Impfquote verbessern

Corona-Impfung in Arztpraxen ab April: Vorerst nur geringe Mengen pro Praxis

  • Juliane Gutmann
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Ab April sollen in der Corona-Pandemie auch endlich die Hausärzte beim Impfen miteinbezogen werden. Allerdings wird es vorerst nur wenigen Dosen pro Praxis geben.

Update vom 22. März 2021: Die Corona-Impfungen in Deutschland sollen nach viel Frust wegen bisher schleppender Fortschritte im April Fahrt aufnehmen - mit einer stärkeren Einbeziehung der Arztpraxen gleich nach Ostern. „Die Devise lautet: Impfen, impfen, impfen“, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag in Berlin nach einer Telefonkonferenz mit den Ministerpräsidenten. Und dafür solle die sprichwörtliche deutsche Gründlichkeit auch um mehr „deutsche Flexibilität“ ergänzt werden.

Corona: Hausärzte werden ab April beim Impfen miteinbezogen – vorerst aber nur wenige Dosen pro Praxis

Sofort in großem Stil mitimpfen können die Praxen allerdings nicht, da auch die regionalen Impfzentren der Länder weiterlaufen sollen. Die Anzahl der Impfdosen pro Praxis werde „zu Beginn erst langsam aufwachsen“, formulierten Bund und Länder in ihrem Beschluss. Soll heißen, dass die Hausarztpraxen „erstmal mit etwa umgerechnet einer Impfsprechstunde pro Woche beginnen können“, wie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schon zuvor deutlich gemacht hatte. Deswegen sei es auch sinnvoll, dass die jeweiligen Praxen ihre „besonders vulnerablen Patientinnen und Patienten“ zuerst gezielt einladen, erklärten Bund und Länder.

Wenn einmal mehr Impfstoffmengen verfügbar sind, sollen dann auch Fachärzte und Betriebsärzte einbezogen werden können.
Schritt für Schritt soll es im April mehr Impfungen geben. Vergangene Woche, also vor der Unterbrechung der Impfungen mit dem Vakzin des Herstellers Astrazeneca, spritzten die Länder knapp 1,8 Millionen Impfdosen. In der Woche nach Ostern sollen knapp 3,3 Millionen Dosen geliefert werden. Die niedergelassenen Ärzte sollen davon knapp eine Million bekommen. Das wären bei einer Beteiligung von 50.000 Praxen also jeweils 20 Dosen pro Woche.

Einen Schub soll es dann in der Woche vom 26. April mit insgesamt 5,4 Millionen erwarteten Dosen geben – davon 3,2 Millionen für die Praxen. Diese hätten dann auch erstmals mehr Impfstoff als die Impfzentren der Länder, die weiter vorrangig beliefert werden sollen: mit reservierten 2,25 Millionen Dosen pro Woche. Merkel sagte, es gehe nicht um ein „Entweder-Oder“, sondern eine schnellstmögliche Kombination. Praxisärzte reagierten aber spontan enttäuscht. Es sei eine Chance vertan worden, erklärte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). „Wir müssen impfen, impfen – und das schnell.“ Die Länder setzten aber weiter vor allem auf die Impfzentren. „Jetzt müssen die Länder aber auch liefern.“ Mancherorts machen ausgewählte Praxen schon Impfungen, etwa für Krebspatienten.

Corona-Gipfel: Impfreihenfolge soll bei Impfungen in Arztpraxen beibehalten werden

Auch für die Praxen soll die Priorisierung gelten, die Älteren und besonders gefährdeten Menschen Vorrang bei knappem Impfstoff sichert. Ärzte sollten die Vorgaben aber „flexibel anwenden“, erklärten Bund und Länder. Merkel mahnte, der Schutz für besonders Schutzbedürftige dürfe zu keiner Sekunde aus den Augen verloren werden. Spahn rief die Länder auf, auch chronisch Kranke zu schützen. „Bei allem Verständnis dafür, 30-Jährige auch in bestimmten Berufskontexten zu impfen, ist es auch mit Blick auf die Infektionsentwicklung wichtig, die Älteren zu impfen.“ Schwerpunktmäßig sollen die Ärzte zu Beginn auch nicht-mobile Menschen zu Hause impfen.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte: „Das Risiko, bei einer Infektion an Covid zu versterben, ist für einen 80-Jährigen 600 Mal so hoch wie für einen 30-Jährigen. Daher bin ich sehr kritisch, was Vorschläge angeht, die Impfreihenfolge zu verändern.“ Dass etwa Lehrkräfte wie in NRW vorrangig geimpft werden, ruft Kritik hervor. Zunächst müssten Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren bis tödlichen Verlauf geimpft werden, hatten die Beauftragten von Bund und Ländern für die Belange der Menschen mit Behinderung gefordert.

