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Corona mit dem Smartphone erkennen: Augen-Scan-App soll nach Analyse der Lederhaut Corona-Infektionen anzeigen

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Von: Juliane Gutmann

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Anhand eines speziellen rosa Farbtons im Auge will eine neuartige App Corona-Infektionen erkennen.
Anhand eines speziellen rosa Farbtons im Auge will eine neuartige App Corona-Infektionen erkennen. © ina.mija/imago images

Der PCR-Test gilt als sicherste Methode, eine Corona-Infektion nachzuweisen. Doch bekommen Nasen- und Rachenabstrich bald Konkurrenz durch eine App?

Die bayerische Firma Semic RF Electronic hat einen digitalen Corona-Schnelltest entwickelt, der nichts weiter als ein Foto des rechten oder linken Auges erfordert. Die neue Test-App „SEMIC EyeScan“ soll innerhalb von drei bis fünf Minuten anzeigen, ob sich eine Person mit Sars-CoV-2 infiziert hat. Doch wie genau kann eine rein visuelle Methode sein? Augenärzte äußern sich kritisch.

Den Herstellern zufolge benötigt man für den Corona-Schnelltest nur ein Smartphone mit einer Kameraempfindlichkeit von mindestens zwölf Megapixeln. Nach einer frontalen Bildaufnahme des rechten oder linken Auges mit der „SEMIC EyeScan“-App analysiert diese die Lederhaut des Auges. Anhand der Farbe der Lederhaut will die App dann bestimmten, ob sich die Testperson mit Coronaviren infiziert hat, informiert unter anderem das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Der Test soll bis zu 97 Prozent sicher sein, so der Hersteller mit Sitz in Taufkirchen.

Corona-App erkennt speziellen Rosa-Ton im Auge – doch nur wenige Patienten entwickeln Bindehautentzündung

Die Farbe der Lederhaut im Auge sei ausschlaggebend: „Uns ist es gelungen, aus über zwei Millionen unterschiedlichen rosa Farbtönen den von Covid-19 zu isolieren“, erklärt Wolfgang Gruber, Geschäftsführer von Semic RF Electronic, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die neu entwickelte App scannt das Auge genau nach diesem Farbton, so der Hersteller. Doch Augenärzte hegen dem RND zufolge große Zweifel daran, dass es tatsächlich einen coronatypischen rosa Farbton des Auges gibt.

Gegen die Effektivität der App spricht zudem, dass nur ein kleiner Teil von Corona-Patienten eine Bindehautentzündung mit geröteten Augen entwickeln. So kommt etwa eine chinesische Studie mit 535 Corona-positiven Studienteilnehmern zu dem Ergebnis, dass nur fünf Prozent, also 27 Patienten, eine Bindehautentzündung entwickelten. Bei 33 Patienten war die Bindehautentzündung chronisch. Doch „die Bindehautentzündung ist ein unspezifisches Symptom aller möglichen Infektionskrankheiten“, zitiert das RND Prof. Horst Helbig, Direktor des Instituts für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Regensburg und Pressesprecher der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Auch Allergien oder Überanstrengung sind Ursachen, die zu geröteten Augen führen können.

Augen-Scan-App: Nutzen nicht wissenschaftlich geprüft

Auf Anfrage des RND nahm der Berufsverband der Augenärzte Deutschland Stellung zur neuartigen Testmethode: „Bisher sind uns keine wissenschaftlichen Studien bekannt, die Anlass zu der Annahme geben, anhand einer Augenuntersuchung könne man eine Infektion mit dem Virus nachweisen“. Auch Hersteller Semic RF Electronic hat noch keine Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien veröffentlicht. „Wir warnen dringend davor, Tests einzusetzen, für die es keine Daten gibt und die nicht evaluiert und zugelassen sind“, zitiert das RND Augen-Experten Helbig. Die „SEMIC EyeScan“-App soll zunächst Unternehmen und kommerziellen Nutzern vorbehalten sein, wie das Portal t3n.de meldet.

Umfrage zum Thema Corona-Schnelltest

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