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Nocebo-Effekt nach Corona-Impfung: Kopfschmerz in 50 % der Fälle „fälschlicherweise dem Impfstoff“ zugeschrieben

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Von: Juliane Gutmann

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Frau hat Kopfschmerzen
Nach einer Corona-Impfung wird häufig über Kopfschmerzen und Müdigkeit berichtet. Eine amerikanisch-deutsche Forschergruppe geht davon aus, dass nur die Hälfte der Fälle auf die Covid-Immunisierung zurückzuführen ist. © Andriy Popov/Imago

Müdigkeit, Schüttelfrost und Erkältungssymptome: Eine Impfung kann mit Nebenwirkungen einhergehen. Doch in vielen Fällen steckt wohl der Nocebo-Effekt dahinter.

Die Zulassungsstudien der Impfstoffhersteller Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson zeigen: Es kann nach der Corona-Impfung zu körperlichen Beschwerden wie Schmerzen an der Einstichstelle kommen. In den allermeisten Fällen handelt es sich um vorübergehende leichte Nebenwirkungen, die schnell überstanden sind. Vielleicht war man selbst betroffen oder hat Freunde und Bekannte, die nach der Impfung von Müdigkeit, Kopfschmerzen, Armweh bis Fieber berichten. Eine häufige Erklärung dafür: Das Immunsystem wird durch die Inhaltsstoffe der Corona-Impfstoffe zur Produktion von Corona-Antikörpern angeregt.

Doch eine deutsch-US-amerikanische Forschergruppe fand jetzt eine weitere Ursache, die Symptome nach der Corona-Immunisierung erklärt. Es handelt sich um den sogenannten Nocebo-Effekt, auch negativer Placebo-Effekt genannt. Wo der Placebo-Effekt beschreibt, dass eine Scheinbehandlung positive Wirkung allein deshalb beim Patienten erzielt, weil dieser sich eine solche erwartet, passiert im Fall des Nocebo-Effekts das Gegenteil. Das ist etwa der Fall, wenn ein Corona-Impfling fest davon ausgeht, dass die Impfung bei ihm Beschwerden auslöst und dies dann eintritt.

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Mehr als 50 Prozent der Impfreaktionen auf umgekehrten Placebo-Effekt zurückzuführen

Wie die Pharmazeutische Zeitung (PZ) informiert, ruft etwa jede dritte Placebo-Corona-Impfung unerwünschte Wirkungen hervor, obwohl kein Wirkstoff verabreicht wurde. Vor diesem Hintergrund geht das Forscherteam um Dr. Julia Haas vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston davon aus, dass mehr als die Hälfte aller Nebenwirkungen nach der Corona-Impfung auf den Nocebo-Effekt zurückzuführen sein könnten. Darauf weist auch die Metaanalyse der Forschenden hin, die im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht wurde.

Im Rahmen der Analyse wurden die Daten von 45.380 Probandinnen und Probanden ausgewertet. 22.578 erhielten eine Placebo-Injektion, der Rest eine Corona-Impfung. „Nach der ersten Dosis traten bei 35,2 Prozent der Placebo-Empfänger systemische unerwünschte Ereignisse auf, wobei Kopfschmerzen (19,3 Prozent) und Müdigkeit (16,7 Prozent) am häufigsten waren. Nach der zweiten Dosis berichteten 31,8 Prozent der Placebo-Empfänger über systemische unerwünschte Ereignisse“, so die Studienautoren und -autorinnen. Sie kamen zum Studienergebnis, dass Nocebo-Reaktionen für 76,0 Prozent der systemischen Nebenwirkungen nach der ersten Covid-19-Impfstoffdosis und für 51,8 Prozent nach der zweiten Dosis verantwortlich waren. An einer systemischen Reaktion können insbesondere die Haut, Atemwege, Magen-Darm-Trakt, Herz-Kreislauf-System und das Nervensystem beteiligt sein, so die PZ.

In einer Pressemitteilung der Harvard Medical School mit dem Titel „Power of Placebo“ beschreibt Hauptautor Professor Dr. Ted Kaptchuk der Havard Medical School und Direktor des Programms für Placebostudien am Beth Israel Deaconess das Phänomen Nocebo folgendermaßen: „Unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen und Müdigkeit – die, wie wir gezeigt haben, besonders noceboempfindlich sind – werden in vielen Informationsbroschüren als eine der häufigsten unerwünschten Wirkungen nach der Covid-19-Impfung aufgeführt. Es gibt Hinweise darauf, dass diese Art von Informationen dazu führen kann, dass Menschen alltägliche Empfindungen fälschlicherweise dem Impfstoff zuschreiben“. (jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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