, deren Körper noch keine Antikörper gegen das Virus gebildet haben. Bei diesen Gruppen sollen REGN-COV2 und Bamlavinimab auch in Deutschland eingesetzt werden.

Unter anderem das Robert Koch-Institut befindet nach ersten Studien, dass die Medikamente „vielversprechende Therapieoptionen“ seien. Zu den Nebenwirkungen ist bisher noch nicht viel bekannt. Schwere Nebenwirkungen sind zumindest bisher kaum aufgetreten, gewisse Risiken könnten aber auch Stand jetzt einfach noch nicht bekannt sein. Laut Tagesschau weist die Arzneimittelbehörde FDA darauf hin, dass ein gewisses Potenzial für schwere Überempfindlichkeitsreaktionen bestünde. Geliefert werden die Medikamente zunächst an verschiedene deutsche Universitätskliniken, unter anderem das Münchner Klinikum rechts der Isar wartet auf eine Lieferung der Antikörper-Mittel. Insgesamt warnen Experten, von der Antikörper-Therapie zu viel zu erwarten, bewerten die Daten der Medikamente aber als vielversprechend und halten es für möglich, dass sie ein weiterer, wichtiger Baustein in der Bekämpfung der Pandemie sein können. (fh) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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Artikelquellen: tagesschau.de, spiegel.de

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