Gesundheit

Wie Corona-Patienten auf Intensivstationen beatmet werden

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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Covid-19-Patienten mit schweren Herz- und Lungenschäden werden auf den Intensivstationen häufig mit der ECMO behandelt. Was bedeutet das und wie funktioniert die Corona-Behandlung? 

Kassel – Lediglich ein Teil der Covid-19-Erkrankungen verläuft schwer. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts werden rund zehn Prozent der übermittelten Corona*-Fälle in Deutschland im Krankenhaus behandelt. Dennoch sind die Intensivstationen während der Infektionswellen immer wieder voll belegt.

Viele Krankenhäuser, darunter auch das Uniklinikum Göttingen, beobachten auch in der dritten Welle, wie sich die Intensivstationen zunehmend füllen. Ein Großteil der Intensivpatienten, rund 60 Prozent, muss laut DIVI-Intensivregister künstlich beatmet werden, denn das Coronavirus Sars-CoV-2 verursacht bei schweren Krankheitsverläufen sehr häufig Infektionen der Atemwege, bis hin zum akuten Lungenversagen.

Corona-Pandemie: Uni-Klinik Göttingen setzt auf ECMO-Behandlung

Immer wieder hört man in diesem Zusammenhang von der Behandlung mittels „ECMO“. Auch das RKI weist im epidemiologischen Steckbrief des Virus darauf hin, dass bei einem akuten Lungenversagen infolge der Corona-Infektion unter Umständen eine ECMO fällig wird. Die Uni-Klinik Göttingen beispielsweise hat zwölf ECMO-Geräte* zur Verfügung. Doch was heißt das eigentlich genau und wie funktioniert die Behandlung?

Ein Covid-19 Patient wird mit der ECMO behandelt: Bei schweren Verläufen der Krankheit ist sie oft das allerletzte Mittel.

ECMO steht für „ExtraKorporale Membranoxygenerierung“ oder auch „Extrakorporale Lungenunterstützung“. Das System wird in der Intensivmedizin eingesetzt, sobald die Atemfunktion eines Patienten aufgrund einer Erkrankung wie Covid-19 oder eines Traumas, beispielsweise durch einen Verkehrsunfall, künstlich unterstützt werden muss. Das Verfahren kann bei Kindern und Erwachsenen angewendet werden und die Herz- und Lungenfunktion unterstützen, beziehungsweise vollständig übernehmen.

Schwerer Covid-19-Verlauf – die ECMO atmet für den Patienten

Kommt die ECMO auf einer Corona-Intensivstation zum Einsatz, wird über einen großen Gefäßkatheter mithilfe einer Pumpe eine definierte Blutmenge aus dem Körper durch einen sogenannten Membran-Oxygenator gepumpt. Bei einem Erwachsenen Patienten sind das in etwa drei bis fünf Liter pro Minute.

Das Blut des Patienten wird dann „exkorporal“, also außerhalb des Körpers, in der Maschine mit Sauerstoff angereichert, das Kohlenstoffdioxid wird entfernt und schließlich wird das Blut in den Körper des Patienten zurückgeleitet. So erklären Experten und Mediziner der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) das Verfahren.

Das Ziel der Behandlung ist es, der Lunge eine Verschnaufpause zu ermöglichen, und trotzdem wie bei der natürlichen Atmung Sauerstoff in den Körper zu bringen und Kohlendioxid herauszuholen. So soll sich die Lunge erholen und heilen – bis sie diesen Prozess wieder eigenständig übernehmen kann.

Ein Covid-19 Patient wird auf einer französischen Intensivstation mit einer extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) behandelt.

Es funktioniert also wie eine externe, künstliche Lunge, was es von anderen künstlichen Beatmungsverfahren unterscheidet: „Bei der herkömmlichen Beatmung wird Sauerstoff mit Überdruck in die Lunge gepresst. Das kann dazu führen, dass die Lunge überbläht oder sogar bisher noch funktionierende Lungenbereiche geschädigt werden“, erklärt Professor Dr. med. Stefan John von der DGIIN. Die Beatmung mit der ECMO ist also schonender, so die Experten der DGIIN.

Verschnaufpause für die Lunge: Mehrheit der Covid-Patienten überlebt mit ECMO

Gerade zu Beginn der Therapie bei Corona-Patienten werden oft große Blutmengen durch die ECMO gepumpt, um eine maximale Unterstützung der Atmung zu ermöglichen, heißt es vonseiten der Uniklinik Aachen. Verbessert sich der Zustand des Patienten, wird diese Menge reduziert, damit Herz und Lunge ihre volle Funktion wieder Stück für Stück übernehmen.

Auf den Intensivstationen, die sich auch in der dritten Corona-Welle wieder besorgniserregend füllen*, wird das Verfahren vor allem dann eingesetzt, wenn herkömmliche Beatmungsmaschinen den Patienten mit Covid-19 nicht mehr helfen können. Diese Behandlung ist für viele die letzte Möglichkeit zu überleben. Und tatsächlich: Die Mehrheit der schwer erkrankten Covid-Patienten überlebt mit der ECMO.

„Alleine im Januar haben wir damit mehrere Patienten mittleren Alters mit schwerstem Covid-19-Verlauf behandelt, die sich nach wochenlanger Unterstützung jetzt wieder langsam erholen. Jeder von ihnen hätte ohne diese Therapie kaum eine Überlebenschance gehabt“, betont Prof. Thomas Fühner, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin am KHR Klinikum Siloah in Hannover.

Nach den vorgestellten Erfahrungen eines weltweiten Patien­ten­registers liegt die Sterberate von Patienten, die mit der ECMO behandelt werden bei unter 40 Prozent. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden Ende 2020 in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet vorgestellt. (iwe) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Anne-Christine Poujoulat/AFP

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