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„Nicht mehr nötig, jede Infektion zu vermeiden“: Infektiologe für Lockerungen - Befürchtung für Winter 22/23

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Von: Juliane Gutmann

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Die Corona-Inzidenzen sind hoch wie nie, doch nur verhältnismäßig wenige erkranken schwer: Deshalb alle Infektionsschutzmaßnahmen fallen lassen? Dr. Spinner gibt Antworten.

Auch in Deutschland rechnen wir Mitte Februar oder Anfang März mit deutlich rückläufigen Infektionszahlen, dann soll der Peak der fünften Welle erreicht werden“, so Dr. Christoph Spinner vom Universitätsklinikum rechts der Isar im Exklusiv-Interview mit der Ippen-Zentralredaktion. Aktuell erreichen die Zahlen noch Höchstwerte: Die 7-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen liegt am 18. Februar bundesweit bei 1371,7. Am 17. Februar waren es dem Robert Koch-Institut als biomedizinischer Leitforschungseinrichtung der deutschen Bundesregierung zufolge fast 236.000 Menschen, die sich mit Corona infiziert haben. Doch die Fälle derjeniger Patienten, die mit Covid-19 auf Intensivstationen behandelt werden müssen, steigen nicht in gleichem Maße an.

Im Ippen-Interview spricht Dr. Spinner vom Klinikum rechts der Isar über Corona-Maßnahmen, die in den nächsten Wochen greifen werden.
Im Ippen-Interview spricht Dr. Spinner vom Klinikum rechts der Isar über Corona-Maßnahmen, die in den nächsten Wochen greifen werden. © IPPEN.MEDIA

Eine Ansteckung mit dem Virus hat für gesunde Menschen in der Regel einen milden Krankheitsverlauf zur Folge. Dies liegt Forschern zufolge auch an der Ausbreitung der Omikron-Virusmutante*. Diese sei zwar ansteckender als Delta oder andere Mutationen, doch Patienten erleiden keinen schwereren Krankheitsverlauf. Ein Forscherteam der Goethe-Universität und des Uniklinikums Frankfurt am Main und der britischen University of Kent in Canterbury widmeten sich jetzt der Ursachenforschung. Sie schlussfolgern aus ihrer Studie unter anderem, dass Omikron weniger gut zelluläre Abwehrmechanismen gegen Viren blockieren kann als Delta. Infolge komme es seltener zu schweren Krankheitsverläufen.

Kann man vor diesem Hintergrund die meisten oder vielleicht sogar alle Infektionsschutzmaßnahmen wie FFP-2-Maskenpflicht abschaffen? Dr. Spinner sieht vor allem ein Problem, wenn es um Öffnungsschritte geht.

Mehr zum Thema: Corona-Inzidenz hoch wie nie, Intensiv-Fälle steigen nicht mit: Hospitalisierungsinzidenz als neuer Richtwert?

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Corona-Pandemie: Gefährdete Menschen wie chronisch Kranke weiterhin schützen

Damit der Übergang von Pandemie zu Endemie* gelingen kann, brauche es sinnvolle Konzepte, so der Mediziner: „Das Schwenken von einem ins andere Extrem bietet aus meiner Sicht keinen guten Ansatz“. Mit Blick auf den Sommer sei zwar sehr wahrscheinlich, dass die Infektionsschutzmaßnahmen deutlich gelockert werden, doch für Winter 2022/23 prognostiziert Christoph Spinner wieder deutlich steigende Corona-Fallzahlen. Deshalb wünscht sich der Infektiologe, dass bereits jetzt vernünftige Konzepte für den weiteren Umgang mit der Pandemie erstellt werden.

„Es kann sicher auch jetzt schon darüber nachgedacht werden, wo Masken in der Öffentlichkeit wirklich weiter erforderlich bleiben, wo 2G- und 3G-Regelungen aufgelockert werden können. Denn es ist nicht mehr nötig, jede Infektion zu vermeiden“, so Spinner. Man müsse den Schutz vor allem auf vulnerable Gruppen konzentrieren, etwa Ältere und chronisch Kranke: „Das ist sicher, diese Menschen werden auch weiterhin gefährdet bleiben“. (jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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