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Mehr als jeder zweite beatmete Corona-Patient überlebt nicht: Die Covid-Sterblichkeit im Detail

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Von: Juliane Gutmann

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Ärzte und Pflegekräfte betreuen Patienten in einem der Behandlungszimmer der Intensivstation in der Universitätsmedizin Rostock und sind durch ein Fenster mit Weihnachtssternen zu sehen.
Angesichts einer sprunghaft zunehmenden Zahl von Corona-Infizierten und der hohen Auslastung der Intensivstationen hat die Universitätsmedizin Rostock einen Covid-Ethikbeirat gebildet. Auch andere deutsche Kliniken kommen aktuell an ihre Grenzen und müssen Triage anwenden. © Jens Büttner/dpa

Die Corona-Pandemie beherrscht seit Anfang 2020 die Nachrichtenlage. Forschende können jetzt nähere Informationen darüber geben, wie sich Covid-19 auf die Sterblichkeit auswirkt.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind 103.520 Menschen an Covid-19 gestorben. Das Robert Koch-Institut als biomedizinische Leitforschungseinrichtung der deutschen Bundesregierung erfasst seit Anfang 2020, wie viele Menschen an Corona erkranken und infolge versterben. Aktuell beunruhigen außerdem extrem hohe Inzidenzen in weiten Teilen Deutschlands. Denn fest steht: Je höher die 7-Tage-Inzidenz (Der Wert bildet die Fälle pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen ab), desto mehr Menschen erleiden auch einen schweren Krankheitsverlauf.

In einigen deutschen Kliniken kommt deshalb bereits eine Form der Triage zum Tragen. Das ist dann der Fall, wenn mehr Menschen stationär behandelt werden müssen, als Kapazitäten zur Verfügung stehen. Mediziner müssen dann entscheiden, welche Patienten aufgrund besserer Überlebenschancen die bestmögliche Therapie erhalten. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, beschreibt die aktuelle Situation in deutschen Kliniken folgendermaßen: „Wir können nicht mehr allen Patienten die bestmögliche Behandlung ermöglichen, (...) die wir im Regelfall zur Verfügung haben.“ Das sei schon eine Art von Triage. Wie die Deutsche Presseagentur dpa ihn weiter zitiert, lägen immer mehr Covid-19-Patienten auf Stationen deutscher Kliniken. Diese Entwicklung dürfe nicht anhalten, denn schon jetzt würden Intensiv-Patienten früher „als medizinisch vertretbar“ auf Normalstationen verlegt werden, so Gaß im Deutschlandfunk-Interview.

In der aktuellen dpa-Meldung zum Thema „Klinikmanagement in Zeiten von Corona“ führt der Hamburger Intensivmediziner Stefan Kluge erschreckende Zahlen auf: Unter den Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung bekommen, läge die Sterblichkeit bei 30 bis 50 Prozent. Von den Schwerkranken, die an eine künstliche Lunge angeschlossen werden müssen, schaffe es mehr als jeder Zweite nicht, so der Arzt.

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Keine Übersterblichkeit durch Corona im Jahr 2020 in Deutschland

Doch wie sind solche Zahlen vor dem Hintergrund zu werten, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs immer noch zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland zählen? Oder wie wäre die Situation heute, wenn die Grippewelle 2020/2021 so heftig ausgefallen wäre wie im Jahr 2017/2018, als etwa 25.100 Menschen in Deutschland durch eine Virusgrippe ums Leben kamen? Mit derartigen Fragen beschäftigen sich unter anderem Wissenschaftler an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg Essen (UDE). Sie hatten die Zahl der Sterbefälle der Jahre 2016 bis 2020 in Deutschland, Spanien und Schweden analysiert. Das Ziel: Es sollte herausgefunden werden, ob in den drei Ländern im Corona-Jahr 2020 mehr Menschen verstorben sind, als dies ohne den Ausbruch einer Pandemie erwartet worden wäre, heißt es in einer Pressemitteilung der UDE.

Das Studienergebnis: 2020 gab es keine Übersterblichkeit in Deutschland, auch wenn es etwa 34.000 Todesfälle gab, die mit Covid-19 assoziiert werden. Für Spanien ergab die Auswertung eine Übersterblichkeit im Jahr 2020 von 14,8 Prozent, für Schweden eine von drei Prozent. Die Forscher um Erstautor und Epidemiologe Dr. Dr. Bernd Kowall vom Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE) am Universitätsklinikum Essen berücksichtigten neben den Nettozahlen der Todesfälle auch Faktoren wie die gestiegene Lebenserwartung der Bürger.

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Warum trotz Corona-Pandemie im Jahr 2020 nicht mehr Menschen als sonst gestorben sind, führt das UDE unter anderem auf folgende Ursachen zurück:

Der Vergleich zwischen den Sterberaten weltweit legt außerdem nahe: Das im Vergleich zu weiten Teilen Indiens oder Perus intakte deutsche Gesundheitssystem und auch der verhältnismäßig schnelle Impffortschritt werden mit aller Wahrscheinlichkeit dazu beigetragen haben, dass in Deutschland nicht die erschreckenden Zahlen erreicht wurden, wie sie in vielen Teilen Perus oder Brasiliens erreicht wurden. (jg)

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