März ist Darmkrebs-Monat

Darmkrebs: „Das klitzekleine Risiko ist der Tod“

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Rund 26 000 Menschen sterben jährlich an Darmkrebs. Die meisten von ihnen könnten noch leben – wenn sie zur Vorsorge gegangen wären. Die Felix-Burda-Stiftung setzt sich seit 15 Jahren für eine bessere Aufklärung ein. Denn, so deren Motto: „Ausreden können tödlich sein!“

Dr. Kai Fehse (49).

Warum nur fällt es uns so schwer, gegen unsere Ausreden anzukommen? Wieso schieben wir wichtige Vorsorgeuntersuchungen auf – obwohl wir doch wissen, dass sie lebenswichtig sein können? Die Felix-Burda-Stiftung, die 2001 gegründet wurde und seither intensiv über Darmkrebs aufklärt, hat nun eine besondere Werbekampagne ins Leben gerufen. Dr. Kai Fehse, Hirnforscher an der Ludwig-Maximilians-Universität München, analysiert für diese Kampagne, wie wir unseren inneren Schweinehund überwinden – damit aus guten Vorsätzen auch Taten werden.

Warum verpuffen gute Vorsätze in Sachen Gesundheit so schnell?

Das Problem bei all diesen Vorsätzen ist, dass die positive Wirkung in weiter Ferne vermutet wird – der Nutzen dieses Aufwands ist also nicht sofort sichtbar. Somit steht er dann in Konkurrenz zu tausend anderen möglichen Aktivitäten, bei denen wir sofort belohnt werden: egal ob Shoppen gehen oder Auto waschen. Das sind ja alles Dinge, die uns Freude machen, von einem Augenblick auf den anderen. Hirnforscher nennen das „Reward“: Freude, die wir körperlich über einen Dopamin-Schub spüren. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff des Nervensystems – und ein Glückshormon.

Deshalb schieben wir lästige Vorsorgeuntersuchungen so gern auf?

Genau – sie sind nunmal lästig. Und: Als phantasiebegabte Spezies sind Menschen in der Lage, sich diese Lasten in den düstersten Farben auszumalen. Unsere Vorstellung übertreibt den Aufwand, den zum Beispiel eine Darmspiegelung bedeutet, ins Groteske. Man könnte das mit dem Frühsport vergleichen: Erst kommt man kaum aus den Federn. Aber dann ist man vom Joggen zurück und sagt: „War doch gar nicht so schlimm!“

Viele Menschen schieben ja Vorsorgeuntersuchung auch deshalb auf, weil sie Angst vor schlechten Nachrichten haben...

Dann ist vermutlich der Mangel an Informationen das Problem: Wenn Sie Menschen fragen, mit welcher Wahrscheinlichkeit bei einer Untersuchung Krebszellen gefunden werden, überschätzen sie dieses Risiko dramatisch! Die Aufklärung muss uns klar machen, dass es kein hohes statistisches Risiko gibt – dass aber dieses klitzekleine Risiko der Tod ist. Darmkrebs ist harmlos, wenn er früh erkannt wird. Aber nahezu unheilbar, wenn man ihn zu spät entdeckt.

Wie überwindet man seinen „inneren Schweinehund“?

Ich glaube persönlich, dass man sich die Todesgefahr bewusst machen muss. Und andererseits vielleicht eine kleine Belohnung in den Vorsorge-Tag einbauen sollte: vielleicht einen köstlichen Steinbutt oder besonders teure, frische Pralinen für den Hunger danach ...

Und wie schafft man es, sich nicht schon im Vorfeld verrückt zu machen?

Man kann ja kein „schlechtes Gefühl“ haben. Darmkrebs im frühen Stadium spürt man einfach nicht. Man kann natürlich ganz generell Angst haben – vor Arztterminen. Aber die Angst vor dem Tod sollte doch viel größer sein und uns auf die Sprünge helfen: Was ist dann mit Ihren Kindern? Machen Sie sich einfach klar, was Sie alles verlieren können, nur weil Sie wieder und wieder ihren Ausreden nachgeben.

Interview: Barbara Nazarewska

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