Globuli bei Coronavirus? Selbst der Deutsche Zentralverband homöopathischer Ärzte empfiehlt anderes.
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Globuli bei Coronavirus? Selbst der Deutsche Zentralverband homöopathischer Ärzte empfiehlt anderes.

Sars-CoV-2

Globuli gegen Corona? Ärztin warnt vor Risiko mit Naturheilmitteln

Weil im Kampf gegen das Coronavirus immer noch eine medizinische Lösung fehlt, werden Naturheilmittel für manche immer verlockender. Darum könnte das laut einer Ärztin "gefährlich" werden.

  • Medikamente* und Impfstoffe* gibt es im Kampf gegen Corona bisher nicht.
  • Apotheker in Deutschland und Österreich warben mit Naturheilmitteln gegen das Coronavirus.
  • Eine ehemalige Homöopathin erklärt, warum dies "gefährlich" werden kann.

"Informierte Schwingungsglobuli", Sesamöl auf der Nasenschleimhaut oder Gurgelwasser mit Blutwurz: Das Fehlen eines Medikamentes oder eines Impfstoffes im Kampf gegen das Coronavirus ruft vielerorts Fürsprecher der Alternativmedizin auf den Plan. Eine Ärztin und ehemalige Homöopathin erklärte in einem Podcast, warum das sogar "gefährlich" werden kann.

Globuli gegen das Coronavirus? Einzelne Apotheker versprechen Wunder mit Naturheilmitteln

Können Globuli* vor einer Ansteckung mit Covid-19 schützen oder die Krankheit sogar heilen? Mit dieser Frage wurde die Ärztin Natalie Grams vor Kurzem im Podcast "Klartext Corona" der Apotheken Umschau konfrontiert. Hintergrund sind zahlreiche Tipps zu alternativen Heilmethoden, die in Zeiten von Corona kursieren sowie Fälle von Apothekern in Deutschland und Österreich, die mit natürlichen Heilmittelchen warben. Im Hochtaunus bot eine Apotheke zum Beispiel das Mittel "Corona Komplex Z Globuli" feil, dass die Abwehrkräfte stärken sollte, wie das Online-Magazin "Apotheke Adhoc" berichtete. Der Inhaber sei mittlerweile von der Wettbewerbszentrale abgemahnt worden, heißt es dort, und habe eine Unterlassungserklärung unterzeichnen müssen. Einem Kollegen in Bayern sei es ähnlich ergangen, nachdem er mit einem Gurgelwasser mit Blutwurz, Süßholzwurzel, Kamille und Käsepapel als Präventionsmittel gegen Corona warb. In einer Apotheke in Wien soll die Leiterin laut Medical Tribune hingegen "informierte Schwingungsglobuli" als Schutz vor dem Coronavirus angeboten haben.

All diese Mittelchen sieht die Ärztin Dr. Natalie Grams, die selbst jahrelang von Homöopathie überzeugt war, kritisch: "Viele Menschen gehen ja davon aus, dass homöopathische Globuli irgendwas mit Natur enthalten. Und man muss zum einen sagen, dass die Verdünnung darin häufig so groß ist, dass von der Natur nichts mehr enthalten ist. Aber bei solchen Schwingungsglobuli ist ja nicht mal Natur drin, sondern eine Art energetische Information soll da drin sein. Und das klingt unheimlich gut und man würde sich natürlich auch wünschen, dass das funktioniert, aber das tut es leider nicht. Vom Prinzip her nicht und auch vom Wirknachweis her nicht."

Auch interessant: Neue Erkenntnisse in Corona-Forschung: Das Virus dringt über die Nase in den Körper ein.

Ärztin warnt: Darum können Naturheilmittel in der Pandemie zur Gefahr werden

Ein Tipp, der zu Beginn der Pandemie kursierte, besagte zudem, dass Sesamöl auf der Nasenschleimhaut Viren am Eindringen hindern soll. Das sei aber nicht der Fall, wie die Ärztin erklärte: Zum einen weil die Nasenschleimhaut viel weiter in die Nasennebenhöhlen und den Rachen hineinreiche, als man mit Sesamöl beschmieren könnte, zum anderen weil es keinerlei wissenschaftlichen Beleg gäbe, dass es funktioniert: "Meines Erachtens ein super Beispiel dafür, wie gefährlich eben die oftmals so als sanfte und natürliche Medizin bezeichnete Alternativmedizin hier dann eben sein kann. Weil wenn man jetzt denkt, ich bin durch dieses Öl geschützt, ich brauche mich also nicht mehr an die allgemeinen Hygienemaßnahmen halten, dann riskiert man eben eine Infektion oder auch das Weitertragen einer Infektion und gefährdet damit nicht nur sich, sondern auch andere Menschen."

Grams habe natürlich Verständnis dafür, wenn Menschen in der aktuellen Lage auf der Suche nach schnellen Hilfsmitteln sind. Aber: "Das ist leider nicht realistisch." Sogar der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) empfiehlt in einer Pressemitteilung ausdrücklich, sich in der Corona-Krise an den Empfehlungen der Behörden und des Robert Koch-Instituts zu orientieren. Laut Grams sind daher immer noch die Abstands- und Hygienemaßnahmen das wirksamste Mittel*, um einer Infektion mit dem Coronavirus vorzubeugen.

Lesen Sie auch: Öffentliche Toiletten im Fokus: Verbreitet sich hier das Coronavirus ungehindert?

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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