Corona-Impfung in Arztpraxen bereits ab März? Pilotprojekte starten in diesen Bundesländern

Originalmeldung vom 2. März 2021: Aktuell sieht die Nationale Impfstrategie auf dem Papier vor, dass Corona-Impfungen nur in sogenannten Impfzentren stattfinden. Doch das könnte sich schon bald ändern: Gesundheitsminister Jens Spahn würde die Impfmöglichkeiten gerne erweitern. Sein Änderungsvorschlag: Ab April sollen auch Hausärzte mit Corona-Impfstoff von Biontech, Moderna und Astrazeneca beliefert werden. Diese Maßnahme soll die Impfquote in Deutschland schneller nach oben treiben. Stand 1. März 2021 wurden in Deutschland 2.159.412 Personen vollständig geimpft, was 2,6  Prozent der Gesamt­bevölkerung entspricht, wie aus dem Impfdashboard der Regierung hervorgeht. Berücksichtigt man auch diejenigen, die bereits die erste Impfdosis verimpft bekommen haben, wurden 5,1 Prozent der Deutschen bereits geimpft. Zum Vergleich: In Großbritannien liegt die Impfquote bei 29,87 Prozent, in den USA bei 15,17 Prozent und in Israel konnten sich bereits 55,13 Prozent der Einwohner gegen Corona impfen lassen, berichtet die Ärztezeitung.

Da Deutschland hier hinterherhinkt, trifft Spahns Vorschlag auf offene Ohren: In einigen Bundesländern starten bereits Pilotprojekte, die die Umsetzung von Corona-Impfungen beim Hausarzt vorsehen. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) informiert, haben im Rahmen solcher Projekte am 1. März fünf Hausarztpraxen in Niedersachsen mit Corona-Impfungen begonnen. „Um insbesondere die Logistik und Lagerung der Impfstoffe und die technischen Abläufe einmal durchzuspielen und Erfahrungen mit der praktischen Umsetzung im Alltag zu sammeln, starten wir zunächst eine kurze Erprobungsphase von etwa maximal zwei Wochen in den neun Pilotpraxen“, zitiert das RND Carola Reimann, die niedersächsische Gesundheitsministerin: „Voraussichtlich ab April können dann deutlich mehr Praxen in Niedersachsen mit im Boot sein.“ Welche Ärzte genau die Impfungen durchführen, wurde nicht bekannt gegeben.

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Frisch geimpft: Einen Eintrag im Impfbüchlein für eine Covid-19-Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca könnte man sich schon bald beim Hausarzt holen, so der Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums.

Corona-Impfungen: Hausärzte sollen Impfzentren entlasten

Auch in Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und im Saarland starten beziehungsweise starteten Projekte, die die Corona-Impfung beim Hausarzt ermöglichen. In Thüringen und Brandenburg sollen diese noch im März starten, in den anderen beiden Bundesländern impfen ausgewählte Hausärzte bereits seit Februar. Im Saarland greift das Modellprojekt für Corona-Schutzimpfungen durch niedergelassene Ärzte in sieben Hausarztpraxen. Beteiligt sind hier die Kassenärztliche Vereinigung, die Ärztekammer und der Hausärzteverband, wie das RND meldet.

Derartige Modellprojekte sollen auf ganz Deutschland ausgeweitet werden. So zitiert das Portal Business Insider aus einem Vorschlagspapier des Bundesgesundheitsministeriums zur nationalen Impfstrategie, das Ministerium wolle „die bereits bestehende Möglichkeit der Einbeziehung niedergelassener Ärztinnen und Ärzte weiterentwickeln.“ Ab März solle in „ausgewählten“ Arztpraxen gegen das Coronavirus geimpft werden. Als Begründung heißt es dem Business Insider zufolge im Papier: „In den meisten Ländern wird die Zahl der verfügbaren Impfdosen bereits im April die von den Ländern gemeldeten maximalen Kapazitäten in den Impfzentren übersteigen“, und weiter: „In dieser Phase sollen die haus- und fachärztlichen Praxen, die in der Regelversorgung routinemäßig Schutzimpfungen anbieten, umfassend in die Impfkampagne eingebunden werden“.

Quellen: https://impfdashboard.de/; https://www.aerztezeitung.de/Politik/Deutschland-Bundeslaender-im-Vergleich-So-oft-wurde-bereits-gegen-COVID-19-geimpft-415936.html

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Wenn Kinderkrankheiten Erwachsene erwischen

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