Studie

Forscher stellen fest: Steigende Corona-Infektionszahlen bei Pollenflug

  • Franziska Kaindl
    vonFranziska Kaindl
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Steigt beim Pollenflug auch das Risiko für eine Corona-Infektion? Ein internationales Forscherteam hat in einer Studie zumindest eine Korrelation festgestellt.

Die Pollen-Saison ist im Anmarsch, gleichzeitig steigen die Corona-Fallzahlen in Deutschland wieder rasant an. Aber steht beides miteinander in Zusammenhang? Das hat ein internationales Team unter der Leitung von Forschern der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München untersucht. Die Studie wurde im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ („PNAS“) veröffentlicht.

Höheres Corona-Risiko bei Pollenflug? Forscher stellen Korrelation fest

Das Ergebnis: Starker Pollenflug kann womöglich das Corona-Risiko erhöhen. Das zeigte eine Auswertung von Daten zur Pollenbelastung und Infektionsraten mit Sars-CoV-2 aus 130 Regionen in 31 Ländern auf fünf Kontinenten. Die Forscher berücksichtigen auch demografische Faktoren und Umweltbedingungen – darunter Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Bevölkerungsdichte und die Ausprägung des Lockdowns. Demnach seien bei vielen Pollen in der Luft auch die Infektionszahlen gestiegen. So stieg die Infektionsrate an Orten ohne Lockdown-Regelungen im Schnitt um vier Prozent, wenn sich gleichzeitig die Anzahl der Pollen in der Luft um 100 pro Kubikmeter erhöhte. In denjenigen deutschen Städten, in denen im Untersuchungszeitraum teilweise bis zu 500 Pollen pro Tag auf einen Kubikmeter gekommen sind, stiegen die Infektionsraten um mehr als 20 Prozent. Die täglichen Infektionsraten korrelieren also mit der Pollenzahl in den Ländern – unabhängig von der Lockdown-Situation.

Dennoch seien diese Ergebnisse laut den beteiligten Experten kein Grund, sich übermäßig Sorgen zu machen. Es gäbe viele andere Faktoren, die steigende Infektionsraten erklären könnten – Pollen stellen nur einen Teil davon dar. So können auch Luftfeuchtigkeit und Lufttemperatur eine Rolle spielen. Die Korrelation zwischen Pollenflug und Infektionsraten beweise nicht direkt eine Kausalität.

Der Pollenflug kann das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus erhöhen.

Kein erhöhtes Corona-Risiko für Allergiker

Die Studie sorgte kurz nach ihrer Veröffentlichung für Verunsicherung bei bestimmten Patienten, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) unter Berufung auf Verbände und Einrichtungen berichtete. Es hätte viele Anfragen von Menschen mit Heuschnupfen oder Asthma gegeben. Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) entwarnte aber: „Allergiker und Nichtallergiker sollten keine Sorgen oder gar Ängste entwickeln, durch den Kontakt mit Pollen in der Außenluft bevorzugt eine Infektion mit Coronaviren zu erleiden.“ Das bestätigte auch der Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen, Ludger Klimek: „Ich glaube nicht, dass die Studie für die Allgemeinbevölkerung eine Aussage über ein erhöhtes Corona-Risiko bei Pollenflug zulässt.“ Bei Pollenallergikern, deren Schleimhäute geschädigt sind, könne das Risiko zwar erhöht sein, bei gut behandelten Allerigkern aber nicht.

Ähnlich sieht es Jörg Kleine-Tebbe, Allergologe und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) auf dpa-Anfrage, der die Ergebnisse für keinen extremen Befund hält: „Die Korrelation zwischen Pollenflug und Infektionen ist offenbar vorhanden, aber gering ausgeprägt.“

Generell sei die erhöhte Infektanfälligkeit gegenüber bestimmten Viren bei Pollenflug im Frühjahr in der Fachliteratur bereits bekannt, wie der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner sagte. „Neu ist, dass dieser Effekt nun auch für das neue Coronavirus, also Sars-CoV-2, wissenschaftlich belegt wurde.“

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Erhöhtes Infektionsrisiko bei Pollenflug möglich – So schützen Sie sich

Gerade im Frühjahr und bei steigenden Temperaturen nehmen es viele Menschen mit den Masken- und Abstandsregeln nicht mehr so genau. Clemens Wendtner weist allerdings darauf hin, dass man sich nicht auf den vermeintlich schützenden Effekt von UV-Strahlen verlassen dürfe: „Vielmehr sollte im Frühjahr, wenn besonders viele Pollen die Luft belasten können, ganz besonders auf das Tragen einer Partikelfiltermaske geachtet werden: Die Maske filtert nicht nur zuverlässig die Pollen aus der Luft, sondern auch die Sars-CoV-2 Viren.“

Auch die TUM-Umweltmedizinerin und Mitautorin Claudia Traidl-Hoffmann rät dazu, in den kommenden Monaten einen Blick auf die Pollenflugvorhersagen zu haben: „Staubfiltermasken zu tragen, wenn die Pollenkonzentration hoch ist, kann das Virus und den Pollen gleichermaßen von den Atemwegen fernhalten.“ (fk)

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