Covid-19 Intensivstation im Städtischen Klinikum Dresden
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Auf Corona-Stationen müssen hohe Hygiene-Standards eingehalten werden. US-Forscher geben jetzt eine Prognose über den weiteren Pandemie-Verlauf ab.

Von der Pandemie zur Endemie

Covid-19 bald so ungefährlich wie eine Erkältung? Forscher mit unglaublicher Corona-Prognose

  • Juliane Gutmann
    vonJuliane Gutmann
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Forscher weltweit beschäftigt die Frage, wie sich die Corona-Pandemie weiter entwickelt. US-amerikanische Wissenschaftler kommen zu einer optimistischen Vorhersage.

  • Seit Anbeginn der Corona-Pandemie sind dem Johns Hopkins Coronavirus Resource Center zufolge 2.032.787 Menschen an oder mit der Virusinfektion verstorben (Stand 18.01.2021).
  • Französischen Wissenschaftlern zufolge ist Covid-19 drei Mal so tödlich wie eine herkömmliche Grippe*.
  • US-Forscher haben jetzt im Modell ein Szenario gefunden, dass positiv stimmt. So könnte Covid-19 in absehbarer Zukunft zu einer harmlosen Form der Endemie werden – die unter anderem dadurch gekennzeichnet sein könnte, dass Menschen bereits in der Kindheit erkranken und danach ein Leben lang Antikörper in sich tragen, die schwere Krankheitsverläufe im Erwachsenenalter verhindern.

Immer wieder werden Vergleiche zwischen der Grippe und Covid-19 angestellt. Fakt ist: Es handelt sich in beiden Fällen um virale Infektionen. Grippe wird von Influenza-Viren ausgelöst, Covid-19 durch den Krankheitserreger Sars-CoV-2. Auch in Hinblick auf die Risikogruppen gibt es Parallelen, so sind ältere, immunschwache Personen eher gefährdet, einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln. Die Art und Weise, wie Influenza- und Corona-Viren den Körper angreifen, unterscheidet sich allerdings grundlegend. So kann Covid-19 etwa lebensbedrohliche Hirn- und Lungenschäden zur Folge haben.

Wissenschaftler an der Emory University in Atlanta und der Pennsylvania State University haben sich mit der Frage befasst, wie sich die Corona-Pandemie weiter entwickeln könnte. Ihrer Forschung legten sie unter anderem bisher gesammelte Daten zu bereits seit Jahren zirkulierenden, harmlosen Coronaviren (humanen Coronaviren, auch HCoVs) zugrunde. Und davon gibt es einige: „Zur Familie der Coronaviren gehören eine ganze Reihe unterschiedlichster Krankheitserreger. (...) Etwa ein Drittel der typischen „Erkältungen“ gehen auf das Konto dieser größten der RNA-Viren und auch den einen oder anderen „Durchfall“ verursachen sie“, informiert das Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung. Im Fall von humanen Coronaviren hatte sich gezeigt: Nach einer Infektion mit solchen Erkältungs-Coronaviren entsteht in der Regel eine langlebige Immunität, die bis ins Erwachsenenalter reicht, so die US-Forscher.

Corona-Pandemie in Zukunft „möglicherweise nicht ansteckender als eine Erkältung“

„Unser Modell, das diese Komponenten der Immunität einbezieht, umfasst sowohl den aktuellen Schweregrad von Sars-CoV-2 als auch die Gutartigkeit von HCoVs und deutet darauf hin, dass Sars-CoV-2, sobald die endemische Phase erreicht ist und die erste Ansteckung in der Kindheit liegt, möglicherweise nicht ansteckender ist als eine Erkältung“, schreiben die Studienautoren. Von einer Endemie sprechen Mediziner, wenn eine Krankheit in einer Region gehäuft auftritt, das Immunsystem also in der Regel bereits in frühen Jahren Kontakt mit dem Krankheitserreger hat.

Corona-Impfung für alle – danach nur noch für Risikogruppen?

Studienautorin Dr. Jennie Lavine und ihr Team nehmen an, dass die Sterberate bei Corona langfristig unter der der saisonalen Grippe liegen könnte, also unter 0,1 Prozent – sofern sich Sars-CoV-2 in Zukunft so verhält wie humane Coronaviren. Deren Harmlosigkeit könnte auf den Fakt zurückzuführen sein, dass Menschen bereits im Kindesalter Kontakt mit ihnen haben, so die Forscher. Lavines Kollege Ottar Bjornstad von der Penn State Universität glaubt dem MDR zufolge, dass die hohe Sterblichkeit und die Notwendigkeit der Corona-Impfung bald Geschichte sein werden: „Maximale Anstrengungen sollten unternommen werden, um diese jungfräuliche Pandemie auf dem Weg zur Endemie zu überstehen“, wird Bjornstad vom MDR zitiert.

Bis die Pandemie das Endemie-Stadium erreicht hat, könnte allerdings noch viel Zeit ins Land gehen. Aus der US-amerikanischen Modellrechnung geht hervor, dass deshalb eine Massenimpfung vor allem in den ersten beiden Jahren nach Bereitstellung von Impfstoffen sehr wichtig sei. Nach diesem Zeitraum könnte es möglich sein, dass – wie bei der Grippe – nur noch gefährdete Risikogruppen wie alte und immunschwache Menschen geimpft werden müssten. Die Forscher weisen allerdings darauf hin, dass noch andere Szenarien möglich sind. Etwa dass Coronavirus-Infektionen in Zukunft für Kinder bedrohlicher werden könnten. In diesem Fall wären Massenimpfungen im Kleinkindalter unumgänglich. (jg) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Mehr Quellen: https://coronavirus.jhu.edu/map.html

Weiterlesen: Immun gegen Covid-19 durch Vorerkrankung – Kreuzimmunität schützt vor allem diese Gruppe.

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Eine mit Coronaviren befallene Zelle
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
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