Erfahrungsbericht

Erste Münchner Corona-Patientin zieht ein Jahr später Bilanz: „Meine Lunge hat sich zwar erholt, aber ich habe Probleme am Herzen“

15 Tage Krankenhaus im März 2020: Anita Hollweck war die erste Corona-Patientin am Klinikum rechts der Isar in München. Im Interview erzählt sie, wie es ihr heute geht.

Das Universitätsklinikum rechts der Isar hat im ersten Jahr der Pandemie mehr als 700 Covid-19-Patienten behandelt, davon gut 200 auf den Intensivstationen. Es gehörte zu den ersten Krankenhäusern deutschlandweit, das Corona-Kranke aufnahm – und auch damit begann, an Medikamenten gegen das Virus* zu forschen, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht. Die erste Patientin, die am 9. März 2020 aufgenommen wurde, stammt aus dem Kreis Freising bei München – sie sagt heute, ihr Leben habe sich seit der Infektion „gewaltig verändert“.

Erste Corona-Patientin in München: „Ich war froh, in guten Händen zu sein“

Anita Hollweck war Anfang März 2020 die erste Covid-19-Patientin am Klinikum rechts der Isar. Sie ist 44 Jahre jung, trotzdem erkrankt sie schwer und hat bis heute mit den Folgen zu kämpfen.

Frau Hollweck, wie ging es los mit Ihrer Corona-Erkrankung?

Anita Hollweck: Am Faschingsdienstag habe ich noch gefeiert, zwei Tage später fühlte ich mich krank. Mein Hausarzt hielt es erst für eine leichte Grippe, dann für eine Lungenentzündung – bis das Gesundheitsamt anrief, weil ich als Kontaktperson gemeldet worden war. Zwei Tage später kam ich als Corona-positiv ins Krankenhaus Freising. Am nächsten Tag ging es weiter ins rechts der Isar. Zu dem Zeitpunkt war ich kaum noch ansprechbar.

Sie waren 15 Tage im Krankenhaus, welche Erinnerung haben Sie daran?

Anita Hollweck: Ich war froh, in guten Händen zu sein, ansonsten war ich einfach nur schwach und erschöpft. So sehr, dass ich einmal dachte, ich stehe das nicht durch. Anfangs hatten die Pfleger auch Angst vor mir – die Krankheit war ja für alle neu. Dr. Spinner habe ich zu verdanken, dass ich auf der Normalstation behandelt wurde. Er hat immer daran geglaubt, dass ich es schaffe. Ich bin allen sehr dankbar, die mich betreut haben.

Wie geht es Ihnen knapp ein Jahr später?

Anita Hollweck: Mein Leben hat sich gewaltig verändert. Zu Hause und in meinem Job als Servicekraft in einer Kantine bin ich deutlich weniger belastbar. Ich gerate schnell aus der Puste. Bis vor einer Woche bin ich jeden Tag fünf, sechs Kilometer spazieren gegangen. Momentan schaffe ich das nicht. Meine Lunge hat sich zwar erholt, aber ich habe Probleme am Herzen, mit der Blase, und meine Blutwerte sagen, dass ich einen Diabetes entwickle. Dazu hatte ich lange schweren Haarausfall. Strenge ich mich zu sehr an, schwindet die Stimme. Ich mache Physiotherapie, doch meine frühere körperliche Verfassung werde ich nicht mehr erreichen.

Wie kommen Sie mit Ihrem neuen Leben zurecht?

Anita Hollweck: Ich lebe von Tag zu Tag und habe meinen Frieden geschlossen. Früher war ich nicht zu bremsen. Heute sage ich mir, was nicht geht, geht eben nicht. Ich bin trotzdem ein fröhlicher Mensch und meine Familie unterstützt mich nach Kräften.

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Rubriklistenbild: © Matthias Balk

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